ERNEST & CELESTINE

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ERNEST & CELESTINE
(ERNEST ET CÉLESTINE)

Publikumspreis, Internationales Kinderfilmfestival 2013

Celestine ist eine gescheite kleine Maus, die gerne zeichnet und ihre Zunge selten im Zaum halten kann. Ernest hingegen ist ein großer, brummiger Bär mit einer Schwäche für Musik und Süßigkeiten. Im Waisenhaus hört Celestine schreckliche Geschichten über die Bären, aber nachts muss sie sich in deren Welt schleichen, um Zähne für die Zahnwerkstatt der Mäuse einzusammeln. Durch einen Zufall lernen sich Ernest und Celestine kennen und werden Freunde. In ihren jeweiligen Welten werden Freundschaften mit dem erklärten Feind jedoch nicht geduldet, und so werden sie von beiden Seiten verfolgt.

Wunderschön gezeichnet, erzählt dieser Film von einer ungewöhnlichen Freundschaft und von Toleranz, Mut und Einstehen für jemanden, den man lieb hat.

 

Kritik der Kinderjury

Zuerst dachten wir, das wird ein Baby-Film, aber dann hat sich schnell herausgestellt, dass wir den Film unterschätzt haben. Die Geschichte ist sehr spannend und je mehr man in die Handlung verstrickt wird, desto stärker lebt man mit den beiden Hauptfiguren mit, besonders mit Celestine. Es geht um ernste Themen in dieser Geschichte – die Macht von Vorurteilen, um Außenseiter und um das Recht, befreundet zu sein, mit wem man will.

Besonders einfallsreich und gut gemacht fanden wir die Idee mit den beiden Welten der Mäuse und der Bären. Die Unterwelt der Mäuse mit den vielen Kanälen und großen Gebäuden hat uns ein wenig an Venedig erinnert. Das Leben der Mäuse wurde in vielen witzigen Details gezeigt, wenn sie zum Beispiel Mäusefallen als Fitnessgeräte benützen und Haut- den-bösen-Bären-Spiele mit Bären-Zielscheiben spielen. Warum Celestine Zahnärztin werden soll, und warum das Zähne-Sammeln für die Mäuse so lebenswichtig ist, bekommt man dann in der lustigen Szene in der Mäuse-Zahnklinik mit. Dabei könnten allerdings jüngere Kinder Schwierigkeiten haben, alles zu verstehen.

Toll, wie es den beiden Regisseuren gelingt, die Bilder aus der Bilderbuch-Vorlage zum Leben zu erwecken und mit einer raffiniert ausgedachten Handlung viel Spannung zu erzeugen. Lustige und spannende Szenen wechseln sich in einem guten Rhythmus ab, und gut auch, dass aufregende Szenen schnell wieder ins Lustige übergehen. Denn manchmal wird es ganz schön gruselig. Etwa in den Alpträumen von Ernest und Celestine. Celestine droht in einem Meer von bösen, schimpfenden Mäusen zu versinken. Ernest schwelgt zuerst in Zuckerwatte und Honigkuchen-Himmel bis zahllose Mäuschen seine Leckereien wegknabbern und ihm den Boden unter den Füßen entziehen. Zum Glück weckt einer den anderen mit den Worten „Ich bin nicht dein Alptraum“. Schön, wie sich hier zwei Außenseiter verbünden und gute Freunde werden. Celestine darf in ihrer Welt nicht tun, was ihr gefällt, ihr Mal- und Zeichentalent wird missachtet. Ernest liebt die Musik, aber im Dorf verjagt man ihn als Taugenichts. In der verschneiten Hütte des Bären finden Ernest und Celestine endlich Ruhe, und beide können so viel musizieren und malen wie sie nur wollen.

Bei ERNEST & CELESTINE sind Humor und Komik super eingebaut. Man verbiegt sich vor Lachen bei der Verfolgungsjagd mit der Bären- und der Mäusepolizei (Polizisten-„Schwärme“) oder als Ernest den Keller des Süßigkeiten-Ladens plündert.

Sehr gemocht haben wir den außergewöhnlichen Mal- und Zeichen-Stil des Films. Ganz anders als gängige Animationsfilme arbeitet der Film mit weichen Konturen, es gibt keine knalligen Farben, sondern Aquarellstil und Pastelltöne. Die Bilder und Szenen sind nicht bis ins letzte Detail ausgemalt, sondern hier genügen oft ein paar Pinselstriche, um eine bestimmte Stimmung hervorzurufen. Alles in allem ein poetisches und malerisches Filmerlebnis für die ganze Familie.

 

Belgien/Frankreich 2012
80 Minuten, Farbe

Regie: Stéphane Aubier, Vincent Patar, Benjamin Renner
Animationsfilm, nach den Kinderbüchern von Gabrielle Vincent

empfohlen ab 7 Jahren

Stéphane Aubier, Vincent Patar, Benjamin Renner
Stéphane Aubier, Vincent Patar, Benjamin Renner