A Dios Momo

© Internationales Kinderfilmfestival

A DIOS MOMO

Um zum Familienunterhalt beizutragen, verkauft Obdulio Zeitungen, obwohl seine Großmutter ihn lieber in der Schule sehen würde. Obdulio findet es wichtiger, seine Geschwister zu unterstützen, als selbst lesen und schreiben zu lernen. Aber dann beginnt der Karneval in Montevideo, und die Murgas ziehen mit ihren Gesängen und Trommeln durch die Straßen der Stadt. Im Karneval ist alles anders. Ein aus dem Nichts auftauchender Nachtwächter lehrt Obdulio lesen und schreiben, und die neue Welt der Worte eröffnet Obdulio ein wundersames Reich der Imagination.

In seinen flüchtigen Bildern stets zwischen Vorstellung und Wirklichkeit schwebend, ist der Film ein überaus gelungenes Beispiel für den magischen Realismus Lateinamerikas.

 

Kritik der Kinderjury

Der Film hat uns gut gefallen, obwohl wir vieles nicht verstanden haben. Das liegt vermutlich daran, dass uns die im Film gezeigt Welt sehr fremd ist und auch die Erzählweise des Films ("Magischer Realismus") für uns sehr ungewohnt ist.

Wir haben auf alle Fälle einen interessanten Einblick in das Leben eines (an Geld) armen Kindes in Lateinamerika erhalten. Obdulio lebt und arbeitet eigentlich wie ein Erwachsener. Er verkauft Zeitungen und findet es wichtiger, seine Familie zu versorgen, als in die Schule zu gehen. Er wird auch überfallen und sein Geld wird ihm gestohlen - er hat also kein leichtes Leben. Dass das alles in Uruguay für Kinder, die nicht aus begüterten Familien stammen, ganz normal ist, kommt sehr gut heraus.

Besonders der Anfang des Films hat uns gut gefallen. Die Bilder vom Karneval, den Murgas (das sind Karneval-Pierrots) und dem Mond waren sehr schön, auch die Darstellung des gesamten Tagesablaufs von Obdulio war interessant. Die Einführung der Figuren war ebenfalls sehr gelungen. Die Großmutter, die die Geister beschwört und geheimnisvolle Gesänge vorträgt, war für uns eine besonders interessante Figur. Schön war auch die Freundschaft zwischen Obdulio und Rusito dargestellt. Die beiden verbringen immer wieder gemeinsam Zeit am Meer, um Schiffe zu beobachten. Am Ende fährt Rusito mit seiner Familie auch mit einem Schiff davon. Der Nachtwächter, der Obdulio Lesen und Schreiben beibringt und damit seine Liebe zu den Worten und im weiteren Sinne auch zu Bildung und Kultur weckt, war ebenfalls eine sehr tolle und wichtige Figur. Schade fanden wir, dass Obdulios jüngere Schwestern, für die er sorgen muss, keine größeren Rollen haben.

Aufgefallen ist uns auch der Umgang mit Geld. Obdulio steckt sein Geld entweder in die Socken (wenn es sein eigenes ist) oder in die Tasche (wenn er es verdient hat). Auch die Großmutter steckt das bei den Geisterbeschwörungen verdiente Geld in ihren BH und bringt es nicht zur Bank, wie es bei uns üblich wäre.

Durch die vielen Wiederholungen - z.B. war der Tagesablauf von Obdulio immer gleich - wurde der Film einigen von uns aber allmählich auch langweilig und sie sind „nicht dran geblieben“. Es kam im weiteren Verlauf des Films auch kaum mehr etwas Neues vor, und die, die sich nicht auf das Poetische, die Murga-Texte und die Musik einlassen konnten, wurden mit der Zeit müde. Manche taten sich auch schwer, eine wirkliche Geschichte zu erkennen, und auch die Funktion des Clowns mit den Tschinellen war nicht allen klar. In unserer Kultur ist es offensichtlich nicht so sehr üblich wie in Lateinamerika, zwischen Realität und Magie bzw. Fantasie zu wechseln - damit hatten wir sichtlich unsere Schwierigkeiten.

Das Ende, als sich Obdulio für die Schule entscheidet, indem er nicht die Fußballschuhe, sondern die Schuluniform kauft, hat uns dann aber wieder sehr gut gefallen. Für uns setzt sich der Film in diesem Sinne auch wunderbar für die Rechte der Kinder (Recht auf Schulbildung) ein.

 

Uruguay 2005
108 Minuten, Farbe

Regie: Leonardo Ricagni
Mit: Mathias Acuña, Jorge Esmoris, Washington Luna, u. a.

empfohlen ab 11 Jahren