ANNE LIEBT PHILIPP

© Einhorn Film

ANNE LIEBT PHILIPP
(JØRGEN + ANNE = SANT)

Preis der KInderjury (Lobende Erwähnung) Internationales Kinderfilmfestival 2011

Anne hat immer schon lieber Wikinger als Prinzessin gespielt, und im Armdrücken ist sie ihrem Bruder weit überlegen. In der Schule ist sie nicht besonders gut, und verliebt zu sein ist etwas für Erwachsene, findet sie. Das ändert sich, als Philipp in die Nachbarschaft zieht. Sie ist hin und weg. Da wäre nur noch Ellen, die nicht nur besonders hübsch, sondern auch besonders talentiert ist. Wird Anne gegen ihre Konkurrenz bestehen können? In der Liebe ist doch alles erlaubt, findet Anne. Aber spielt sich das Leben wirklich so ab wie in den Romanen, die ihre Freundin so gerne liest?

Eine gelungene Verfilmung des Romans von Vigis Hjort, die die Wirren der ersten Liebe auf subtile Weise darstellt und dabei noch Einiges über Freundschaft und Loyalität erzählt.

Kritik der Kinderjury

Nach dem ungewöhnlichen und lustigen Vorspann erzählt dieser Film parallel gleich mehrere Geschichten, denn es geht um Familie (Mütter-, Väter-, Geschwister-, Großeltern-Geschichten), Freundschaft bzw. Freundschafts-Krisen, (Erste) Liebe, Schule und Mobbing – und es gibt auch eine kleine Grusel-Geschichte.

Diese unheimliche Helga-Geschichte, die immer wieder eingebaut ist und bei der man nur nach und nach Details erfährt, hat uns sehr gefallen. Sie ist deshalb gruselig, weil einige Elemente aus dem Horrorfilm verwendet werden (z.B. sickert Blut aus der Wand), und weil auch Musik bzw. Geräusche den Grusel-Effekt verstärken. Uns war aber klar, dass sich das alles in der Fantasie der Kinder abspielt – das konnte man an der filmischen Umsetzung (anderes Licht, andere Farben…) sehr gut erkennen. Ein paar von uns haben sogar erraten, wie diese Geschichte aufgelöst werden wird!

Die Werbungen und die TV-Reality-Show waren ebenfalls gut gemacht und sehr witzig. In diesen Sendungen sieht Anne nämlich an Stelle der Erwachsenen Ellen und Philipp, aber es ist gut zu sehen, dass die Bilder verfälscht und die Köpfe der Kinder auf die Körper der Erwachsenen montiert worden sind. So wird deutlich, was Anne sich gerade in ihrer Fantasie ausmalt. Realität und Fantasie sind übrigens immer sehr gut zu unterscheiden.

Figuren gibt es recht viele, aber sie sind gut auseinander zu halten, weil alle ein typisches Merkmal haben (z.B. Beate: rote Haare) oder es typische Verhaltensweisen gibt (z.B. Knut muss immer nach Hause, wenn der Vater ruft). Die Idee, alle vorzustellen und mit Hilfe des Klassen-Fotos auch die Beziehungen untereinander zu erklären, fanden wir sehr gelungen. Ellen ist als Figur eine gute Gegenspielerin für Anne, um nicht zu sagen: Feindin. Sie wirkt arrogant und ein „Höhepunkt“ ist ihre trostlose Geburtstagsparty. Dass Anne ihr später wirklich die Haare abschneidet, hätten wir nicht erwartet, aber es hat uns Spaß gemacht! Diese Szene war sehr spannend gemacht, denn auch hier hat die Musik die Stimmung wieder verstärkt. Außerdem ist das Scheren-Geräusch überlaut zu hören, damit man es auf jeden Fall gut mitbekommt.

Im Film gibt es einige sehr schöne Bilder, z.B. als Anne und Beate auf der Holzbrücke über den Bach stehen und von den grünen Bäumen sozusagen umrahmt werden. Es gibt viele Groß- bzw. sogar Detail-Aufnahmen, bei denen nur Annes Augen zu sehen sind und daher sehr gut zu erkennen ist, wie Anne sich gerade fühlt. Auch die Bildübergänge sind toll gemacht, wie etwa bei einer der Unterwasser-Szenen, die dann direkt in die Szene im Schwimmbad übergeht.

Wir haben es eigentlich blöd gefunden, dass in der deutschen Fassung Jørgen in Philipp umbenannt worden ist, denn Jørgen ist im Film ja immer noch ein paar Mal zu lesen (Buch, Foto usw.), und das ist dann ein wenig irritierend. Das Thema, zum ersten Mal verliebt zu sein, in einen Kinderfilm zu verpacken, hat uns gefallen, und wir konnten bei diesem Film wieder einmal ganz besonders gut „mitleben“!

 

Norwegen/
Deutschland 2010
80 Minuten

Regie: Anne Sewitsky
mit: Maria Annete Tanderø Berglyd, Otto Garli, Aurora Bach Rodal, u. a.

empfohlen von 8 bis 12 Jahren

Anne Sewitsky
Anne Sewitsky