25 Kinder und ein Vater

© Internationales Kinderfilmfestival

25 KINDER UND EIN VATER
(ERSHIWUGE HAIZI YIGE DIE)

Der Hühnerfarmer Zhao Guang ist als Waisenkind von seinen Dorfnachbarn aufgezogen worden. Als er bei einer Zeremonie in der fernen Bezirksstadt geehrt wird, sagt er vor laufender Fernsehkamera, dass er aus Dankbarkeit am liebsten ein Vater für alle Waisenkinder in China wäre. Als Zhao Guang auf seine Farm zurück kehrt, wimmelt es dort von Kindern, die seine Ankündigung ernst genommen haben. Aber wie soll er plötzlich 25 Kinder versorgen? Und wie soll er, der selbst nie etwas gelernt hat, sie unterrichten? Seine Verlobte ist zudem gar nicht begeistert über den plötzlichen Kinderzuwachs und verlässt ihn kurzerhand. Aber so schnell gibt Zhao nicht auf.

Ein spritziger und warmherziger Familienfilm, dessen Geschichte filmisch fantasievoll umgesetzt ist.

 

Kritik der Kinderjury

Diesmal haben wir eine ganz andere Art von Film gesehen, und wir haben uns auch erst ein wenig daran gewöhnen müssen, aber dann hat er uns sehr gut gefallen. Die Lebensart und die Sprache sind in China ganz anders als bei uns. Wir haben einen guten Einblick in die Sitten und Gebräuche dieses Landes erhalten (z.B. bei Hochzeiten und Trauerfeiern, besonders schön war die Geburtstagsfeier). Es gab auch viele nette Details, z.B. hat man Geräte des Alltagslebens gut zu sehen bekommen. Leider waren die Nudeln dann gar nicht mehr genau zu sehen . . .

Der Umgang der Menschen miteinander und mit Kindern ist in China scheinbar ganz anders als bei uns. Das kann man z.B. in der Szene gut erkennen, in der der große Bub mit dem Gürtel geprügelt wird, das wäre bei uns nicht mehr möglich! Der Film greift eigentlich das Problem auf, dass man in China nur mehr ein Kind bekommen darf (und was dann mit den vielen „übrigen“ Kindern passiert). Für uns war es jedenfalls verwunderlich, dass es Eltern gibt, die liebend gerne ihre Ernte hergeben, nur um ihr Kind nicht zurück nehmen zu müssen. Auch die Szene, in der die Kinder Militär-Kleidung anhaben, hat auf uns seltsam gewirkt - in China dürfte Drill aber kein Problem sein, denn die Leute in dieser Szene haben gelacht und applaudiert. Die Tante hatte auch keine richtigen Schuldgefühle, obwohl sie alle fast vergiftet hat.

Unser Eindruck war, dass dort, wo der Film spielt, eine große Armut herrscht und alle nur ganz wenig Geld haben bzw. kaum sonst irgendwie Unterstützung bekommen. Es ist unvorstellbar, dass man zuerst zahlen muss und dann erst eine Spitals-Behandlung erhält (eine Operation dürfte außerdem verhältnismäßig viel Geld kosten). Für uns war jedenfalls klar, dass die Kinder nur aus Not und um überleben zu können gestohlen haben. Die Kinder haben es auch mit der Totenfeier sehr geschickt gemacht, weil der Vater ja gar nicht wirklich tot war und sie trotzdem nicht richtig gelogen haben.

Es hat trotz aller Not auch viele lustige Szenen gegeben: das Rechnen mit den Eiern, die Kuh mit dem BH auf den Hörnern, die Szene mit den Luftballons, die Hühner am Ende . . . Insgesamt war es trotzdem manchmal ein bisschen zu langatmig.

Die SchauspielerInnen waren urtoll, besonders das kleine Mädchen hat uns sehr gefallen. Die Bilder waren sehr gut überlegt und sehr schön, z. B. das Rennen über die Felder. Die Kamera hat die Schauplätze und das Geschehen wunderbar eingefangen. Es war eine gute Idee, dass der Anfang des Filmes gar keine richtige Farbe hatte - so hat man gleich verstanden, dass es sich um die Vergangenheit gehandelt hat. Die Schnitte waren ungewohnt und manchmal sehr abgehackt. Die Musik war sehr schön und sie hat gut zu den tollen Landschaftsaufnahmen gepasst.

Durch die ganz andere Region und Kultur war es etwas schwierig mit der Mitlebung. Es hat so viele verschiedene Personen und eigentlich keine eindeutige Identifikationsfigur gegeben. Dadurch waren wir hier viel mehr in der Rolle der ZuschauerInnen als sonst.

 

VR China 2002
90 Minuten, Farbe

Regie: Huang Hong
mit: Huan Hong, Li Lin, Lei Kesheng, Siquin Gaowa, u. a.

empfohlen ab 7 Jahren