DURCH FLIEGENDES GRAS

© Humanplus Production

DURCH FLIEGENDES GRAS
(CITA-CITAKU SETINGGI TANAH)

Als die Lehrerin den Kindern in einem indonesischen Dorf die Aufgabe erteilt, einen Aufsatz über ihren Lebenstraum zu schreiben, sind die Wünsche sehr verschieden. Jono möchte Soldat werden. Sri träumt davon, einmal eine große Schauspielerin zu sein. Puji wünscht sich, andere Menschen glücklich zu machen. Angus hat einen ganz profanen Traum: Da sein Vater in einer Tofufabrik arbeitet, bekommt er tagein, tagaus nichts anderes als gebratenen Tofu zu essen. Sein größter Wunsch ist deshalb, einmal in einem Padang-Restaurant zu speisen wie ein König. Aber Angus merkt schnell, dass Träume nur zählen, wenn man sie auch umsetzt.

Liebevoll begleitet der Film seinen jungen Protagonisten bei der Verwirklichung seines Vorhabens und erzählt dabei Vieles über das alltägliche Leben in einem fernen Land.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film ist ein richtiger Kinderfilmfestival-Film! So einen Film sieht man normalerweise bei uns überhaupt nicht im Kino (und nur nach dem Titel wären wir vielleicht auch selbst gar nicht ins Kino gegangen, das müssen wir zugeben) – was schade ist, denn er hat uns total gut gefallen!! Wir konnten das Land Indonesien richtig fühlen: Die Landschaft wird wunderschön gezeigt und wir haben auch sehr viel vom Leben dort mitbekommen (Haus, Essen, Schule, Linksverkehr…). Auch mit der Hauptfigur Agus konnten wir richtig mitfiebern, er wirkt nämlich sehr sympathisch!

Die Geschichte mochten wir auch sehr! Dass Agus Geld verliert und draufkommt, dass Familie und FreundInnen wichtiger sind, ist eine zentrale Botschaft. Die Auflösung mit dem Geld und Agus‘ Oma war deswegen so gut, weil sie für uns doch eher unerwartet war. Agus und seine drei FreundInnen Jono, Sri/Mey und Puji waren vom Charakter her sehr unterschiedlich, haben aber super zusammengepasst! Es ist z.B. lustig, wie sie sich gegenseitig (freundschaftlich) wegen ihrer Wünsche und Träume auslachen. Nett finden wir auch, dass Agus den anderen fehlt, wenn er nicht dabei ist (weil er arbeitet).

Besonders toll ist, dass die Geschichte so gelassen erzählt wird, dass man so entspannt zusehen kann und dass Zeit bleibt, viele Details aufzunehmen – wobei der Film trotzdem nie fad wird oder an (dramaturgischer) Spannung verliert.

Es ist schön zu beobachten, dass sich im Dorf offensichtlich alle kennen. Der Kontakt zwischen Kindern und älteren Leuten ist sehr respektvoll (z.B. ist eine besondere Art des Grüßens zu sehen). Es ist auch schön, dass sie wirklich Zeit füreinander haben. Der Vater von Agus (weil er sagt, dass Agus nur Unsinn macht, was ja gar nicht stimmt) und die Mutter von Sri/Mey (weil sie beim Handeln schwindelt) sind unserer Meinung nach bewusst ein bisschen streng bzw. unsympathisch. Dafür ist die Oma sehr schlau und ahnt scheinbar etwas davon, was Agus vorhat. Ihre Rollen spielen jedenfalls alle sehr gut.

Bei den Bildern gibt es einige gelungene Spezialeffekte, z.B. einige Fischaugen-Aufnahmen oder die entfärbten Rückblenden, die sehr schön das Verzichten (auf einen Drachen oder kleine Naschereien) und das Erarbeiten des Geldes durch Agus zusammenfassen. Die Drehorte, etwa die engen Gassen, die Tofu-Manufaktur, die Reisfelder oder der Treffpunkt am Fluss waren sehr gut ausgewählt. Auch wie zwischen den Zimmern der Kinder hin und her geschnitten wird hat uns gefallen.

Die typisch indonesische Musik (Instrumente, Gesang) ist toll und passt ganz wunderbar zum Film. Auch Agus‘ Karrierewunsch am Ende hat mit Musik zu tun, mehr wollen wir hier aber nicht verraten.

Verwirrend waren für manche von uns nur der Anfang und das Ende des Films mit den Interviews der vielen Kinder bzw. einiger Eltern. Da war uns nicht ganz klar, wo der eigentliche Film beginnt und endet bzw. wie die Befragungen zum Film dazu gehören.

Da es in diesem Film auch um Kinderrechte geht, ist er auf jeden Fall ein Kandidat für den UNICEF-Preis! Und ansonsten ist er einfach ein wunderbar stimmiges „Gesamt-Paket“, das uns wirklich begeistert hat! Schaut euch das unbedingt an und erfühlt Indonesien!

 

Indonesien 2012
79 Minuten, Farbe

Regie: Eugene Panji
mit: M. Syihab Imam Muttaqin, Rizqullah Maulana Daffa u. a.

empfohlen ab 7 Jahren

Eugene Panij
Eugene Panij