Ein Engel für May

© Internationales Kinderfilmfestival

EIN ENGEL FÜR MAY
(AN ANGEL FOR MAY)

Preis der Kinderjury, Internationales Kinderfilmfestival 2004

Tom hat Probleme in der Schule und vermisst seinen Vater, der seit der Scheidung der Eltern nichts mehr von sich hören lässt. Eines Tages hat er ein aufwühlendes Erlebnis. In den Ruinen eines alten Hauses verirrt er sich in einen Zeittunnel und findet sich auf einem Bauernhof zur Zeit des 2. Weltkrieges wieder. Bei wiederholten Besuchen entwickelt sich zwischen dem Waisenmädchen May, das aus den Trümmern eines zerbombten Hauses geborgen wurde, und Tom eine vorsichtige Freundschaft. Der Junge wächst an dieser Freundschaft und lernt, mit seinen eigenen Problemen umzugehen, aber wird es ihm gelingen, das drohende Unheil von den Bewohnern des Bauernhofes abzuwenden?

Ein fantasievoller Film, der geschickt mit den verschiedenen Zeitebenen spielt, in denen die Geschichte stattfindet.

 

Kritik der Kinderjury

Was bedeutet ein lang vergangener Krieg für heutige Kinder? Wie sah vor 60 Jahren ein Bauernhof aus, wie ist es, einen Bombenangriff zu erleben und wie schmeckte Schinken zu dieser Zeit. Außergewöhnliche filmische Antworten auf diese Fragen findet der britische Film Ein Engel für May, der uns wirklich tief beeindruckt hat.

Ein faszinierender, „anderer“ Film, der einen im positiven Sinn fordert. Man muss ganz genau aufpassen und mitdenken, um die Zusammenhänge und die Zeitsprünge in der Geschichte zu verstehen. Aber gerade das macht die besondere Spannung an diesem Film aus.

Wir finden es gut, dass das Thema Zweiter Weltkrieg in einem Kinderfilm aufgegriffen wird. Viele von uns kennen Erwachsenenfilme darüber oder wissen einiges davon aus Erzählungen der Großeltern. Hier aber wird Geschichte in Form einer Zeitreise in die Vergangenheit, die man aus den Augen der Hauptfigur Tom mitverfolgen kann, total lebendig.

Besonders spannend und gut gestaltet ist die Handlung des Films, weil Toms Geschichte auf eine so mysteriöse Art mit der Geschichte von May verknüpft wird. Es geht nicht ganz mit rechten Dingen zu, als Tom bei Gewitterstimmung in der Ruine eines alten Hauses den Hund Tess entdeckt, der ihn in den Zeittunnel führt. Sehr aufregend ist auch die Szene als Tom noch mal in die Vergangenheit zurückkehrt, um May vor ihrer traurigen Zukunft zu bewahren. Bis zum Schluss weiß man als ZuschauerIn nicht, ob das gelingen wird oder nicht. Tom hat so einige Probleme in seiner Gegenwart, weil er nicht mit der Trennung seiner Eltern und dem neuen Freund der Mutter zu Recht kommt. Da „stolpert“ er in die Vergangenheit, wo er mit ganz anderen Problemen umgehen lernen muss und das schafft er wirklich toll.

Das alles wird auch so glaubwürdig, weil die beiden Kinder, die Tom und May spielen, so gut sind. Außerdem sieht die Darstellerin der kleinen May der alten May im Film tatsächlich so ähnlich, dass man denken könnte, es sei wirklich ein und dieselbe Person. Trotz der komplizierten Handlung wegen der Zeitsprünge haben wir den Film gut verstanden. Vielleicht liegt das auch daran, dass man sich gut an den Figuren orientieren kann und nicht zu viele Figuren vorkommen. Bloß am Anfang des Films, wenn die Originalbilder aus dem Krieg gezeigt werden und anschließend die Rettung Mays aus den Trümmern eines zerbombten Hauses zu sehen ist, war es etwas schwierig, den Zusammenhang herzustellen.

Sehr schön fanden wir auch die Bilder und Farben, mit denen der Film arbeitet, und die Art der Kameraführung. In einigen Szenen ist uns aufgefallen, wie wichtig es für die Bedeutung der Bilder ist, wie sich die Kamera bewegt oder aus welcher Position auf Dinge, Menschen, Landschaft gefilmt wird.

Ein berührender Film mit Zusatzpunkt für den „Mitdenkfaktor“

 

Großbritannien 2002
100 Minuten, Farbe

Regie: Harley Cokeliss
mit: Matthew Beard, Charlotte Wakefield, u. a.

empfohlen ab 10  Jahren