BRENDAN UND DAS GEHEIMNIS VON KELLS

© Cellulois Dreams

BRENDAN UND DAS GEHEIMNIS VON KELLS
(BRENDAN AND THE SECRET OF KELLS)

Unter den strengen Augen seines Onkels lebt Brendan im Kloster von Kells. Die Wikinger sind eine ständige Bedrohung, der Bau eines gigantischen Mauerwalls um das Kloster herum vorrangiges Ziel. Da gibt es kaum Zeit für Tagträume oder kindliche Beschäftigungen. Als der berühmte Aidan nach Kells kommt, um dort ein mythenumwobenes Buch fertig zu stellen, weckt er Brendans Wissensdurst und seine Abenteuerlust. Hals über Kopf macht sich der Junge auf die Suche nach einem geheimnisvollen Kristall, der im verbotenen Wald versteckt sein und magische Kräfte besitzen soll.

Inspiriert von alter keltischer Kunst und den Techniken mittelalterlicher Manuskripte stellt dieser teilweise in Handarbeit erstellte Zeichentrickfilm eine außergewöhnliche Erscheinung inmitten gängiger Computeranimation dar.

 

Kritik der Kinderjury

Alle waren sich einig, dass der Film, hätte man ihn mit echten Personen gemacht, bei weitem nicht so schön wäre. Drehbuch und Regie erfinden rund um die wahre Geschichte des berühmten Book of Kells eine fantastische Legende, die uns von der ersten bis zu letzten Minute gefesselt hat. Echt bewundernswert, dass die aufwändigen Bilder großteils ohne Computer animiert wurden!

Es war großartig, mit Brendan der geheimnisvollen Fee Aisling zu begegnen und in die hohe Baumkrone einer alten Eiche zu steigen. Die Farben des Waldes, die Schmetterlinge, Käfer und Blumen überwältigen nicht nur Brendan, sondern uns ZuschauerInnen mit intensiven Bildern, in denen man sich richtig verlieren kann, weil es kein Oben und kein Unten gibt. Oft sind die Bilder fließend und in ständiger Verwandlung wie die verschlungenen Ornamente des Buches von Kells, und man wird in die Magie der Bilder hineingezogen.

Der Film arbeitet mit kreativen Perspektiven und Einstellungen: Zum Beispiel mit einer Dreiteilung des Bildes wie bei einer Split-Screen-Einstellung, als Brendan von einem Schauplatz zum nächsten weiter wandert. Faszinierend fanden wir auch die Sequenz, als er den Kristall aus dem Wald der "dunklen Mächte" holt. Lustig waren die Comic-Bilder über Colum Cille, den ersten irischen Buchmaler. Auch die Traumsequenzen, die wie "sprechende Bilder" auf dunklem Grund mit Kreide gezeichnet waren, sind toll gestaltet. Mit einfachen Strichen ist Aidans Begleiterin, die Katze Pangur Bán, charakterisiert. In jedem kleinen Augenzwinkern, jeder Mundbewegung lassen sich ihre Emotionen ablesen: von Angst bis Freude und Behaglichkeit. Jede ihrer Bewegungen ist geschmeidig und ganz typisch für eine Katze. Auch die Figur der Fee Aisling hat uns sehr gut gefallen. Ihre Bewegungen sind fließend wie die von Pangur Bán. Zusätzlich erhält sich durch ihr plötzliches Auftauchen und Verschwinden und ihre Verwandlungen etwas Geheimnisvolles und Mystisches. Und es bleibt uns ZuschauerInnen überlassen, zu rätseln, was aus ihr geworden ist.

Gewalt und Böses haben in dieser mythischen Geschichte auch einen großen Stellenwert, denn ständig droht die Gefahr der Nordmänner. Diese bedrohlichen und düsteren Szenen sind durch die Farben Rot und Schwarz deutlich markiert, die Nordmänner mit ihren großen gehörnten Helmen sieht man als übergroße Schatten, begleitet von stampfenden Tommeln. Insgesamt werden Ton und Musik sowie die Farbgebung in diesem Film sehr bewusst für Stimmungen eingesetzt. Die Krähen, die über den düsteren Himmel fliegen, verkünden nichts Gutes. Dagegen vermitteln die hellen Pastelltöne und zarten Blüten und Blattornamente im Frühling zusammen mit der irisch-keltischen Musik ein Gefühl von Leichtigkeit und Freude. Die toll gezeichneten Figuren passen in Form und Farbe in ein übergeordnetes Ornament von Kreisen und Linien und sind jede für sich ganz charakteristisch und unverwechselbar.

Der außergewöhnliche Zeichenstil, viele fantasievolle Details und eine packende Story machen diesen Film zu einem ganz besonderen Kinoerlebnis!

 

Irland/Frankreich/
Belgien 2008
78 Minuten, Farbe

Regie: Tomm Moore
Animationsfilm

empfohlen von
10 bis 14 Jahren