BOULE UND BILL

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BOULE UND BILL
(BOULE ET BILL)

Als Boule den Cockerspaniel Bill in einem Tierheim entdeckt, ist es bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Bill bringt jedoch den beschaulichen Alltag der Familie von Anfang an durcheinander, was besonders Boules Vater Kopfzerbrechen bereitet. Das Chaos ist perfekt, als die Familie wegen des neuen Jobs des Vaters in eine Wohnung in Paris umzieht. Beim Spielen wirft Bill die Schildkröte Caroline versehentlich in den Müllschlucker und löst damit ein atemberaubendes Abenteuer aus, bei dem die ganze Familie bis zum spannenden Schluss auf Trab gehalten wird.

Die herrlich absurde Komödie basiert auf den Figuren des belgischen Zeichners Jean Roba, dessen Comic­-Abenteuer im deutschsprachigen Raum untern den Titeln "Schnieff und Schnuff" und "Pico und Bello" erschienen sind.

 

Kritik der Kinderjury

Der Wunsch nach einem Haustier beschäftigt viele Kinder. Auch wenn nicht alle Jurymitglieder Hundefans sind, fanden wir es sehr erfreulich, dass ein Kinderfilm dieses Thema so witzig aufgreift. Genial, wie der Film mit verschiedenen Perspektiven spielt und Elemente aus dem Comic wie die gezeichneten Denk- und Sprechblasen ins Filmische übersetzt. So fühlt man sich als ZuschauerIn in die Rolle des Cockerspaniels Bill, ja selbst die von Schildkröte Caroline, hinein versetzt. Wir hören Bills innere Stimme und nehmen seinen Blickwinkel ein, z.B. als er im Zwinger des Hundeheims auf die Leute vor dem Gitter blickt und sehnlich auf einen geeigneten Besitzer hofft.

Was ein Hund so denkt und sich vorstellt, stimmt nicht immer mit der Menschen-Perspektive überein. Daraus ergeben sich die lustigsten Situationen. Denn Bill ist ganz und gar nicht davon begeistert, gebadet zu werden und liefert seinen neuen Besitzern eine wilde Verfolgungsjagd durchs ganze Haus, bis er schließlich auf der Deckenlampe des Wohnzimmers landet. Filmisch ist diese Szene sehr schön gelöst, weil wir eigentlich nur wie Nachbarn von gegenüber die hektischen Schatten in den Fenstern des Hauses sehen bzw. aufgeregte Rufe und laute Geräusche hören. Die ZuschauerInnen können sich also in Gedanken die turbulente Szene ausmalen. Die Beziehung zwischen Boules Vater und Bill führt auch immer wieder zu urkomischen Momenten. So versucht Papa den Hund bei der Übersiedlung nach Paris vergeblich los zu werden. Boules Vater hat kein Verständnis für Bills Freundschaftsangebot, als er im Garten mit den Zeichen-Plänen Stöckchen-Werfen spielen will.

Cool fanden wir auch die Western-Szenen, die Boules Fantasie-Ebene und Träume zeigen. Erkennbar immer an den schwarzen Balken oben und unten vom Bild, wie bei alten Kino-Filmen im Fernsehen. In vielen Szenen hilft der Schnitt ganz besonders mit, die Spannung auf die Spitze zu treiben: Als Bill am Balkon-Geländer balanciert, zeigt die Kamera lange den beängstigenden Ausblick in die Tiefe, bevor man sieht, dass er einen Stock tiefer im Balkon-Kistl des depressiven Nachbarn gelandet ist.

Auch wenn der Film wegen des Comic-Stils natürlich etwas überzeichnet ist, konnten wir uns sehr gut in die Geschichte hineinversetzen und mitfühlen. Die Enttäuschung der Familie über den neuen Wohnort, ein modernes Hochhaus mitten auf einer riesigen Baustelle, war echt nachvollziehbar. Die neue Wohnsituation sorgt im Film für weitere lustige Szenen. Der zentrale Müllsammelschacht, der alle Wohnungen verbindet, wird zum Rutsch-Tunnel für Caroline, die Schildkröte, und lässt außerdem alle Nachbarn die Streitigkeiten der Familie mithören. Die Liebesgeschichte zwischen Schildkröte Caroline und Bill ist rührend und lustig und wird von der Filmmusik perfekt unterstützt. Auch die Nebenhandlung mit dem depressiven Nachbarn war sehr witzig eingebaut.

Eine wirklich gelungene Comic-Verfilmung und Komödie, die viele vor allem auch wegen des perfekten Tier-Trainings begeistern wird.

 

Frankreich 2013
82 Minuten, Farbe

Regie: Alexandre Charlot, Franck Magnier
mit: Charles Crombez, Franck Dubosc, Marina Fois u. a.

empfohlen ab 6 Jahren

Alexandre Charlot, Franck Magnier
Alexandre Charlot, Franck Magnier