Im vierten Stock

© Internationales Kinderfilmfestival

IM VIERTEN STOCK
(PLANTA 4ª)

Eine Gruppe von Jugendlichen lebt gemeinsam im vierten Stock eines Krankenhauses, wo sie nächtens die Gänge unsicher machen, die Krankenschwestern mit virtuellen Pizzabestellungen nerven und hübsche Frauen Eis essend von der Dachterrasse aus beim Ausziehen beobachten. Sie teilen ein gemeinsames Schicksal. Sie haben Knochenkrebs und kämpfen um ihr Überleben. Sie unterstützen sich in ihren persönlichen Angelegenheiten und nehmen Jorge, der als neuer Patient zur Beobachtung auf die Station kommt, wie selbstverständlich in ihre Mitte auf.

Das Erstaunliche an Antonio Merceros Film ist, dass er eine Komödie zu dem Thema geschaffen hat. Eine Komödie mit melancholischen Untertönen, die voll von Lebensfreude ist und in der Lachen und Weinen ganz eng bei einander stehen.

 

Kritik der Kinderjury

Ein sehr schöner Film, der sehr gut zeigt, dass es auch in einer schwierigen Situation möglich ist, seine Lebensfreude zu bewahren und den Mut nicht zu verlieren! Dabei spielt besonders der Zusammenhalt zwischen den Burschen eine große Rolle. Sie helfen einander sehr, z.B. begleiten sie Pepino singend zur Operation (schöne Kamera-Einstellungen!). Pepino ist der Bursche, der stirbt, und wir waren froh, dass es mit Jorge einen Gegenpol gibt, denn der wird am Ende ja geheilt entlassen.

Die gemeinsamen Nachtausflüge der Burschen helfen ihnen gegen die Traurigkeit. Sie haben überhaupt sehr viel Spaß miteinander. Zu den lustigsten Szenen gehört jene, in der die Burschen ihr Essen tauschen (obwohl sie jeder eine andere Diät haben). Diese Szene ist auch ein Beispiel dafür, wie sehr sie sich im Spital schon zu Hause fühlen.

Gut gefallen hat uns der Gegensatz zwischen dem netten Krankenhaus-Personal und dem „bösen“ Doktor Gallego. Er ist sehr streng mit den Burschen und hätte ihnen in ihrer schwierigen Situation ruhig ein bisschen mehr Spaß lassen können. Besonders gemein ist, wie er ihnen vom Tod Pepinos erzählt. Als „böse“ Figur ist er natürlich trotzdem sehr wichtig für den Film. Trotzdem ist es gut, dass es als Ausgleich auch den netten Dr. Marcos gibt. Wie viele ähnliche Szenen im Film bekommt sie am Ende, als Miguel Ángel Pepino seinen Pudding schenkt, einen melancholischen Touch.

Sehr emotional ist jene Szene, in der Izan seine neue Prothese bekommt. Die Musik unterstützt das sehr gut, indem es am Ende des (geschafften) Balancierens sogar Fanfaren gibt.

Besonders feinfühlig gezeigt wird die Geschichte von Dani und Gloria, die miteinander ja den Lebenspakt schließen. Die Dialoge zwischen Dani und Gloria zum Suchen und zu den Brötchen waren besonders gelungen. Auch das schwierige Verhältnis zwischen Miguel Ángel und seinem Vater (der allerdings nie zu sehen ist) wird sensibel dargestellt.

Eine Szene würden wir noch gerne hervorheben: Am Besuchstag fragt ein kleiner Bub Miguel Ángel, was denn mit seinem Bein passiert ist. Dieser für Miguel Ángel unerwartete Besuch, bei dem er das Kind in dem Glauben lässt, ein Hai hätte sein Bein gefressen, ist eine sehr emotionale Szene.

Die Szene mit dem Radetzkymarsch und die vielen Frauenwitze bzw. Anspielungen wurden (egal ob Mädchen oder Bub) sehr unterschiedlich bewertet: manche von uns fanden sie sehr lustig, manche geschmacklos. Auch das nächtliche Rollstuhl-Rennen wurde unterschiedlich gesehen: nachdem auch viel kaputt geht, einiges gefährlich werden könnte und eine Infusionsflasche zu Bruch geht, konnten nicht alle darüber lachen.

Aus kameratechnischer Sicht haben wir in diesem Film einiges Neues entdeckt. Zu Beginn und am Ende gibt es einige sehr schöne Überblendungen, in der die Burschen einzeln vorgestellt bzw. verabschiedet werden. Zwischendurch gibt es einige Schwarzblenden und eine Weißblende (bei Jorges Narkose), die alle klug überlegt und sehr effektiv eingesetzt waren.

Eine besonders witzige Einstellung ist jene, in der die Burschen am Sonnendach nebeneinander liegend Eis essen. Die Kamera blickt von leicht oben auf die Burschen mit ihren Sonnenbrillen - diese Einstellung kommt mehrmals im Film vor.

Musikalisch war der Film ebenfalls sehr interessant. Für uns neu war das so genannte Beatboxing des Hausarbeiters. Der Hausarbeiter ist überhaupt eine nette Figur, denn beim Basketball-Spiel blättert er den Spielstand im Sinne der „Glatzköpfe“ zurück. Als Hintergrundmusik beim Basketball-Spiel wird wieder das Beatboxing verwendet. Sonst gab es viel Klaviermusik, die schön langsam war. Als besonderen interessanten Ton-Einsatz würden wir gerne noch die Gegensprechanlage erwähnen.

Ein Film, der sehr geschickt mit den Emotionen spielt und der Mut macht, nicht aufzugeben, wenn man einmal in einer schwierigen Situation ist!!

 

Spanien 2003
100 Minuten, Farbe

Regie: Antonio Mercero
mit: Juan José Ballesta, Luis Ángel Priego, u. a.

empfohlen ab 10 Jahren