DU SCHAFFST ES, EDDY!

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DU SCHAFFST ES, EDDY!
(ALLEZ, EDDY)

1975 irgendwo in Belgien. Freddy ist ein Naturtalent im Radfahren, aber auf Grund einer chronischen Verdauungsstörung kommt er nicht oft aus dem Haus. Sein Vater ist der Metzger im Dorf, wie schon dessen Vater zuvor, und seine Söhne sollen das väterliche Erbe auch einmal übernehmen. Aber alles kommt anders, als gleich nebenan der erste Supermarkt eröffnet. Dessen Leiter veranstaltet ein Fahrradrennen, und der erste Preis ist ein Treffen mit dem Radsportidol Eddy Merckx. Gegen den Willen seines Vaters schreibt sich Freddy für das Rennen ein.

Augenzwinkernd liefert der Film das humorvolle Kaleidoskop einer Zeit, in der es noch keine Handys gab und jeglichem Fortschritt mit Misstrauen begegnet wurde.

 

Kritik der Kinderjury

Die erzählte Geschichte haben wir ungewöhnlich gefunden, so etwas haben wir so noch nicht gesehen. Erstaunlich war für uns auch, dass eigentlich nur die Mutter mit Freddys Krankheit zurechtkommt. Freddy wird quasi weggesperrt und der Vater lernt erst nach und nach, mit Freddy und seinen speziellen Bedürfnissen entsprechend umzugehen. In Freddy konnten wir uns daher sehr gut hineinversetzen, er kämpft außerdem unglaublich hart (und lange auch nur heimlich!) für seinen Erfolg. Das zwecks des Trainings an Seilen in seinem Dachbodenzimmer hängend montierte Fahrrad ist wirklich genial! Die Wandlung des Vaters und Nebenfiguren wie etwa die Tante, die keine so „Festgebissene“ ist, haben uns ebenso gut gefallen wie das Ende, als man noch sieht, wie es für Freddy als Erwachsener weitergeht.

Die Zeit, also die 1970er-Jahre, werden gut eingefangen. Dazu gehört unter anderem die Einführung eines Supermarktes, der die Existenz der familiären Fleischhauerei bedroht. Daher war auch der Umstieg auf „home delivery“ für uns sehr lustig und die Lösung am Ende, die der Supermarkt-Chef und der Vater vereinbaren, eine richtige Erleichterung. Amüsant hinsichtlich der Zeit ist auch die Busfahrt von Freddy mit seinem Vater (zur Aufnahme in ein Internat mit Fahrrad-Training), als die vielen verschiedenen Leute einsteigen (z.B. ein Mädchen mit Hotpants oder die Punks). Die Abstimmung der Kommission, ob Freddy aufgenommen werden soll, in der ein Kommissionsmitglied nach dem anderen die Hand hebt, war sehr spannend und sehr witzig gemacht.

Die nationalistische Gruppe der „Flämischen Offensive“ fanden wir recht bedrohlich, und warum es sie gibt, kann man vermutlich besser verstehen, wenn man in Belgien lebt oder zumindest ein wenig mehr über den Konflikt zwischen Flamen und Wallonen weiß. Die Sprachprobleme bekommt man durch die Originalfassung des Films sehr gut mit, denn während Freddy niederländisch spricht, kann seine Freundin Marie nur Französisch und ein paar Brocken Niederländisch. Marie als Figur haben wir sehr gemocht, denn sie ist eigentlich lange die einzige, die Freddy bei seiner großen Leidenschaft wirklich unterstützt.

Die Szenen mit der nackten Frau, der abgeschnittenen Zunge, den Maden im Fleisch und auch jene mit einem Geschwür fanden einige von uns ziemlich eklig!

Die Drehorte (die Felder, das hübsche Dorf, der futuristische Supermarkt usw.) wurden sehr gut ausgewählt. Auch die bunten Kostüme und das knallgelbe Auto der Tante sind echte Hingucker. Die Ausstattung der Räume passt wunderbar, und auch ein paar Details waren super (z.B. Rad-Mobile, Heiligen-Statue mit Schwein).

Die Kamera war oft auf der Augenhöhe von Freddy, das haben wir sehr stimmig gefunden. Toll war auch, dass Archiv-Bilder von Eddy Merckx in den Film hineingeschnitten worden sind. Im Film werden öfters Parallelmontagen verwendet, z.B. Freddys Vater im Wirtshaus bei der Übertragung eines Radrennens und gleichzeitig Freddy beim Trainieren am Dachboden. Die Musik war genau richtig für diesen Film.

Ein traurig-lustiger Film mit tollen DarstellerInnen, den wir euch nur wärmstens empfehlen können!

 

Belgien 2012
100 Minuten, Farbe

Regie: Gert Embrechts
mit: Jelte Blommaert, Peter van den Begin, Barbara Sarafian u. a.

empfohlen von
9 bis 14 Jahren

Gert Embrechts
Gert Embrechts