GUTE CHANCEN © Delphis Films

© Delphis Films

GUTE CHANCEN
(PATATJE OORLOG)

Kieks Vater ist als Arzt oft in Krisengebieten unterwegs. Als er vermisst wird, bekommt Kiek schreckliche Angst und entwickelt in ihrer Fantasie ein Szenario, das die Wahrscheinlichkeit, dass dem Vater etwas zugestoßen ist, vermindert. Wie viele Kinder gibt es, die einen toten Vater haben? Und wie viele, die einen toten Vater und eine tote Maus haben? Hätte man noch einen toten Hund dazu . . . Immer beharrlicher verfolgt Kiek ihre seltsamen Gedanken, doch am Ende muss sie erkennen, dass ein Leben ganz ohne Risiko nicht möglich ist.

Kieks Gedankenwelt wird in der Adaption von Marjolijn Hofs Roman "Tote Maus für Papas Leben" immer wieder in Animationssequenzen dargestellt und dadurch auch für Kinder leicht nachvollziehbar.

 

Kritik der Kinderjury

Obwohl einige von uns die merkwürdigen Ideen von Kiek, die sowohl Maus als auch Hund sterben lassen will, um die Überlebenschancen ihres Vaters zu erhöhen, ganz schön makaber gefunden haben, konnten wir uns in ihr Denken sehr gut hineinversetzen. Wir kennen alle Situationen, wo man Angst um jemanden aus der Familie hat, also konnten wir sehr gut verstehen, was in Kiek vor sich geht und dass sie sich nur Sorgen macht.

Sehr gelungen finden wir die Animationen, jene aus Pappkarton genauso wie die Knetanimationen, die Pommes Frites usw. Lustig war hier z. B. dass der abgehackte Hundekopf zum Mausekopf hinkugelt, und der Mausekopf dann sogar noch zwinkert. Kiek zählt außerdem einige Male vier Möglichkeiten auf, also z. B. wie man die Maus töten könnte, Dinge die ihrem Papa passiert sein könnten oder wie sie den Hund ins Jenseits befördern könnte. Das klingt jetzt vielleicht schrecklich, aber eigentlich ist es sehr lustig gemacht, und es geht ja um ihre Ängste, die so verbildlicht werden. Und wir wussten immer sofort, dass es hier nur um Kieks Vorstellungen in der Fantasie geht.

Im Film gibt es viele Nebengeschichten, wie etwa die Freundschaft zwischen Kiek und Margje, das "Peter Pan"-Theaterprojekt, die Schule insgesamt oder auch, wie Kiek das Skateboard fahren lernt. So bleibt es immer spannend, aber die spannendste Szene des ganzen Films ist natürlich die Hunde-Szene auf der Brücke. Hier gibt es auch eine interessante Perspektive: Während Kiek sonst oft kleiner ist und man viele Szenen aus ihrem Blickwinkel sieht (die Köpfe der Erwachsenen sind oft abgeschnitten, Kieks Blick ist häufig von leicht unten . . .), ist sie hier dem Hund gegenüber größer (und mächtiger). Daher sieht man den armen Hund von oben aus Kieks Perspektive. Als Kiek mit Mutter und Großmutter zur Zentrale fahren, um zu erfahren, was mit dem Vater los ist, werden alle drei aus der Vogelperspektive aufgenommen, was an dieser Stelle sehr gut passt, denn sie sind alle ein wenig hilflos und fürchten sich, dass ev. etwas Schlimmes passiert ist.

Die DarstellerInnen sind toll und alle wurden sehr gut ausgewählt für ihre Rollen. Es gibt zwei Szenen, die sie besonders gut spielen und die uns sehr berührt haben. Das ist einmal die Szene, in der Kiek bei der Theateraufführung nicht weiß, was mit ihrem Vater passiert ist (sie hat aber mitbekommen, dass ihre Mutter angerufen worden ist). Erst als ihre Mutter ihr mitteilt, dass der Vater gefunden wurde, kann Kiek sicher sein, dass er lebt. Kiek, ihre Mutter und ihre Großmutter Lies umarmen sich daraufhin liebevoll und erleichtert. Die andere Szene spielt im Spital: Kiek und ihr Vater stellen sich schlafend, als Mutter und Großmutter hereinkommen, müssen dann aber beide lachen.

Die Übergänge zwischen Realfilm und Animationssequenzen sind sehr schön gemacht (Maus fangen mit Käse, Pommes frites . . .). Und auch das Ende des Films, das wir natürlich nicht verraten, hat uns gefallen. Es gibt nämlich kein glattes Happy End, was für uns wichtig war, aber es geht gut aus und man kann sich überlegen, wie es mit der Familie weitergeht.

 

Niederlande 2011
87 Minuten, Farbe

Regie: Nicole
van Kilsdonk
mit: Pippa Allen, Johnny De Mol, Rifka Lodeizen, Leny Breeveld, u. a.

empfohlen von 8 bis 12 Jahren

Nicole van Kilsdonk
Nicole van Kilsdonk