Der Indianer © Victor Arnolds

© Victor Arnolds

DER INDIANER
(DE INDIAAN)

Preis der KInderjury (Lobende Erwähnung) Internationales Kinderfilmfestival 2010

"Die meisten Kinder kommen aus dem Bauch ihrer Mutter. Ich kam aus einem Flugzeug." Koos hat Angst vor Wasser, aber er ist glücklich mit seinen holländischen Adoptiveltern. Eines Tages lernt er Straßenmusiker aus Peru kennen und begreift, dass auch er ein Indianer ist. Als er gleichzeitig erfährt, dass seine Mutter ein Baby erwartet, stürzt Koos in eine existenzielle Krise und beginnt, beharrlich seiner wahren Herkunft und dem Namen nachzuspüren, der ihm von seinen Vorfahren zugedacht wurde. Dazu muss er aber in einem Ritual seine Angst vor dem Wasser überwinden.

Einfühlsam und spannend inszeniert Ineke Houtman die Suche eines Adoptivkindes nach seinen Wurzeln und macht in einer einfachen Geschichte deutlich, wie wichtig es ist, seine eigene Identität zu kennen.

 

Kritik der Kinderjury

Koos erzählt uns seine berührende, philosophische Geschichte selbst, daher konnten wir uns sehr gut in ihn hineinversetzen und wir haben sehr viel über seine Gedanken und Gefühle erfahren. Wir finden es super, dass der Film ganz aus seiner Perspektive erzählt wird. Dazu gehört auch, dass er die Aussagen der Erwachsenen auf seine Art interpretiert und dass ihm andere Sachen wichtig sind als z.B. seinen Adoptiveltern. Seine Familie stellt uns Koos anhand von Familienfotos vor – wieder eine nette Idee, alle handelnden Figuren zu erklären! Seinen Wunsch zu wissen, wo er herkommt und wer seine leiblichen Eltern waren, konnten wir sehr gut nachvollziehen.

Am besten hat uns in diesem Zusammenhang die Geschichte seines Namens gefallen, die in einer tollen Szene zwischen ihm und seinem Vater ganz wunderbar aufgelöst wird. Er ist glücklich, dass er eine Kombination aus seinem Indio-Namen YAKU und dem Namen seines Vaters Jaap (eigentlich Jacobus, daher auch KOOS) trägt. Auch dass Yaku "Wasser" bedeutet, passt natürlich sehr gut. Am Ende überwindet er nämlich seine Angst vor dem Wasser und schafft sein Schwimmdiplom (das ist eine schöne Klammer zum Filmbeginn!). Es ist auch wichtig, dass seine Eltern endlich seine Indio-Seite respektieren und sie nicht mehr als "Indianerquatsch" abtun. Gewundert hat uns nur, dass sie in der Familie nicht schon viel früher über seinen Namen und alles andere gesprochen haben, denn das hätte viele Missverständnisse verhindert. Die Rolle, die seine Eltern bei der ganzen Sache spielen, fanden wir ein wenig seltsam. In vielen Dingen handeln sie sehr ungeschickt und wir haben uns gefragt, ob sie wirklich gute Eltern sind. Aber letztendlich denken wir, dass sie vieles nicht böse gemeint haben, und dass sie Koos auf alle Fälle sehr lieb haben. Das ist wichtig, denn einmal heißt es: "Deine Familie sind die, die dich lieben." Die Erklärung, dass die Lieben zum "1. eigentlichen Kind" (Koos) und zum "2. eigentlichen Kind" (Baby Douwe) zwar unterschiedlich, aber dennoch gleichwertig sind, war ebenfalls von großer Bedeutung. Die Beziehung zwischen Koos und seinem Opa fanden wir ohne Wenn und Aber besonders liebevoll und warmherzig.

Die Suche nach seinen Wurzeln wird nicht nur durch die Ankündigung angestachelt, dass er ein Geschwisterchen bekommen wird, sondern auch dadurch, dass er eine peruanische Großfamilie kennen lernt. Wir haben einiges über das Land Peru und die Bräuche der Inka erfahren, und natürlich passt auch die südamerikanische Folklore-Musik sehr gut zum Film. Die Ekeko-Figur, die Glück bringt, wenn man sie geschenkt bekommt, hat Koos schließlich wirklich Glück gebracht!

Lustig fanden wir, dass Koos das Mobile, das sein Vater für das neue Baby gemacht hat, am Flohmarkt total billig verkauft, weil er sich darüber geärgert hat, dass es nicht für ihn bestimmt war. Auch die Szene mit dem Song "Daddy Cool" am Ende des Films, bei dem Jaap und Koos mitsingen, war sehr witzig – und aus Hintergrundmusik wird aktuelle Musik.

Diskutiert haben wir, ob es nötig war, das Finale mit dem Gewittersturm so dramatisch zu inszenieren – nicht alle haben das gut gefunden. Die Wasser-Bilder von den Bootsfahrten, oder auch Illaris Blick in den Himmel bei der Anrufung des Wassergeists waren allerdings sehr schön. Es wird auch öfters eine subjektive Kamera verwendet, z.B. für die Blicke von Koos oder seiner netten Freundin Isa (z.B. als sie durch die Hecke schaut).

Der Hauptdarsteller hat seine Sache sehr gut gemacht, er hat "echt" gewirkt und natürlich gespielt. Dieser Film ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene interessant!

 

Niederlande 2009
80 Minuten, Farbe

Regie: Ineke Houtman
mit: Matthias den Besten, Bastiaan Ragas, Angelique de Bruijne, u. a.

empfohlen von 8 bis 12 Jahren

Ineke Houtman
Ineke Houtman