IRIS © Interprod Oy

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IRIS

1890: Iris lebt mit ihrer Mutter, einer bekannten Malerin, in Stockholm. Als diese zu einer Ausstellung nach Paris aufbricht, wird Iris zu ihrem Onkel auf die entlegene Insel Åland geschickt. Das frühreife, verzogene Mädchen, das es mit der Wahrheit nicht immer genau nimmt, passt sich nicht leicht an das einfache Leben auf der Insel an. Aber schließlich entdeckt Iris, wie viel Spaß es machen kann, vom Onkel segeln zu lernen und mit anderen Kindern im Wald herumzutollen. Ganz nebenbei lüftet sie ein Familiengeheimnis, das ihre Mutter jahrelang vor ihr und der Welt verborgen hielt.

Der Film besticht durch einen sehr eigenen Charme, der sich daraus entwickelt, dass traditionelle Erzählmuster durch feine Ironie und überraschende Wendungen gebrochen werden.

 

Kritik der Kinderjury

Bei diesem Film haben uns besonders die vielen schönen Bilder beeindruckt, die über Gefühle und Stimmungen erzählen. Dazu kommen wunderbare Schauplätze mit Landschaftsaufnahmen der Gewässer und der Natur in Schweden. Die Kontraste zwischen Licht und Dunkelheit sind sehr gut eingesetzt. Gefesselt haben uns auch die gruseligen Handlungs-Elemente wie Iris' Alpträume von der Insel der Toten, die einem einige Rätsel aufgeben. Beeindruckend sind die Bildübergänge von Traum zur Realität gestaltet. Zum Beispiel wacht Iris nach der Überfahrt zur Insel auf dem Boot aus einem Alptraum auf und sieht in einem Mann mit schwarzem Umhang den Wächter der Insel des Todes, und nicht den Postmeister, der das ankommende Boot willkommen heißt.

Von Anfang an ist klar, dass die Geschichte aus Iris' Perspektive erzählt wird. Einerseits können wir in ihrem Gesicht lesen. Nahaufnahmen dokumentieren, wie es ihr in bestimmten Situationen geht; ihr ernster Blick oder ihre gerümpfte Nase vermitteln besser als viele Worte, wie einsam oder wütend sie ist. Besonders gefallen hat uns, wie die Kamera ihren Blick auf die Welt wiedergibt. Am Beginn des Films schauen wir durch Iris überkreuzte Finger auf die glitzernde Wasseroberfläche und ihrer Mutter Esther bei der Arbeit an einem Gemälde zu. Interessant war für uns zu erfahren, dass Iris' Mutter das Bild mit einem männlichen Namen unterzeichnet. Sie glaubt, dass sie nur als Mann Erfolgschancen bei der Verkaufs-Ausstellung in Paris haben wird. So erklärt sie das auch Iris, die nicht versteht, warum sie nicht ihren echten Namen unter das Bild setzt. Am Ende des Films kehrt Esther selbstbewusst zurück und weiß, dass sie fortan auch als Malerin anerkannt sein wird.

Schön fanden wir, wie Iris, das feine Stadtkind, das Landleben und die Natur entdeckt und FreundInnen findet. Auch wenn sie bei der ersten Begegnung mit Sofia, Albert und Erik ablehnend meint, sie würde sich nicht mit anderen Kindern abgeben. Für eine 9-Jährige ist es eine ganz schöne Herausforderung, das Lenken des Postschiffes zu erlernen. Gut, dass Onkel Elias, der ihr das Segeln beibringt, nicht schimpft, sondern ermutigend zu ihr sagt: "Das war dein erster Felsen!" als sie auf einen Felsen auflaufen. Auch die Freundschaft mit dem kleinen Ferkel hat uns sehr gut gefallen. Auf einer anderen Ebene wird hier wird das Mutter-Thema, das Iris sehr beschäftigt, angesprochen. Ausstattung und Kostüme sind sehr gelungen und entführen in vergangene Zeit. Wunderbar ins Bild gesetzt zum Beispiel in der Geburtstags-Szene, als Iris im festlichen Salon einer mehrstöckigen Geburtstagstorte entsteigt und kostbare Geschenke erhält.

Ein anspruchsvoller und faszinierender Kinderfilm, der vor allem ältere Kinder in seinen Bann ziehen wird und gerade wegen seiner Rätselhaftigkeit besonders spannend ist und zum Nachdenken und Weiterfantasieren anregt.

 

Finnland/
Schweden 2011
82 Minuten, Farbe

Regie: Ulrika Bengts
mit: Agnes Koskinen,
Maria Salomaa, Tobias Zillacus, u. a.

empfohlen von 8 bis 12 Jahren

Ulrika Bengts
Ulrika Bengts