Kérity – Haus der magischen Geschichten © Gaumont-Alphanim/La Fabrique/Lanterna Magica

© Gaumont-Alphanim/La Fabrique/Lanterna Magica

KÉRITY – HAUS DER MAGISCHEN GESCHICHTEN
(KÉRITY, LA MAISON DES CONTES)

Preis der KInderjury (Lobende Erwähnung) Internationales Kinderfilmfestival 2010

Natanaël fährt mit seinen Eltern und seiner Schwester den Sommer über in das Haus, das seine Tante Eleonore der Familie vermacht hat. Der Junge hat eine legasthenische Störung, und umso größer ist die Überraschung, dass seine Tante ausgerechnet ihm ihre umfangreiche Bibliothek vermacht hat. Aber Natanaël entdeckt bald das Geheimnis, das mit den wertvollen Büchern verbunden ist – sie sind bewohnt von sämtlichen Figuren der Kinderliteratur, die in ihnen zu wundersamem Leben erwacht sind. Als die Bibliothek verkauft werden soll, um das Haus renovieren zu können, liegt es an Natanaël, Alice, Captain Hook und all die anderen vor dem drohenden Untergang zu bewahren.

Ein ästhetisch anspruchsvoller Animationsfilm über die Faszination der Literatur und die Macht der Fantasie.

 

Kritik der Kinderjury

Uns hat das Thema des Films sehr gut gefallen, nämlich dass ein Bub das Bibliotheks-Erbe seiner Tante Eleonore antritt und am Ende mit Hilfe der wertvollen Märchenbücher seine Leseschwäche überwinden und dadurch die Träume der Kinder auf der ganzen Welt retten kann. Dass Eleonore in Natanaëls schön gestalteten Erinnerungen und als gerahmtes Bild immer wieder im Film auftaucht, ist da nur konsequent.

Die vorkommenden Märchenfiguren sind bekannt, werden aber in ungewöhnlichen Zusammenhängen präsentiert, z.B. bedanken sich Rotkäppchen und der böse Wolf gegenseitig für die gute Zusammenarbeit. Sonst mochten wir noch Kapitän Hook und Peter Pan, die böse Fee aus Dornröschen und den verfressenen Oger ganz besonders. Raffiniert waren Plan A und Plan B der Märchenfiguren – alle verstecken sich in den falschen Büchern bzw. alle verlassen die Bücher, so dass diese ganz leer und langweilig sind. Die lustigste Figur bei den "Großfüßen", wie die Menschen von den Märchenfiguren genannt werden, war der Antiquitätenhändler bzw. vor allem sein Schnurrbart, der je nach seiner Stimmung hielt oder hinunter hing. Es gibt auch sonst viele originelle Details, wie etwa die Szene, in der Nat und die anderen mit Hilfe von Angélica über die Stiege in die Tasche der Jacke rutschen, in der sie der Vater zum Antiquitätenhändler mitnehmen soll.

Den Stil der Zeichnungen mochten wir sehr. Einerseits sehen sie manchmal so aus, als wären sie von Kindern gezeichnet worden, z.B. sind die Bücher nicht immer ganz genau eckig, sondern manchmal sogar ein wenig schräg. Andererseits sehen sie "wirklich gezeichnet" aus und sind nicht so glatt, wie das meist bei Filmen der Fall ist, die mit Hilfe des Computers animiert wurden. Auch die matten, nicht so grellen Farben haben sehr gut dazu gepasst.

Die Kamera macht deutlich, wie klein Nat und die anderen sind. Einmal hat man einen sehr schönen Blick durch übergroße Grashalme, und es wird auch häufig eine Froschperspektive verwendet. In den Szenen in der Sandburg, die Nat ja selbst gebaut hat, ist plötzlich auch alles übergroß und der Krebs, der sich am Beginn des Films vor Nat gefürchtet hat, wirkt jetzt sehr bedrohlich.

Es gibt noch einige andere sehr spannende Szenen im Film, unter anderem die Gewitterszenen mit der schönen Wolkenstimmung oder auch die, in denen Nat Alpträume von tanzenden Buchstaben hat. Diese Szenen sind auch anders eingefärbt und werden von dramatischer Musik begleitet. Ansonsten waren die französische Musik und die Lieder perfekt für den Film.

Als Natanaël zum ersten Mal die Bibliothek betritt, gibt es überhaupt keine Musik, da knarren nur die Holzdielen des Bodens. Das macht die ganze Sache sehr spannend. Außerdem ist von innen ganz groß im Bild zu sehen, wie sich der Schlüssel im Schloss dreht, eine sehr gute Kameraeinstellung.

Dass sich Nat und Angélica, die bis dahin immer viel gestritten haben, am Ende des Films besser verstehen, war uns wichtig. Wir konnten uns gut mit Nat identifizieren und mit ihm "mitleben". Der Film macht Mut, nicht so schnell aufzugeben, wenn man etwas nicht so gut kann. Wir finden ihn wirklich großartig, OBWOHL er ein Animationsfilm ist!

 

Frankreich 2009
80 Minuten, Farbe

Regie: Dominique
Monféry
Animationsfilm

empfohlen ab 7 Jahren

Dominique Monféry
Dominique Monféry