Im Abseits

© Internationales Kinderfilmfestival

IM ABSEITS
(DON)

Preis der Kinderjury (Lobende Erwähnung), Internationales Kinderfilmfestival 2007

Als Don von seiner Nobelschule fliegt, bleibt ihm nur noch eine Migrantenschule in einem anderen Stadtteil. Als Kind reicher Eltern wird er dort nicht akzeptiert. Aber Don ist ein fabelhafter Fußballer und lässt nicht locker, bis er in der Mannschaft für das Schulturnier ist. Durch das gemeinsame Spiel lernen die Kinder, Vorurteile abzubauen und ihre Aggressionen in produktive Bahnen zu lenken. Am Ende hat Don nicht nur gelernt, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen – er hat auch neue Freunde und das Herz des Mädchens Anna gewonnen.

Nicht nur Fußballfans kommen bei diesem Film auf ihre Kosten. Eine bewegte Handkamera, Zeitlupen, die genaue Beobachtung der Gesichter in Großaufnahmen und nicht zuletzt die Rapeinlagen machen ihn zu einem Vergnügen für alle jungen CineastInnen.

 

Kritik der Kinderjury

Gleich die erste Einstellung hat uns direkt in den Film mit hinein gerissen, dabei sieht man „nur“ einen Fußball und einen Fuß, der ihn treten will, aber das erzeugt schon Spannung und man will wissen, wie es weitergeht. Ein Thema des Films steht also gleich fest. Obwohl Fußball eher ein Buben-Thema ist, fanden auch die meisten der Mädchen in der Jury den Film gut, da es auch um andere wichtige Dinge im Leben wie Freundschaft und Gewalt zwischen SchülerInnen geht.

Don, der aus einer „guten“ Familie / Gegend kommt, findet an seiner neuen Schule, an der es etwas rauer zugeht, zunächst nur durch seine Fußballkünste Anerkennung. Dass erst nach und nach einige der Buben aus der Schulmannschaft seine Freunde werden und ihn nicht plötzlich alle gut finden, war für uns sehr realistisch und glaubwürdig. Sie müssen ja alle erst so richtig zu einem Team zusammenwachsen.

Henri und sein Anhängsel Han verkörpern die „bösen“ Gegenspieler so richtig gut unsympathisch. Henri schafft es am Ende immerhin, dem zuvor verlachten Milos einen ganz besonderen Ball zu schenken und ihm damit seine Anerkennung zu zeigen, es gelingt ihm allerdings nicht, auch Don die Hand zu reichen. Das hätten wir zwar sehr gerne gesehen, es wäre aber auch kaum nachvollziehbar, dass Henri sich mit einem Schlag ganz radikal zum Besseren geändert hat.

Die Rivalität zwischen Don und Henri zeigt sich nicht nur beim Fußball, wo beide für die Kapitänsbinde infrage kommen, sondern auch dort, wo es um Freundschaften und Mädchen geht. Obwohl Anna sich am Ende zwar nur sehr schwer aber doch von Henri lösen kann und sich für Don entscheidet, gefielen uns die Mädchen-Rollen in diesem Film nicht besonders. Anna ist als Mädchen nicht stark und unabhängig genug, und die übertrieben vielen Fußball-Tussis bleiben nur Randfiguren.

Eltern oder das Zuhause der Kinder spielen im Film nur eine untergeordnete Rolle. Eine Jurorin meinte, dass sich in Don eigentlich „nur“ die Aggressivität seines Vaters spiegelt, mit dem er kein einziges vernünftiges Wort reden kann - und wie erschreckend ähnlich Kinder die Verhaltensmuster ihrer Eltern übernehmen.

Die Musik, insbesondere der Rap mit den perfekt zum Film passenden Texten, hat uns besonders gefallen - endlich gab es einmal nicht nur klassische Musik! Die Musik hat den Rhythmus des Films unterstützt und sich z.B. sogar angepasst, wenn es Zeitlupen-Szenen gab.

Die Szenen, die in Zeitlupe waren (meist während des Fußballspiels), mochten wir sehr. Die Handkamera zu Beginn des Films hingegen hat uns eher irritiert. In allen „normal“ aufgenommen Szenen fanden wir die Kamera aber wirklich sehr gut. In den Gesichtern der Kinder, die sehr oft in Großaufnahme gezeigt werden, zeigen sich ganz wunderbar alle ihre Emotionen, ohne dass sie ein Wort sagen müssen.

Ein toller Film, bei dem die Entscheidungen beim Bewertungsbogen aber doch oft ganz knapp ausgefallen sind!

 

Niederlande 2005
90 Minuten, Farbe

Regie: Arend Steenbergen

mit: Clemens Levert, Marius Gottlieb, Keisha Boye, Samir Veen, u. a.

empfohlen ab 10 Jahren