Die Farbe der Milch

© Internationales Kinderfilmfestival

DIE FARBE DER MILCH
(IKKE NAKEN)

Preis der Kinderjury (Lobende Erwähnung), Internationales Kinderfilmfestival 2005

Selma ist der festen Überzeugung, dass Jungen nichts als Probleme bereiten. Sie wird ihr Leben der Wissenschaft widmen, das ist ausgemachte Sache. Nichts weniger als den Nobelpreis strebt sie an, und deshalb hat sie auch keine Zeit mehr, mit ihren Freundinnen herumzuhängen, bei denen sich plötzlich alles nur noch um Jungs dreht. Aber sie hat die Rechnung ohne Andy gemacht, der sich für Selma mehr als freundschaftlich zu interessieren scheint. Und dann ist da noch dieser geheimnisvolle Schwede, der den Sommer über ein Praktikum im Dorf macht.

Der "Film über Liebe und andere Naturkatastrophen" (Torun Lian) ist eine leichtfüßige Komödie, in der trotz sprühendem Charme und Witz tiefgründige Gedanken zum Thema nicht zu kurz kommen.

 

Kritik der Kinderjury

Selma beschreibt sich selbst als "Mamas größte Naturkatastrophe", da ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Trotzdem wird der Tod nicht wie in einigen anderen Wettbewerbs-beiträgen zum Thema des Films. Es geht viel mehr sehr lustig und ironisch um die Liebe. Selma erlebt in ihrer Familie und auch sonst rundherum Liebe in verschiedenen Varianten. Die Erwachsenen verhalten sich dabei meist eher kindisch: Selmas Tante Nora streitet z.B. immer mit ihrem Freund Rikard um den Autoschlüssel. Selma bleibt gar nichts anderes übrig, als sich auch selbst mit der Liebe zu beschäftigten, die sie am Ende des Films dann als größte Naturkatastrophe bezeichnet.

Im Verlauf der Geschichte muss sie außerdem das Rätsel um die Farbe der Milch lösen, was zur Steigerung der Spannung in mehreren Schritten geschieht. Am Ende hilft Andy ihr, das Rätsel zu lösen. Das hat uns gut gefallen, denn im Film wird immer Selma als die Wissenschafterin präsentiert, aber sie kann das Rätsel alleine nicht lösen. Einige von uns haben sich zwischendurch gefragt, ob dieses Rätsel noch eine andere Bedeutung für den Film hat, also ob z. B. auch Andy wie die Milch "innen schwarz" ist.

Es war gut, dass Selma als Mädchen beim Fußball mitgespielt und auch den Elfmeter gehalten hat - oder hat Andy doch extra leicht für sie geschossen? Selma wird überhaupt als sehr mutig dargestellt. Sie ist vor allem nicht feig, sie traut sich z.B. eine Schlange anzufassen, oder als die Buben am Strand ein Pärchen beim Knutschen beobachten, lässt sie die "Spanner" auffliegen.

Im Film sind die Frauen- und Männer-Rollen praktisch umgekehrt, denn Selma interessiert sich sehr für Naturwissenschaften und möchte einmal den Nobelpreis gewinnen. Andy meint daraufhin, dass man als Nobelpreisgewinnerin bestimmt gut verdient und er dann bei den Kindern zu Hause bleiben wird.

Eigentlich ziemlich gemein ist Selma immer dann, wenn sie ihren Vater beschimpft, wegen seines Haarschnitts oder weil er zugenommen hat. Unsere Eltern wären da (und auch sonst) wahrscheinlich strenger, so gesehen finden wir die Film-Eltern ein bisschen unrealistisch.

Die Rolle des Schweden war für uns ein wenig komisch, denn wir wussten nie, was er selber denkt. Er ist jedenfalls der erste Mann, den Selma nackt sieht und in den sie sich auch ein wenig verliebt. Die Szene, in der sie sich vor ihm im Kühlschrank versteckt, war sehr lustig.

Die Figuren waren für uns gut überschaubar, lediglich als der Vater einen neuen Haarschnitt hat, dauerte es ein paar Minuten, bis wir ihn wieder erkannten. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen haben sehr gut und sehr natürlich gespielt. Die stolze und trotzige Haltung von Selma hat die Darstellerin über ihre Körpersprache ganz wunderbar ausgedrückt.

Die Kamera hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Besonders gelungen fanden wir sie in der Unterwasser-Szene und beim Wettschwimmen. Bei der Unterwasser-Szene war auch der Einsatz des Lichtes ganz hervorragend.

Die Musik war ebenfalls sehr gut. Sie wird eher sparsam eingesetzt, das hat gut zum Film gepasst und über die Musik werden vor allem die Gefühle der Figuren sehr schön ausgedrückt, z.B. gab es die fast opernhafte Musik immer in ganz bedeutsamen Momenten.

Die Spannung im Film war OK, wir sind – auch durch das Rätsel – an der Geschichte dran geblieben. Wir konnten uns gut in die Figuren hineinversetzen und daher auch gut "mitleben".

Zum Schluss bleibt noch zu sagen, dass wir die norwegische Landschaft mit ihren Dünen, Gras und Meer ganz toll ins Bild gesetzt fanden!

 

Preisbegründung der Kinderjury

Ein heiterer, außergewöhnlicher Kinderfilm über ein heikles Thema: Die erste Liebe und die damit verbundenen Verwirrungen. Eine Reihe interessanter Figuren bevölkern den wunderschön fotografierten Film. Außerdem erfährt man – der Titel sagt es bereits – welche Farbe die Milch wirklich hat ...

 

Norwegen/
Schweden 2004
94 Minuten, Farbe

Regie: Torun Lian
mit: Julia Krohn, Bernhard Nagelstad, Maria Elisabeth A. Hansen, Marie Kinge u. a.

empfohlen von 9 bis 14 Jahren