Karlas Welt

© Nordisk Film

KARLAS WELT
(KARLAS KABALE)

Weihnachten steht vor der Tür, aber Karla kann sich nicht richtig darauf freuen. Ihre Mutter ist im Dauerstress und hat keine Zeit zum Kekse backen, ihr Stiefvater hat ihr neues Zimmer immer noch nicht fertig eingerichtet, und ihre beiden kleinen Brüder nerven. Als dann auch noch ihr Vater den traditionellen Vorweihnachtsabend absagt, weil er wieder einmal betrunken ist, hat Karla genug: Kurz entschlossen zieht sie aus, um Weihnachten woanders zu feiern. Auf ihrer Odyssee landet sie beim Außenseiter Buster, der sie für eine Nacht aufnimmt. Karla und ihre Familie müssen noch Einiges lernen, bevor sich am Weihnachtsabend alles zum Guten wendet.

Fast beiläufig greift der Film alltägliche Probleme einer Zehnjährigen auf und verdichtet sie zu einer erstaunlich differenzierten Geschichte. Mit Karlas Augen werden wir durch ihre kleine Welt und schließlich zum Happy End geführt.

 

Kritik der Kinderjury

„Vor Weihnachten wird Mama immer von einem Putz-Dämon befallen!“ meint Karla zu ihren nervigen kleinen Brüdern. Das ist nur ein Zeichen für den Weihnachtsstress, der ihre Familie in den hektischen Tagen vor dem stillsten Fest des Jahres ereilt. Auch wir kennen diesen Trubel. Natürlich ist in diesem Film alles ein wenig überzeichnet, aber es steckt schon ein starkes Körnchen Wahrheit in Karlas Geschichte. Eigentlich hat sie ein unbeschwertes Leben in einem schönen Haus in einer tollen Wohngegend mit einer netten Familie. Aber Karla hat ihren Stiefvater noch nicht wirklich akzeptiert und vielleicht hat ihre Mutter früher mehr Zeit für sie gehabt. In diesem Jahr herrscht jedenfalls Chaos und Karla leidet darunter, weil sie mit ihren 10 Jahren als ältere Schwester von zwei jüngeren Brüdern immer zurückstecken muss. Nicht einmal das Geschenk für ihre beste Freundin Molly kann sie in Ruhe einpacken. Und dann fetzen die beiden Jungs das liebevoll verzierte Packerl auch noch mit dem Fußball vom Tisch. Es hätte uns brennend interessiert, was in diesem rosa Seidenpapier eingewickelt war. Und wir hätten auch gerne mehr über Karlas Freundin und deren Familie erfahren.

Es gibt eine Menge Gründe dafür, warum Karla am Tag vor Weihnachten einfach genug hat und von zu Hause ausreißt. Ein kleines Ereignis nach dem anderen steigert ihren Frust. Das wird durch die Geschichte mehr als nachvollziehbar. So zum Beispiel, als Karla wegen Mamas Migräne-Anfall alleine Kekse bäckt und ihre beiden Brüder währenddessen in der Küche nur Ärger machen.

Die Regie hat die filmischen Mittel gut eingesetzt, um Karlas eigene Sicht der Dinge wieder zu geben: Sehr gelungen fanden wir die Stelle, wie Karla mit ihrer Stimme aus dem Off alle Familienmitglieder vorstellt und in einem Standbild eine typische Situation dazu festgehalten wird. Auch die Zeitlupe wird dazu verwendet, um eine Stimmung zu erzeugen, die Karlas Gefühlen entspricht. Zum Beispiel, als sie vor dem Haus vom Vater abgeholt werden, entsteht durch die Verlangsamung im Bild und die Musik, die die Szene begleitet eine ganz besondere Atmosphäre.

Es gibt eine Menge Figuren in diesem Film. Witzig fanden wir Karlas kleinen Halbbruder, der immer, wenn er etwas anstellt, seinen Fantasie-Freund Licky dafür verantwortlich macht. Außerdem ist er eine schreckliche Petze. Schade nur, dass der Junge, der den kleinen Bruder gespielt hat, für die Rolle schon zu alt gewirkt hat.

Nicht ganz klar war für einige von uns die Orientierung bei den Schauplätzen, da wusste man manchmal nicht, wo Karla gerade ist. Und auch die Figuren, die Karla bei ihrem Ausreiß-Versuch begegnen, waren nicht ganz leicht zu deuten. Im Verlauf der Geschichte stellt sich aber heraus, dass Karla großes Glück hat, nette und hilfsbereite Menschen zu treffen. Sie besitzt aber auch einen starken Sinn dafür, auf sich selbst aufzupassen.

Das Happy End für Karla und ihre Familie war perfekt. Besonders schön fanden wir, dass Karlas Stiefvater für sie das Zimmer neu einrichtet und schließlich auch ihr richtiger Vater Weihnachten mitfeiern darf.

 

Dänemark 2007
92 Minuten, Farbe

Regie: Charlotte Sachs Bostrup
mit: Elena Arndt-Jensen, Ellen Hillingsø, u. a

empfohlen von
8 bis 14 Jahren