ANS MEER!

© Bio Illusion

ANS MEER!
(POJEDEME K MORI)

Milos Forman ist Tomáŝ' großes Vorbild: so ein Filmregisseur möchte er auch einmal werden. Als er zum Geburtstag eine Kamera geschenkt bekommt, filmt er gemeinsam mit seinem Freund Haris alles, was ihm vor die Linse gerät. Wir erleben Familienkonflikte ebenso aus dem Blickwinkel des Protagonisten wie seine erste Liebe zu Stana und seine Auftritte im ungeliebten Fußballverein. Auch lange Verborgenes kommt dabei zutage: Warum verlässt der Vater an bestimmten Tagen verstohlen das Haus? Welches Geheimnis verbirgt sich dahinter?

Der heitere Ton des Films entsteht vor allem dadurch, dass wir das Geschehen als Film im Film erleben und der Regisseur uns glauben macht, dass nicht er, sondern Tomáŝ den Film gedreht hat.

Bester Spielfilm, Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Zlin 2014

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film war der perfekte Abschlussfilm für unsere Kinderfilmfestival-Woche! Nachdem wir schon so viel über Film diskutiert haben, hat dieser besonders filmische Film mit seinen vielen Einfällen zur formalen Gestaltung besonders gut am Ende gepasst! Wir mochten die vielen Spielereien mit der Kamera, also z.B. die Farb- und Sound-Effekte, die Tomá? ausprobiert (gelb/rot, verzerrte Stimme der Mutter usw.). Auch die verschiedenen Effekte (Zeitlupe, Zeitraffer usw.) sowie die Einstellungen und Perspektiven (umgefallene oder schräge Kamera, WC von oben, Blicke in die Baumkronen, versteckte Kamera, subjektive Kamera, Kreisfahrten usw.) waren gut überlegt und toll umgesetzt. Um das Vergehen der Zeit darzustellen werden immer wieder Schwarzblenden und Uhrzeit-Inserts verwendet. Besonders lustig waren überdies die Trick-Szenen, wenn Tomá? und Haris mit den Fingern schnippen und im jeweils nächsten Bild bereits umgezogen sind (z.B. in Badehosen). ANS MEER! ist also wirklich ein wahrer Fundus an filmischen Einfällen für alle, die sich fürs Filmemachen interessieren!

Besonders berührend fanden wir die Szenen, als Tomá? seinen Bruder kennenlernt und etwas über seine wahre Herkunft erfährt. Es war total lieb, wie sich die beiden die Hand geben und Tomá?‘ Bruder zu lächeln beginnt. Außerdem ist es sehr spannend inszeniert, bis Tomá? endlich bei ihm landet, denn die Gänge des Heimes sind seeehr lange und Tomá? weiß ja nicht, was auf ihn zukommt (spannende Musik!).

Gefallen hat uns auch, dass der Tod von Tomá?‘ Großmutter nicht über die Dialoge, sondern nur über die Bilder erzählt wird (Tomá?‘ rot geweinte Augen, sein dunkler Anzug fürs Begräbnis, das Schwäne füttern usw.).

Auch Haris’ Familien-Situation hat uns nicht kalt gelassen. Schon durch die Wohnverhältnisse wird klar, dass bei ihm zu Hause das Geld knapp ist. Haris, sein kleiner Bruder und seine Mutter leiden unter der häuslichen Gewalt des Vaters. Haris hält das Verhalten des Vaters schließlich zu Beweiszwecken mit der Kamera fest. Das gibt den dreien die Sicherheit, sich aus ihrer schwierigen Lage zu befreien und in Kroatien, der Heimat der Mutter, ein neues Leben beginnen. So gesehen ist der Film auch ein richtiger Kinderrechte-Film, denn es geht darum, in einer glücklichen Familie – mit Wissen über seine Herkunft, mit der Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen und ohne Gewalt – aufwachsen zu können.

Eine besonders lustige Sequenz war jene mit Tomá? und Haris in Hochzeitskleidern. Tomá? ist in Stana aus seiner Klasse verliebt und stellt sich seine Hochzeit mit ihr vor, wobei sich dann herausstellt, dass die Braut in seiner Fantasie von Haris verkörpert wird. Das alles ist zum Teil farblich verfremdet (Sepia-Farben) und unglaublich witzig inszeniert (z.B. Haris‘ Kuss-Mund, romantische Musik). Sehr witzig fanden wir auch noch die Szenen mit dem Taxi-Fahrer („Cool!“ zur Verfolgungsjagd und „Das geht aufs Haus!“)!

Besonders schön sind die Aufnahmen der Sonnenuntergänge und die Bilder, die Budweis zeigen (z.B. vom Turm aus). Für uns war es total nett, einen Film zu sehen, der in unserer Nähe spielt – einige von uns waren sogar schon in Budweis! Eigentlich wäre es toll, wenn es viel mehr solche Filme gibt! Eine unbedingte Empfehlung!

 

Tschechische Republik 2014
86 Minuten, Farbe

Regie: Jiri Madl
mit: Petr Simcak, Jan Marssal, Luci Trmikova, Odrej Vetchy u. a.

9 +

name
Jiri Madl