Die Donnerhosen

© Internationales Kinderfilmfestival

DIE DONNERHOSEN
(THUNDER PANTS)

Mit einem großen Knall und einem üblen Geruch kommt Patrick zur Welt. In seinem Darm spielen sich biologische Wunder ab. Seine Eltern gehen jedes Mal in Deckung, wenn es wieder passiert. Die Ärzte nennen es Flatulenz. Für Patricks Mitschüler sind es definitiv die schlimmsten Fürze der Welt. Kein Wunder, dass Patrick der absolute Außenseiter ist. Nur einer hält zu ihm: Alan Allen, der geniale Tüftler. Gemeinsam versuchen die beiden, ihre Träume zu verwirklichen. Patrick möchte als Astronaut in den Weltraum fliegen und Alan will als Erfinder berühmt werden.

Alan hat großartige Ideen, was man mit Patricks "Gas-Ausstößen" alles anfangen kann. Erst entwirft er ihm eine Donnerhose, die seine Flatulenzen entschärft, und schließlich baut Alan eine Rakete, die durch Patricks Gase erst perfekt ist. So kommt es, dass kein anderer als Außenseiter Patrick zu einer Rettungsmission ins All startet. Für ihn geht nicht nur sein großer Traum vom Astronautendasein in Erfüllung, er wird auch über Nacht zum Weltstar und kann endlich herauslassen was "in ihm steckt".

 

Kritik der Kinderjury

Eine der interessantesten Erfahrungen beim Kinderfilmfestival ist für uns, dass man völlig unterschiedliche Filme bzw. Filmstile kennen lernt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, aus welchem Land ein Festivalfilm kommt. Denn jedes Land hat seine eigenen Art Filme zu machen und Geschichten zu erzählen. Besonders deutlich aufgefallen ist uns das bei Die Donnerhosen. Wer bisher nicht wusste, was britischer Humor ist, der bekommt bei diesem Film eine richtige Lektion davon erteilt. Ob man diese Art von Humor mag oder nicht, darüber lässt sich streiten und darüber waren wir uns auch innerhalb der Kinderjury nicht ganz einig.

Manche von uns fanden die Geschichte und einige Regie-Einfälle einfach schon zu übertrieben, so dass es nicht mehr lustig war. Zum Beispiel als Patrick nach einer total unfairen Gerichtsverhandlung zum Tod verurteilt wird, weil er angeblich durch einen seiner Furze in der Oper einen Scheinwerfer zum Absturz gebracht hat. Klarerweise wird Patrick in letzter Minute vor seiner Hinrichtung gerettet und von Geheimdienstagenten der amerikanischen Raumfahrtbehörde entführt. Es ist alles in diesem Film sehr unrealistisch und verrückt. So haben die beiden Hauptfiguren Patrick und Alan auch keine wirkliche Beziehung zu ihren Familien. Sie gehen einfach ohne Folgen und Sorgen von zu Hause weg.

Beim Zuschauen befindet man sich in einem ständiges Auf und Ab zwischen Verlierer- und Siegersituation. Einmal ist Patrick der bemitleidenswerte, von seinen Mitschülern gepeinigte Außenseiter, dann wieder der gefeierte Superheld.

Andererseits kann man, wenn man sich – ohne viel Nachdenken – einfach auf den Film einlässt, wirklich großen Spaß dabei haben. Das war auch an der lustigen Stimmung im Publikum zu bemerken.

Es ist ja auch toll, wie der Film dieses absichtliche Überzeichnen von Anfang bis zum Schluss durchhält. Das fällt an vielen Kleinigkeiten auf: die Schauplätze, die Kostüme und Masken sind so übersteigert klischeehaft wie aus einem alten Comicheft. Patricks bester und einziger Freund Alan zum Beispiel ist der typische „verrückte Professor“, ein genialer kleiner Erfinder mit rotem Wuschelkopf und Brille. Der Opernsänger, der Patrick als „Helfer“ hinter den Kulissen einsetzt, um das hohe C vorzutäuschen, ist ebenfalls eine richtige Witzfigur. Beim Flugwettbewerb für selbst erfundene Flugmaschinen wimmelt es nur so von Bruchpiloten. Patrick selbst trägt immer nur kurze schwarze Hosen und ein schwarz-grün gestreiftes T-Shirt dazu. Als er im Privatjet nach Amerika fliegt und seinen Kleiderschrank öffnet, hängen da nur schwarz-grün gestreifter Leiberl…

Wie schon gesagt, über Humor und Geschmack lässt sich streiten. Aber, was uns an dem Film gefallen hat, war, dass er trotz aller Verrücktheiten Partei für Außenseiter ergreift und Kindern Mut macht, ihre Probleme auch als Chance zu sehen.

 

Großbritannien 2001
87 Minuten, Farbe

Regie: Peter Hewitt
mit: Bruce Cook, Rupert Grint, Simon Callow, u. a.

empfohlen ab 8 Jahren

Peter Hewitt
Peter Hewitt