Hinter den Wolken

© Internationales Kinderfilmfestival

HINTER DEN WOLKEN
(ATRÁS DAS NUVENS)

Paulo, der mit seiner Mutter allein in Lissabon lebt, hat seinen Großvater väterlicherseits nie kennen gelernt. Als ihm der auf einem Foto zuzwinkert, entschließt er sich kurzerhand, das Ferienlager sausen zu lassen und stattdessen heimlich seinen Großvater zu besuchen. Miguel ist ein eigenbrötlerischer Mann, der Paulo ohne viele Worte bei sich aufnimmt. Er besitzt ein geheimnisvolles altes Auto, mit dem man mit Hilfe seiner Vorstellungskraft überall hin fahren kann, wo man sich hin träumt. Gemeinsam begeben sich Paulo und sein Großvater auf eine Reise in die Vergangenheit, die ein altes Familiengeheimnis lüftet und damit eine Schuld wieder gut macht, die nie eine war.

Geschickt werden in diesem Film Phantasie und Wirklichkeit ineinander verwoben und machen ihn zu einem Vergnügen für alle, die noch fähig sind zu träumen.

 

Kritik der Kinderjury

Entgegen unseren normalen Seh-Gewohnheiten ist dieser Film eher ruhig, unspektakulär und wunderbar poetisch erzählt. Manchen von uns war die Geschichte fast zu alltäglich und zu fad, aber wenn man sich auf den Film einlässt, dann ist die Idee, mit einem alten Auto überall hin fahren zu können, wo man sich hin träumt, etwas ganz Besonderes! Auch Paulo hat Visionen von dem „was hätte sein können“, denn er sieht z.B. zwei Geschwister, die er im richtigen Leben nie bekommen hat.

Es hat uns wirklich begeistert, wie die Übergänge zwischen Realität und Fantasie als Fahrt in dem alten Auto gemacht sind! Durch die Wolken, das Licht und Verfremdungseffekte wie z.B. die andere Färbung oder den Weichzeichner war uns immer ganz eindeutig klar, dass in diesem Moment eine Reise zwischen diesen beiden Welten stattfindet.

Der Film funktioniert unserer Meinung nach wie ein Puzzle, das man nur Stück für Stück zusammensetzen kann. Das Familiengeheimnis um den Autounfall wird wie ein Rätsel erst aufgelöst, nachdem man immer wieder Details davon zu sehen bekommen hat. Dadurch hält der Film die Spannung bis zum Ende. Auch das unberechenbare Unfallpferd, das des Öfteren vorkommt, sorgt mit seinen wilden Augen für Spannung.

Das Ende des Films haben wir nicht gleich verstanden. Bei der Fahrt der Familie nach Lissabon wussten wir zunächst nicht, ob das real ist oder ob das nur in der Fantasie passiert. Sollte das alte Auto plötzlich wieder fahrbereit sein? Wir hätten uns gewünscht, dass unmittelbar vor dieser Szene nicht so viel ausgelassen worden wäre, denn dann wäre vielleicht alles ganz eindeutig gewesen.

Manche von uns mögen die Figur und auch den Schauspieler des „Paulo“, die anderen eher nicht. Einige finden ihn deswegen unsympathisch, weil er sich nie an die Versprechen hält, die er seiner Mutter und seinem Großvater gibt. Als Paulo ausreißt, schimpft die Mutter überhaupt nicht mit ihm, im Gegenteil: Als sie sich das nächste Mal begegnen, schenkt die Mutter Paulo ein neues ferngesteuertes Auto. Das finden einige von uns unglaubwürdig, andere meinen, dass die Mutter ihm dieses Auto ja schon zuvor versprochen hatte.

Der Großvater dürfte ebenfalls keine nachtragende Person sein, denn auch er schimpft immer nur kurz und ist nachher gleich wieder lieb. Er erschrickt auch nie und wird nie richtig wütend. Das alles führen wir auf seine Aussage „Was Wörter anrichten können!“ zurück, die zeigt, dass er wegen des Unfalls immer noch Schuldgefühle mit sich herumschleppt und auch Angst davor hat, wieder etwas falsch zu machen. Gut, dass man erfährt, dass der Großvater nicht am Autounfall schuld ist!

Die Kamera fängt die portugiesische Landschaft sehr schön ein, und die Musik war wunderbar und passend. Ein lustiges Detail waren noch die Fotos, die sich bewegt haben (zwinkern, weg reiten), und die Paulo immer wieder Hinweise gegeben haben.

Ein sehenswerter Film für alle, die gerne ihrer Fantasie freien Lauf lassen!!

 

Portugal 2007
85 Minuten, Farbe

Regie: Jorge Queiroga
mit: Ruben Leonardo, Nicolau Breyner, Sofia Grillo, Carmen Santos, u. a.

empfohlen ab 10 Jahren