Garuda  © SBO Films

© SBO Films

GARUDA
(GARUDA DI DADAKU)

Bayu träumt davon, ein berühmter Fußballer zu werden wie sein verstorbener Vater. Sein Großvater hält jedoch nichts von diesem Traum und möchte dem Jungen lieber eine fundierte Schulbildung angedeihen lassen. Bayu aber kann vom Fußball nicht ablassen. Mit Hilfe seines Freundes Heri schreibt er sich für die Auswahlqualifikation in die Jugend-Nationalmannschaft ein. Ab nun schwänzt er seine vom Großvater verordneten Musik- und Zeichenstunden und trainiert stattdessen auf einem verlassenen Friedhof für den großen Tag.

Der ungewöhnlich geschnittene Film nutzt die Fußballhandlung geschickt als Rahmen, um den Konflikt zwischen Loyalität gegenüber anderen und der Wichtigkeit der eigenen Wünsche und Bedürfnisse darzustellen.

 

Kritik der Kinderjury

Wieder ein Festivalfilm, der uns ein Fenster in eine fremde Welt öffnete. Vieles in dem Film war fremd und vertraut zugleich. Die Geschichte eines Jungen, der von der großen Fußballkarriere träumt, war uns als Thema nicht wirklich neu. Doch wie sich eine solche Story heute in Indonesien abspielen könnte, davon hat uns der Film sehr berührend und intensiv erzählt. Bayu wächst bei seiner Mutter und seinem Großvater auf, der sich mit großer Strenge um Bayus Ausbildung kümmert. Eine Strenge, die wir nicht kennen, denn für uns ist es eher selbstverständlich, dass Kinder zumindest in ihrer Freizeit das tun dürfen, was ihnen Spaß macht. Bayu hingegen muss sich dem Wunsch seines Großvaters fügen und Musik- und Zeichenkurse besuchen, obwohl er lieber Fußball spielen würde. Also verheimlicht er seine Fußball-Leidenschaft. Diese Heimlichkeiten hat die Regie gut mit der Szene ins Bild gesetzt, als Bayu den Fußball schnell vor seinem Großvater verschwinden lässt. Die Kamera zeigt in Großaufnahme den Fußball und das kleine Metallventil, mit dem Bayu die Luft aus dem Ball pumpen muss, während der Großvater schon die Kinderzimmertür öffnet. Einige meinten, der Großvater hätte Bayus Betrug eigentlich durchschauen müssen, so schlecht wie der Ball versteckt war.

Neben lustigen Dialogen, wie zum Beispiel dem Gag mit den Bananen als Kraftfutter für werdende Fußballer, ist die Bilderzählung ohne Worte ein wichtiger Bestandteil des Films. Beispiele dafür sind die Szene, wo wir aus dem Blickwinkel von Heri miterleben, wie Bayu vom Trainer das ersehnte Nationalmannschaftsdress mit dem Garuda-Enblem geschenkt bekommt, oder die Szene, in der Bayus Großvater den letzten Stein in das Fußballpuzzle setzt, wodurch wir wissen, dass er nun mit Bayus Fußballkarriere einverstanden ist. Gelungen fanden wir auch den Einsatz der Zeitlupe und den sparsamen Ton in der Szene, in der Bayus Großvater am Rande des Spielfeldes zusammenbricht.

Eine wirklich liebenswerte Figur ist neben Bayu auch dessen bester Freund, der körperbehinderte Heri, ein lebhafter und aufgeweckter Junge, der überall mit seinem Rollstuhl herumkurvt. Die beiden unterschiedlichen Freunde sind sehr lebensecht und wir konnten uns gut in sie hineinversetzen. Außerdem haben wir es super gefunden, wie unverkrampft und selbstverständlich in diesem Film mit dem Thema Behinderung umgegangen wird. Auch Zahra, das Mädchen vom Friedhof, ist eine tolle Figur. Auch sie hat eine besondere Begabung. Es ist erfreulich, dass ihr Zeichen-Talent entdeckt wird und sie zum Schluss die Chance bekommt, wieder in die Schule zu gehen. Die beginnende Liebesgeschichte zwischen ihr und Heri hat uns sehr gut gefallen. Sie wurde schön in der Szene angedeutet, als Heri mit dem Rollstuhl feststeckt, und sich von Zahra helfen lässt, während Bayu beteuert, Heri ließe sich niemals helfen.

Besonders beeindruckend fanden wir die Szene, als Bayu seine Nominierung geschafft hat – eine Sequenz, die durch den Schnitt sehr dramatisch und emotional gestaltet war. Nicht zuletzt gab es interessante Eindrücke von der Großstadt Jakarta, als die Kinder auf der Suche nach einem geeigneten Trainingsplatz sogar auf einem Hochhaus ein Fußballfeld entdecken.

 

Indonesien 2009
95 Minuten, Farbe

Regie: Ifa Isfansyah
mit: Emir Mahira, Aldo Tansani, Marsha Aruan, u. a.

empfohlen von 7 bis 12 Jahren

Ifa Isfansyah
Ifa Isfansyah