BUNT (Nal-a-ra Heo-dong-goo)

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BUNT
(NAL-A-RA HEO-DONG-GOO)

Preis der Kinderjury, Internationales Kinderfilmfestival 2008

Dong-ku lebt allein mit seinem Vater in einer koreanischen Stadt. Der geistig behinderte Junge geht leidenschaftlich gerne zur Schule, obwohl er dem Unterricht kaum folgen kann. Als Wasserträger versorgt er seine MitschülerInnen begeistert mit Trinkwasser, aber als ein Wasserspender angeschafft wird, verliert er diese Aufgabe. Die Schule möchte den Jungen ohnehin gerne loswerden, doch Dong-ku lässt sich nicht so leicht entmutigen. Er wird Wasserträger der Baseballmannschaft, und weil er ein äußerst schneller Läufer ist, darf er sogar mitspielen.

Der Film greift das Thema Behinderung sehr feinfühlig auf und findet für die Beziehung zwischen Vater und Sohn und die sich langsam entwickelnde Freundschaft zum Klassenkollegen Joon-tae aussagekräftige Bilder.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat uns die Welt des kleinen Dong-ku wirklich näher gebracht. Es geht einerseits um Behinderung, aber der Film ist auch eine berührende Vater-Sohn-Geschichte. Darüber hinaus spielt das Thema Freundschaft eine wichtige Rolle. Ebenso spannend und interessant war es für uns, die kulturellen Unterschiede kennen zu lernen und man erfährt viel über die Lebensgewohnheiten und Umgangsformen in diesem Land.

Wir haben richtig mit dem kleinen Dong-ku mitgelitten, als er mit großer Begeisterung und unermüdlicher Ausdauer das Wasser für seine KlassenkollegInnen geholt hat, und die anderen Kinder ihn nur herumgeschubst und ausgelacht haben. Dong-ku ist auf spezielle Art und Weise bewundernswert, da er sich trotzdem nicht entmutigen lässt und weiter in die Schule gehen möchte. Dass er anders als seine MitschülerInnen ist, wird in einigen Sequenzen des Films bildlich sehr schön gezeigt, z.B. als Dong-ku im Musik-Unterricht seine Blockflöte zerlegt und zu einem Fernrohr umfunktioniert und die subjektive Kamera seinen Blick quer durch die Klasse und über den Schulhof schweifen lässt.

Dong-kus bester Freund ist sein Vater. Viele einfühlsame und humorvolle Szenen berichten davon, wie unkompliziert und liebevoll der Vater auf Dong-kus Bedürfnisse eingeht (das „Hühnchen“-Zählen beim schlafen gehen, die Badeszene im Hof), aber auch davon, mit welchen Sorgen sich Dong-kus Vater herumschlagen muss.

Schön ist auch mitzuerleben, wie sich die Freundschaft zwischen Dong-ku und seinem Klassenkollegen Joon-tae entwickelt. Von Drehbuch und Regie gut ausgedacht ist es, wie Joon-tae Mittel und Wege findet, seinem treuherzigen Freund beim Baseball den „Bunt“ beizubringen und dessen Leidenschaft fürs Wassertragen so einzusetzen, dass Dong-ku auch die komplizierten Spielregeln begreift. Hier arbeiten Kamera, Ton und Musik ganz toll zusammen und in schönen Details wird Dong-kus Besonderheit immer wieder sichtbar: Beim Training im strömenden Regen lauscht Dong-ku den Regentropfen, wie sie auf den Baseball-Schläger trommeln.

Bemerkenswert an diesem Film ist, dass mit Spannung ganz anders umgegangen wird. Irgendwie war uns der Schluss gar nicht so wichtig, wir wussten ja, dass die Geschichte wahrscheinlich gut ausgehen würde. Viel wichtiger war immer die aktuelle Situation im Film. Da ist man total dran geblieben. Das funktioniert vor allem auch durch die kreative und abwechslungsreiche Kamera-Arbeit (viele Nahaufnahmen, Perspektiv-Wechsel und interessante Blickwinkel) und die überzeugenden schauspielerischen Leistungen der Darsteller von Dong-ku und seinem Vater (besonders Dong-kus Mimik war sehr authentisch). Auch die Film-Musik und der Einsatz vom Ton haben uns sehr gut gefallen.

Insgesamt ein beeindruckender Film mit absolut hohem „Mitfühl-Faktor“ - lustig, traurig, spannend und schön.

 

Preisbegründung der Kinderjury

Dieser Film ist ein zweifacher Blick in eine andere Welt: Einerseits lernen wir eine fremde Kultur und ire Alltagsbräuche kennen, und andererseits sehen wir die Welt aus den Augen des kleinen Dong-ku, der eine leichte Behinderung hat. Er lässt sich aber nie entmutigen und bleibt immer fröhlich. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist ganz besonders liebevoll, und auch der Trainer des Baseball-Teams und eine Klassenkamerad werden für ihn zu wichtigen Freunden.

Kamera, Ton und Musik arbeiten toll zusammen, und in vielen kleinen Details wird Dong-kus Besonderheit immer wieder deutlich. Beeindruckt waren wir von der schauspielerischen Leistung des kleinen Hauptdarstellers, der unglaublich liebenswert ist. Ein warmherziger Film mit hohem "Mitfühl-Faktor" – lustig, traurig, spannend und einfach schön.

 

Südkorea 2007
96 Minuten, Farbe

Regie: Park Gyoo-tae

mit: Jung jin-young, Choi Woo-hyuk, Yoon Chan u. a.

empfohlen ab 8 Jahren