ARRIETTY

© Einhorn Film

ARRIETTY
(KARIGURASHI NO ARRIETTY)

Arrietty und ihre Familie leben unter der Veranda eines Menschenhauses. Die Winzlinge gehören zum Volk der Borger und ziehen nachts aus, um sich aus der Küche der Menschen verschiedene Dinge wie Zuckerwürfel oder Speckstückchen zu "borgen". Da sie immer nur ganz kleine Mengen nehmen, merken die Menschen nichts von ihrer Anwesenheit. Aber jetzt hat der Menschenjunge Sho das Borgermädchen entdeckt, und ein altes Gesetz besagt, dass die Borger niemals von Menschen gesehen werden dürfen.

Mary Nortons Kinderbuchklassiker wurde nicht zum ersten Mal verfilmt. Hiromasa Yonebayashis Adaptierung strömt jedoch einen ganz besonderen Charme aus. Für Anime-LiebhaberInnen, und solche, die es werden wollen, ein unbedingtes Muss!

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film ist für uns wie im Flug vergangen! Es gibt so viel zu sehen und zu staunen, dass es nie langweilig wird. Man muss dafür nur ein bisschen Geduld und die Lust am Schauen mitbringen. Auch Themen gibt es genug, denn es geht ums Familie, Freundschaft, Liebe, Krankheit, Abenteuer und ein bisschen auch um das Überleben der Menschheit bzw. der Natur. Bezüglich des Endes, dass wir natürlich nicht verraten möchten, wollen wir nur sagen, dass wir es einerseits gut finden, dass dieser Film ein offenes Ende hat, andererseits hätten wir aber natürlich gerne ganz sicher gewusst, dass es sowohl dem Borger-Mädchen Arrietty als auch dem Menschenjungen Shô in der Zukunft gut gehen wird.

Gezeichnet ist alles wunderschön, aber nicht nur die Figuren und die Häuser, sondern auch die Hintergründe und die Natur! Besonders gut kommen die Gegensätze zwischen Klein und Groß heraus, und auch die Lichtsetzung (Borger-Lampe, Sonne…) und die Gestaltung der Schatten ist wirklich beeindruckend.

Der gesamte Film ist von einer unglaublichen Liebe zu Details geprägt. Dazu zählen die Regentropfen auf Arriettys Kleid ebenso wie die Pflanzen in der Küche der Borger-Familie, Arriettys liebevoll eingerichtetes Zimmer oder das tolle Puppenhaus. Außerdem sind die vielen verwendeten Gerätschaften lustig, z.B. die Ohrringe, die Arrietty zum Hinaufklettern auf den Vorhang verwendet oder die Stecknadel, die sie erbeutet hat. Am Ende reißt sich Arriettys Mutter Homily im Wald den Schuh auf, und noch während des Nachspanns repariert Vater Pod ihn, so detailverliebt ist dieser Film!

Vieles wird übrigens gar nicht über die Dialoge, sondern nur über die Bilder erzählt, und das funktioniert perfekt! Als sich Arrietty und Shô zum ersten Mal begegnen, wie sich das Verhältnis zwischen Arrietty und der Katze bis zum Schluss verändert hat oder auch die wortlose Kommunikation von Arrietty mit ihrem Vater beim ersten Borger-Ausflug – das alles klappt problemlos ohne große Worte.

Ein interessantes Neben-Thema ist auch der Umgang mit Ängsten. Es gibt einige zumindest kurzzeitig beunruhigende Elemente im Film, die uns aber gut gefallen haben. Dazu gehört z.B. die hinterhältige Figur der Haushälterin Haru, aber auch ein paar – zumindest auf den ersten Blick – gruselige Tiere, wie Ratten, Kakerlaken, die Krähe oder der Dachs. Homily ist überhaupt die Angst in Person, denn sie kommt aus dem Fürchten praktisch gar nicht mehr heraus, was aber oft sehr lustig umgesetzt ist.

Die Kamera ist mindestens genauso vielseitig wie in einem normalen Spielfilm. Es gibt Kamerafahrten, subjektive Kamera, Frosch- und Vogelperspektiven. Die Filmmusik finden wir auch super, sie hat immer gut zu der jeweiligen Szene gepasst. Die Geräusche sind uns manchmal ein bisschen lauter vorgekommen als normal, aber das war gut so. Es gab z.B. den Kühlschrank, den Wasserhahn, die Pendel-Uhr und die Herz-Töne von Arrietty, als sie von Shô beim Taschentücher-Borgen entdeckt wird.

Unsere Herzen hat der Film jedenfalls gewonnen!

 

Japan 2010
94 Minuten, Farbe

Regie: Hiromasa Yonebayashi
Animationsfilm

empfohlen von 7 bis 12 Jahren

Hiromasa Yonebayashi
Hiromasa Yonebayashi