EL BOLA

© Internationales Kinderfilmfestival

EL BOLA

UNICEF-Preis Internationales Kinderfilmfestival 2002

Sein Spitzname ist "El Bola – die Kugel", weil er immer eine Kugel als Talisman bei sich trägt. Freunde hat er keine. Zu groß ist das Geheimnis, das er mit sich herumträgt. Dann taucht Alfredo als neuer Schüler in seiner Klasse auf, und El Bola lernt zum ersten Mal die Bedeutung von Freundschaft kennen. In Alfredos Familie erfährt er eine liebevolle Atmosphäre des Vertrauens, die ihm hilft, seine eigene brutale Familiensituation zu erkennen und sich dagegen zu wehren.

Dieser feinfühlige Film über Gewalt gegenüber Kindern kommt ohne große Gewaltszenen aus und bezieht seine Spannungselemente aus dem Kontrast zwischen einer intakten Familie und dem Gegenteil. Er erschließt dem Zuschauer genauso vorsichtig sein Thema, wie El Bola selbst sich damit konfrontieren kann.

 

Kritik der Kinderjury

El Bola ist ein schöner Film über ein sehr ernstes Thema. Er zeigt, wie sorgenvoll und gefährlich das Leben von Kindern sein kann. Pablo scheint am Anfang des Films ein ganz normaler Junge zu sein, der halt einen grantigen, sehr strengen Vater hat. Nach und nach stellt sich heraus, dass Pablo von seinem Vater brutal misshandelt wird. Wir haben es gut gefunden, wie die Geschichte erzählt wird. Die Situation spitzt sich so zu, dass man richtig miterlebt, wie Pablo immer mehr Angst kriegt. Schrecklich und sehr glaubwürdig war die Szene, als Pablo heimlich über seinen Vater flucht und dabei von ihm ertappt wird. Man sieht in einer Einstellung bloss den Fuß des Vaters in der Tür und weiß, was nun geschehen wird . . .

Besonders berührend ist es auch mitzuverfolgen, wie die Freundschaft zwischen Pablo und Alfredo, einem neuen Schüler aus Alfredos Klasse, entsteht. In Alfredos Familie lernt Pablo zum ersten Mal einen liebevollen Umgang und die Bedeutung von Freundschaft kennen. Alfredo ist nicht so eine Angeber wie einige andere Jungen aus der Klasse. Er beteiligt sich auch nicht an den lebensgefährlichen Spielen auf den Bahnschienen, die einige offenbar als Mutprobe veranstalten. Als Alfredos Vater davon erfährt, schimpft er die beiden Jungen ordentlich zusammen und nimmt ihnen das Versprechen ab, niemehr wieder dort hin zu gehen. Hier wird sehr gut klar, dass auch nette Eltern mit ihren Kindern schimpfen, aber nicht aus Hass und Wut, sondern aus Liebe.

Sehr gut hat uns auch der Schluss gefallen, als Pablo den Mut findet, über sein Schicksal zu sprechen und alles aufzählt, was ihm sein Vater angetan hat. Allerdings wäre es noch wichtig gewesen zu sehen, wo Pablo dann lebt.

Der Film war für uns sehr beeindruckend und überzeugend, weil Kinder und Erwachsene fantastisch gespielt haben. Kamera, Schnitt und Musik passen hervorragend zusammen. Selbst die grausamen Spiele auf den Bahnschienen passen zu dem Film, weil für manche Kinder solche Erlebnisse Alltag sind. In der Schlusseinstellung überfährt der Zug Pablos Metallkugel, seinen Talisman, der ihm den Spitznamen „El Bola“ eingetragen hat. Dieses Bild hat für uns gezeigt, dass die schreckliche Zeit in El Bolas Leben nun vorbei ist.

 

Spanien 2000
88 Minuten, Farbe

Regie: Achero Mañas
mit: Juan José Ballesta, Pablo Galán, u. a.

empfohlen ab 12 Jahren