DIE 10 LEBEN DER TITANIC (Titanic ti liv)

© Odd Steinar Tøllefsen/Nordisk Film

DIE 10 LEBEN DER TITANIC
(TITANIC TI LIV)

Liv bekommt zum Geburtstag genau das Geschenk, das sie sich gewünscht hat: eine Fahrkarte für die Jungfernfahrt auf dem Luxusschiff "Danawelt" und einen Rundflug mit dem Hubschrauber vom Deck des Schiffes aus. Doch kurz vor der Abreise geschehen seltsame Dinge: Liv hat Visionen, und sie reagiert scheinbar allergisch auf die Katze ihres Bruders. Die Eltern glauben an eine Krankheit, doch Liv weiß es besser. Die schwarze Katze Titanic, die in ihren Träumen herumgeistert, will ihr etwas mitteilen. Außer ihrem Freund Thomas schenkt ihr jedoch niemand Glauben.

Ein Mystery-Thriller für Kinder, der angenehm von der stillen Spannung lebt, die sich aus dem Aufeinanderprallen von Vision und Wirklichkeit ergibt und dabei ganz auf Horror-Action verzichtet.

 

Kritik der Kinderjury

Gleich beim Vorspann haben wir uns gedacht, dass das ein guter Film werden wird, denn wie die Kamera den roten Faden verfolgt und die Musik dazu immer spannender wird, macht den Film von Beginn an so interessant, dass man gleich einsteigt und wissen will, um was es geht. Einige von uns fanden den Film fast durchgängig gruselig, aber gerade noch gut auszuhalten. Wir könnten uns aber schon vorstellen, dass dieser Film für jüngere Kinder zu spannend ist und sie sich fürchten. Besonders toll sind die vielen Spezialeffekte im Film, wie z.B. das plötzliche Auftauchen bzw. Verschwinden der Katze oder die wunderschönen Wasser-Effekte. Zur Ent-Spannung gibt es auch einige sehr lustige Szenen wie etwa jene, als Livs Mutter vermutet, dass Liv und Thomas „miteinander rummachen“, obwohl sie das zwecks Tarnung nur vortäuschen.

Die Geschichte, die Gegenwart und Vergangenheit ganz wunderbar miteinander verwebt, wird erst im letzten Viertel aufgelöst. So bleibt man dran und möchte wissen, was Liv mit der Katze Titanic und dem Schiffsuntergang verbindet - und warum sie die einzige ist, die ein neuerliches Unglück verhindern kann. Die Szenen, die im Gestern spielen, sind ganz toll inszeniert (Ausstattung, Kostüme…), nur die Figuren waren uns nicht gleich ganz klar. Liv erkennt in einem Mädchen von damals ihr anderes Ich, gleichzeitig kann sie sich aber auch in die Magd hineinversetzen, die die Katze ertränken soll. Ihre inneren Bilder und Visionen sind nicht gleich auf den ersten Blick zu durchschauen, das macht das Verständnis ein wenig schwierig. Das Ende der Geschichte, das wir hier nicht verraten wollen, finden wir sehr gelungen, da es schon vorbereitet wird, als es beim Geschichte Vorlesen um Sternenstaub geht.

Die Spannung wird durch die gute Vorbereitung mit Hilfe vieler kleiner Hinweise erzeugt. Ein Beispiel dazu: Der Vorspann legt nahe, dass es mit dem roten Faden noch spannend werden wird. Als Liv an ihrem Geburtstag einem roten Faden folgen muss, um zu ihren Geschenken zu gelangen, wirkt das schon gruselig, obwohl die Szene an sich völlig harmlos ist. Auch mit verschiedenen Katzen-Effekten wird gespielt (Augen, Kratzer im Gesicht, Liv hat einen Katzen-Schatten, als sie auf der Schaukel sitzt usw.). Es ist auch nie gleich gemacht, wie die Katze - meist sehr plötzlich - wieder auftaucht. So gesehen ist der Film visuell für uns viel origineller als größere Produktionen, die zwar vielleicht mehr Geld für noch bessere Effekte haben, sich aber nicht so viel Zeit nehmen, um sich diese vielen Details einfallen zu lassen.

Im Film gibt es häufig Großaufnahmen, bei denen Angst und Schrecken gut in den Gesichtern zu lesen sind. Die Kamera nimmt außerdem immer wieder unterschiedliche Perspektiven ein, wechselt den Aufnahmewinkel und lässt uns mit Hilfe der subjektiven Kamera sogar den Blick der Katze einnehmen. Die Vergangenheit ist durch die Verwendung von Weichzeichner eindeutig erkennbar. Das Licht ist ganz besonders sorgfältig gesetzt und trägt wie auch die Musik zur Steigerung der Spannung bei. Weil die Figur der Liv so toll gespielt war, konnten wir uns sehr gut in sie hineinversetzen und sogar ihr Erschrecken und ihre Atemnot „miterleben“.

Höchstnote als Grusel-Mystery-Thriller für unerschrockene junge Filmfans!

 

Norwegen 2007
74 Minuten, Farbe

Regie: Grethe Boe-Waal

mit: Tiril Eeg-Henriksen, Martin Mbugua, u. a.

empfohlen von
8 bis 12 Jahren

Grethe Bøe-Wahl
Grethe Bøe-Wahl