JIBURO

© Internationales Kinderfilmfestival

JIBURO

Der kleine Sang-Woo muss die Ferien bei seiner Großmutter verbringen, die in einer abgelegenen Hütte ohne Strom in den Bergen wohnt und stumm ist. Sang-Woo ist ein Stadtkind und bringt seinen Gameboy und seine Dosencolas mit. Er hat keine Lust, sich mit der alten Frau zu verständigen, die nicht einmal lesen und schreiben kann. Auch für die gleichaltrigen Kinder der einsamen Gegend hat Sang-Woo nur Verachtung übrig. Was soll er in einer Umgebung, wo die einzige Unterhaltung eine Kuh ist, die den Kindern von Zeit zu Zeit wie ein wild gewordener Stier nach läuft? Aber Sang-Woos Vorräte brauchen sich langsam auf. Die Batterien seines Gameboys auch . . .

Ein Film über die behutsame Annäherung zweier sehr unterschiedlicher Menschen, der durch seine klare Dramaturgie gut für jüngere Kinder geeignet ist.

 

Kritik der Kinderjury

Dass Filme eine „Fenster zur Welt“ sein können und wirklich tolle Einblicke in fremde Länder und Kulturen bieten, beweist dieser Film aus Südkorea. Zugleich erzählt er eine Geschichte, die überall auf der Welt stattfinden kann.

Der kleine Sang-Woo muss die Ferien bei seiner Großmutter in den Bergen verbringen. Er hat die stumme alte Frau noch nie vorher gesehen und muss sich als Stadtkind in einer für ihn völlig fremden Umgebung zurecht finden. Für uns war es ziemlich schlimm mit anzusehen, wie wütend und unhöflich der Junge auf seine Großmutter reagiert. Umso berührender sind dann die Momente, in denen man die Verständigung zwischen den beiden miterlebt. Zum Beispiel die Szene als die Großmutter den Jungen fragt, was er essen möchte. Mit Zeichensprache einigen sie sich auf Hühnchen. Bloß erwartet sich Sang Woo Kentucky fried chicken und kein gekochtes Suppenhuhn… Erst als er es vor Hunger nicht mehr aushält, isst er heimlich davon, nur um ja nicht vor der Großmutter Schwäche zu zeigen.

Es gibt viele schöne Szenen und Bilder in diesem Film zu sehen. Oft wird mit dem Schatten des Jungen oder der Großmutter gearbeitet, wenn man sich in der kleinen Hütte befindet. Das vermittelt ein ganz nahes Gefühl für das Licht und die Eigenart des Raums, in dem die beiden zusammenleben. Oder einmal geht Sang-Woo ins Dorf, um Batterien für seinen Gameboy aufzutreiben. Da beobachtet ihn die Kamera durch einen großen runden Verkehrsspiegel, der an einer Straßenkreuzung aufgestellt ist.

Aufgefallen ist uns auch, dass die Kameraführung sehr ruhig war. Das hat sehr gut zu den Bildern von der wunderschönen Landschaft gepasst und zu der Art wie die Geschichte erzählt wird – irgendwie langsamer und „beschaulicher“ als in westlichen Filmen.

Nicht ganz verständlich war für uns, warum der Junge in seinem Verhalten gegenüber der Großmutter so oft „kippt“. Einmal beschimpft er sie, dann zeigt er wieder, dass er sie doch sehr lieb hat, wenn er sie, während sie schläft, mit einer warmen Decke zudeckt. Schließlich spürt man aber doch die große Zuneigung, die er zu seiner Großmutter entwickelt: Vor seinem Abschied bringt er ihr noch sogar Schreiben und Lesen bei, damit sie einander Briefe schreiben können. Und er fädelt Fäden in ihre Nähnadeln, damit sie ihre täglichen Flickarbeiten machen kann. Diese Szene hat uns ganz besonders gut gefallen.

Die Großmutter auf jeden Fall hat all unser Mitleid und unsere Sympathie gehabt. Ihr runzeliges Gesicht, ihr mühsamer gebückter Gang wurden von der Kamera sehr eindringlich ins Bild gesetzt und als Figur hat sie Liebe, Güte und Geduld in einer Person für uns verkörpert.

Wie steht es doch im Nachspann von JIBURO - ein Film für alle Großmütter der Welt.

 

Südkorea 2002
97 Minuten, Farbe

Regie: Jeong-Hyang Lee
mit: Eul-Boon Kim, Kyung-Hoon Min, Seung-Ho Yoo, u. a.

empfohlen ab 7 Jahren

Jeon-Hyang Lee
Jeon-Hyang Lee