In Orange

© Internationales Kinderfilmfestival

IN ORANGE

Preis der Kinderjury, Internationales Kinderfilmfestival 2005

Remco ist ein begeisterter Fußballspieler, dessen größter Traum es ist, eines Tages im orangefarbenen Dress der holländischen Fußballnationalmannschaft zu spielen. Unterstützt wird er dabei von seinem fanatischen Vater Erik. Als dieser an einem Herzinfarkt stirbt, bricht für Remco die Welt zusammen. Doch dann geschieht das Unfassbare: Erik kehrt aus dem Jenseits zurück und nimmt mit seinem Sohn erneut das Training auf! Remco gewinnt seinen Mut zurück, aber er muss auch lernen, in Zukunft ohne seinen Besitz ergreifenden Vater auszukommen und sein Ziel aus eigener Kraft zu erreichen.

Ein filmisch gelungenes modernes Märchen, das geschickt mit verschiedenen Realitätsebenen und Wunschvorstellungen spielt.

 

Kritik der Kinderjury

IN ORANGE ist ein Fußball-Film, der die Burschen, aber auch fast alle Mädchen aus der Kinderjury begeistert hat. Es geht in dieser Geschichte nicht nur um Fußball, sondern um die Vater-Sohn-Beziehung und um die Art und Weise, wie Remco mit dem Tod seines Vaters fertig wird. Dazu haben sich die Filmemacher ein spannendes Drehbuch mit vielen Ideen ausgedacht. Zum Beispiel die Geschichte mit dem "Winti"-Zauber, als die afrikanische Oma von Remcos Freund mit einem Foto den Geist des Vaters beschwört.

Es war für uns bei dieser Geschichte nicht immer leicht, zu erkennen, was nun real ist und was sich nur in Remcos Kopf abspielt. Einige JuorInnen hat es gestört, dass an Remcos Vater filmisch keine Veränderung zu erkennen war, als er aus dem Jenseits zurückkehrt. Er sieht genau so aus wie vorher und ist "ganz normal" da. Schwierig zu deuten war für uns auch die Szene im alten Fußballstadion, weil sie zwar durch Licht und Farben unwirklich, aber andererseits auch nicht wie ein Traum auf uns gewirkt hat.

Beeindruckt hat uns besonders die handwerkliche Seite des Films. Vor allem die Fußballsequenzen sind durch Schnitt, Kamera und gezielte Zeitlupenaufnahmen sehr einprägsam und abwechslungsreich. Die Fußball-Bilder wiederholen sich in dem Film zwar oft, trotzdem werden sie nie langweilig. Aufgefallen ist uns auch, wie gut das Licht eingesetzt wurde. Oft sieht man Gesichter zum Beispiel im Halbschatten. Viele Szenen erzählen nur über die Bildsprache, ohne viel Text, den Verlauf der Handlung. Zum Beispiel als sich Remco heimlich aus dem Haus schleicht, um an dem Auswahl-Match teilnehmen zu können. Oder als er in dem Waldstück mit dem alten Stadion von der Polizei gesucht wird.

Die Figuren in diesem Film waren sehr gut ausgedacht und überschaubar. Einige von uns fanden, dass Remcos Vater zu aggressiv dargestellt war, andererseits ist der raue Tonfall beim Fußball aber auch realistisch. Remco ist eine gute Identifikationsfigur, besonders für die Jungs unter den Zuschauern. Das Mädchen und die damit eingebaute Liebegeschichte sind uns etwas zu aufdringlich vorgekommen. Remcos Schulfreundin hat aber auch eine wichtige Funktion für die Geschichte, weil sie ihm hilft, selbständig zu werden. Sie ist da, als Remco seinen Vater "weggeschickt" hat.

Gut fanden wir, dass man nebenbei auch mitbekommt, wie es Remcos Familie nach Erics Tod geht. Die Mutter findet in Arend einen guten Freund, der sie dabei unterstützt, den Gemüseladen weiterzuführen. Remcos Eifersucht wird durch die Kommentare des Vaters noch verstärkt. Doch zum Schluss wird spürbar, dass Remco Arend als neues Familienmitglied akzeptiert hat.

Insgesamt ist IN ORANGE ein sehr schöner, aber auch sehr trauriger Film, der zum Nachdenken über das Thema Tod anregt.

 

Niederlande 2004
90 Minuten, Farbe

Regie: Joram Lürsen
mit: Yannik van de Velde, Thomas Acda, Dionicho Muskiet, Wendy Van Dijk u. a.

empfohlen ab 9 Jahren