Ich heiße Kalam © IDream Independent Pictures

© IDream Independent Pictures

ICH HEISSE KALAM
(I AM KALAM)

UNICEF-Preis (Lobende Erwähnung) Internationales Kinderfilmfestival 2010

Eigentlich heißt er Chhotu, aber er nennt sich Kalam, nach dem indischen Ministerpräsidenten. Aus seinem ärmlichen Dorf ist der Junge in das Straßencafé seines Onkels gekommen, um dort ein wenig Geld zu verdienen und damit seine Familie zu unterstützen. Aber Kalam strebt nach Höherem und vertieft sich in Bücher, so oft er nur kann. Als er den Sohn des Maharadschas kennen lernt, dem das Hotel in der Nähe gehört, öffnet sich für Kalam eine neue Welt. Wird der Junge es schaffen, seiner Herkunft zu entfliehen und die Ausbildung zu bekommen, von der er träumt?

Der Film kreist um das Motiv von "Prinz und Bettelknabe" und erzählt in märchenhafter Weise über eine Gesellschaft, die den unteren Schichten immer noch das Recht auf Bildung verwehrt. Preis der Kinderjury, Frankfurt 2010.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser filmische Blick in eine ganz andere Welt hat uns wahnsinnig gut gefallen! Das Leben in Indien, der Alltag und die Landschaft waren sehr schön zu sehen. Die Freundschaft, die sich zwischen den beiden gleich alten, von der Herkunft aber sehr unterschiedlichen Buben entwickelt, war ein tolles Thema. Dass reich zu sein nicht automatisch bedeutet, dass man glücklich wird, kommt sehr gut heraus. Fein war auch, dass die beiden Buben in der Freundschaft gleichwertig sind, denn jeder der beiden kann etwas, das für den anderen hilfreich ist. Einfühlen konnten wir uns in beide sehr gut, und auch ihre Emotionen konnten wir sehr gut teilen. Die großartigen schauspielerischen Leistungen, v. a. natürlich die des Hauptdarstellers, wollen wir hier nicht unerwähnt lassen.

Insgesamt waren die Figuren sehr übersichtlich, und obwohl sich die indischen Gesichter für manche von uns sehr ähnlich geschaut haben, konnte man alle sehr gut unterscheiden. Chhotu, der sich nach dem indischen Präsidenten "Kalam" nennt, war bewundernswert fröhlich, einfallsreich (Geister-Geschichte!) und lernbegierig (Sprachen). Er hat sich alles gemerkt, was ihm nur einmal erklärt worden ist, z. B. wie man Chai richtig zubereitet oder eine Krawatte bindet. Prinz Ranvijay hat zunächst keinen Freund. Als er Kalam kennen lernt, setzt er sich über das Verbot seines strengen Vaters hinweg, sich mit niemandem anzufreunden, der nicht ebenso hochwohlgeboren ist wie er selbst. Am Beispiel der beiden sieht man ganz wunderbar, dass Freundschaft viel mit Loyalität zu tun hat.

Eine wichtige Botschaft war, dass man nicht unbedingt viel Geld braucht, um erfolgreich zu sein. Neben einem klaren Ziel und einer guten Erziehung braucht es dazu harte Arbeit und Beharrlichkeit. Man ist seinem Schicksal nicht ausgeliefert, sondern kann durch seine Handlungen sein Leben selbst in die Hand nehmen. All das stimmt natürlich ganz besonders für Kalam, der ganz genau weiß, was er im Leben noch erreichen möchte.

Dieser Film hätte sein ernstes Thema (soziale) Benachteiligung auch viel trauriger oder reißerischer zeigen können. Er ist aber sehr nett und mit sehr viel Humor erzählt, und trotzdem kommt gut rüber, dass eigentlich jedes Kind in die Schule gehen können sollte.

Viele Details ziehen sich durch den gesamten Film, z. B. kommt das Kamel von Beginn an immer wieder vor. Neben vielen lustigen Szenen gibt es auch ein paar traurige, etwa als der eifersüchtige Skinny Kalams Bücher verbrennt oder als Kalam des Diebstahls beschuldigt und von seinem in der Liebe enttäuschten Onkel geohrfeigt wird.

Die Kamera zeigt wunderbare Bilder von Indien. Sie ist oft auf Augenhöhe der Kinder, z .B. als alle gemeinsam in Dehli nach Kalam suchen und man sich quasi mit dem Blick des Prinzen durch das Publikum einer Darbietung drängeln muss. Es gibt sehr viele schöne einzelne Einstellungen, z. B. als der Prinz schaukelt und in die Baumkrone hinaufschaut.

Musik, Gesänge und Tänze sind super und passen immer ganz genau, weil sie sehr typisch indisch sind. Als Klammer funktionieren die Rhythmus-Hölzer, die Kalam ganz zu Beginn des Films noch nicht so gut beherrscht, die am Ende aber dazu führen, dass ihn die anderen im Park finden, weil sie ihn darauf spielen hören.

Man bleibt an der Geschichte dran und will wissen, wie sie ausgeht. Ohne das Ende zu verraten können wir sagen, dass sich der Film hervorragend für die Kinderrechte einsetzt!

 

Indien 2009
87 Minuten, Farbe

Regie: Nila Madhab Panda
mit: Harsh Mayar, Hussan Saddi, Beatrice Ordeix, u. a.

empfohlen von 7 bis 12 Jahren

Nila Madhab Panda
Nila Madhab Panda