DER ITALIENER

© Internationales Kinderfilmfestival

DER ITALIENER
(ITALIANETZ)

Vanya ist in einem russischen Heim aufgewachsen und soll von einem italienischen Ehepaar adoptiert werden. Von den anderen Kindern deswegen beneidet, weiß Vanya plötzlich nicht, ob er das eigentlich wirklich will. Es würde bedeuten, seine vertraute Umgebung zu verlassen und ein "Italiener" zu werden. Es würde aber vor allen Dingen bedeuten, sich gegen seine Mutter zu entscheiden, die ihn als Baby seinem Schicksal überlassen hat. Entgegen besseren Wissens entscheidet sich Vanya dafür, seine Mutter auf eigene Faust zu suchen. Für einen Sechsjährigen, der erst einmal lesen lernen muss, um die Papiere zu verstehen, die er heimlich aus der Kanzlei des Heimes entwendet, kein leichtes Unterfangen!

In einer grandiosen Intensität wird hier die Stärke eines kleinen Jungen geschildert, der seinen brennendsten Wunsch hartnäckig verfolgt und nicht aufgibt.

 

Kritik der Kinderjury

DER ITALIENER ist ein Film, der uns ziemlich nahe gegangen ist. Es geht um den 6-jährigen Vanya, der in einem russischen Waisenhaus lebt und der sich sehr mutig und erfindungsreich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter macht, bevor er zu Adoptiv-Eltern nach Italien verkauft werden kann. Er denkt nicht über die Folgen seines Handelns nach, sondern verfolgt für uns nachvollziehbar hartnäckig sein Ziel.

Der Film ist sehr brutal, denn es gibt einige Schlägereien und es herrscht viel Gewalt in den Beziehungen der Menschen. Als man erfährt, dass sich die Mutter eines der verkauften Waisenkinder vor den Zug geworfen hat, war das für uns schrecklich. Schlimm fanden wir auch, wie Vanya von verwahrlosten Buben am Bahnhofs-Gelände verprügelt und ausgeraubt wird. Hier merkt man, dass arme Menschen immer nur für sich selbst ums Überleben kämpfen können und dass Kinder davon ganz besonders betroffen sind. Auch jene Szene, in der Vanya sich selbst am Unterarm verletzt, empfanden wir als ganz arg. Wir halten diesen Film für sehr realistisch, er zeigt, wie es einem Waisenkind ohne Geld in Russland ergehen kann.

Die Geschichte entwickelte sich langsam, und wir brauchten ein wenig Zeit, um uns gut auszukennen. Keine Schwierigkeiten hatten wir hingegen, die Szenen mit dem "Schutzgeld" an die jugendliche Mafia des Waisenhauses zu entschlüsseln.

Gestört hat uns, dass im Film öfter jemand betrunken ist und dass viel geraucht wird.

Manche JurorInnen hatten am Anfang Schwierigkeiten, die Figuren auseinander zu halten, da sich die Kinder im Waisenhaus so ähnlich sahen. Die Hauptfigur ist sehr jung und wir finden, dass der kleine Schauspieler seine Rolle ganz besonders gut gespielt hat. Aber auch die anderen SchauspielerInnen sind gut. Zum Beispiel die Frau, die die Waisen-Kinder zur Adoption vermittelt, eine geldgierige und kalte Person, wurde von der Schauspielerin (die gut für diese Rolle gepasst hat) sehr glaubwürdig dargestellt.

Der Schluss der Films war sehr gut und ungewöhnlich gemacht. Denn zunächst wird Vanya, endlich am Ziel, enttäuscht: nicht die Mutter, sondern nur ihre Nachbarin öffnet ihm die Tür. Erst als er dem Komplizen der Kinderhändlerin entkommen ist und zum zweiten Mal vor dem Haus der Mutter steht, weiß man, dass er sie gefunden hat, obwohl sie nicht mehr ins Bild kommt. Dass wirklich alles gut ausgeht, erfährt man über einen Brief aus Italien, den Vanyas Freund aus dem Kinderheim, der nun statt ihm in Italien lebt, geschrieben hat. Das positive Ende war sehr wichtig für uns. Vanya hatte es ohnedies während der ganzen Geschichte sehr schwer, sich durchzukämpfen, und wenn das für ihn am Ende schlecht ausgegangen wäre, wäre das furchtbar für uns gewesen.

Die Kamera hat uns in diesem Film sehr gut gefallen. Sie arbeitet manchmal aus Augenhöhe der Hauptfigur, und sie fängt ganz tolle Bilder ein, z. B. in jener Szene, als sich Vanya am Bahnhof unter einer Treppe versteckt, während seine Verfolger ahnungslos darüber gehen. Besonders gelungen fanden wir die Kamera bei der Busfahrt, da sie dabei wackelig ist und so die "Bewegungen" des Busses übernimmt.

Die Musik hat uns ebenfalls gut gefallen. Sie wird zwar eher sparsam eingesetzt, aber das finden wir gut zum Thema passend. Bei spannenden Szenen, z.B. bei mehreren Verfolgungsjagden, unterstützt die Musik gut die Spannung des Films.

DER ITALIENER ist zwar im Vergleich harte Kost, aber wir finden diesen Film vor allem in Hinsicht auf die Rechte der Kinder besonders empfehlenswert!

 

Russland 2005
90 Minuten, Farbe

Regie: Andrej Kravchuk
mit: Kolya Spiridonov, Denis Moisenko, Sascha Sirotkin u. a.

empfohlen ab 10 Jahren