Der Gruselbus

© Internationales Kinderfilmfestival

DER GRUSELBUS
(DE GRIEZELBUS)

Onnoval ist traurig und enttäuscht. Nachdem er endlich das Herz seiner Schulfreundin Liselore gewonnen hat, küsst sie gleich darauf seinen Erzrivalen Gino. Der verträumte und phantasievolle Junge sinnt auf Rache und schließt mit dem bösen Ferluci einen Pakt. Er schreibt eine Geschichte über die Klassenfahrt, die für Gino böse enden wird. Ferluci wird dafür sorgen, dass die Geschichte wahr wird. Als Onnoval begreift, dass Liselore Gino nur geküsst hat, um ihn vor dessen dauernden Übergriffen zu schützen, bereut er seine Tat. Aber wird er die Kraft und den Mut haben, Ferluci das Skript zu entreißen und das Ende umzuschreiben, bevor es zu spät ist?

Eine phantasie- und humorvolle Umsetzung der psychologischen Entwicklung eines heranwachsenden Jungen, der schreibend lernt, mit seinen Gefühlen in Einklang zu kommen.

 

Kritik der Kinderjury

Ein Schulbus wird zur Geisterbahn. Und die Klassenfahrt in den Vergnügungspark zum Horrortrip, bei dem der Coolste aus der Klasse doch glatt in die Hosen macht und dem Lehrer vor Angst die Knie schlottern. Ausgedacht hat sich das alles Onnoval, der sensible Junge im Emo-Look, der einmal Schriftsteller werden will.

Ein spannender Stoff, der uns stark an „Harry Potter“ und „Tintenherz“ erinnert hat. Und damit ist die Latte für den Film schon ziemlich hoch gelegt. Denn alle waren sich einig, dass „Der Gruselbus“ an diese Vorbilder wohl kaum herankommt. Dennoch fanden ihn alle sehr spannend und auch ein wenig lustig, „grusel-lustig“, wie eine der JurorInnen treffend meinte.

Die Spannung war einigermaßen entschärft, weil kein Blut geflossen ist und die meisten gruseligen Ereignisse nicht direkt gezeigt wurden. Zum Beispiel als Gino, Onnovals Rivale, mit Grauen den Kampf zwischen dem schrecklichen Wachmonster und Onnoval mit ansehen muss. Allerdings fanden viele diese Szene auch etwas ungeschickt gemacht. Offenbar konnte sich der Regisseur nicht entscheiden, ob er bloß andeuten oder doch zeigen will. Und die Einstellungen, wo einmal ein ekliger Rattenschwanz, dann wieder ein gelbes Drachenauge und zum Schluss diese komische Kreuzung von Ratte im Werwolfspelz zu sehen sind, waren nicht überzeugend.

Viel Spaß hatten wir an den Verwandlungen: Die weiße Katze Ursula, die sich nach einer Drehung im schwarzen Drehstuhl in eine weiße Vampirin verwandelt. Oder Ferlucis Helfer, der als Krähe auf den Schulbus zufliegt und plötzlich in menschlicher Gestalt in den Mittelgang des Busses purzelt, während die Sitzreihen mit den schreienden Kindern wie von Geisterhand an die Seitenwand geklappt werden. Auch den Gag mit dem dicken Buschauffeur, der sich in ein Skelett verwandelt, fanden wir lustig. Wirklich erschrocken sind wir bloß bei einer kurzen Szene, als eine hölzerne Vampirfigur ruckartig aus einem Hochschaubahnwagen hochklappt.

Die Figuren fanden alle gut ausgedacht und überschaubar. Besonders lachen mussten wir über Onnovals schräge Eltern und ihr „verkehrtes“ Rollenverhalten.
Mit der Figur von Gino waren viele JurorInnen unzufrieden, weil er keine Chance auf eine Veränderung zum Positiven hat.

An der Story hatten wir doch einiges auszusetzen. Denn von Anfang bis zum Schluss hat uns gestört, dass nicht klar wurde, ob Onnoval nun ein Werwolf ist oder nicht oder ob das alles seiner Einbildung und Fantasie entspringt. Manchmal ist ein offenes Ende gut, weil man die Geschichte für sich im Kopf weiter schreiben kann. Hier allerdings lässt es die ZuschauerInnen unangenehm im Ungewissen.

 

Niederlande 2005
96 Minuten, Farbe

Regie: Pieter Kuijpers
mit: Serge Price, Jim van der Panne, Lisa Smit, Willem Nijholt, u. a.

empfohlen ab 9 Jahren