KLEINER BRUDER

© Kazahkfilm/

KLEINER BRUDER
(BAUYR)

UNICEF-Preis 2014 – Lobende Erwähnung

Yerkens Mutter ist gestorben, sein Vater lebt in einem anderen Dorf und sein Bruder studiert in der Stadt. Der 9-jährige Junge verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Lehmziegeln und muss sich dabei nicht selten gegen die Betrügereien der Erwachsenen wehren. In der Schule ist Yerken ein beliebtes Opfer für Lehrer und Mitschüler. Sein einziger Freund ist der lahme Hund Taimas, umso sehnsüchtiger wartet er auf den seltenen Besuch seines Bruders. Dann wird Yerken das Schaf schlachten! Aber als Aidos endlich auftaucht, werden Yerkens Träume schwer enttäuscht.

Klar und einfach strukturiert, ist der Film eine respektvolle Annäherung an alle Kinder, die in dieser Welt allein gelassen werden und sich trotzdem beharrlich ihren Platz in ihr behaupten.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film ist eine Reise in eine ganz andere Welt und man könnte meinen auch in eine ganz andere Zeit. Der 12-jährige Yerken, der etwa in unserem Alter ist, wird von den Erwachsenen nicht gut behandelt, weil Kinder in Kasachstan ganz offensichtlich nicht einfach "nur" Kinder sein dürfen, sondern als kleine Erwachsene betrachtet werden.

Yerken wird ständig ausgenutzt und selbst sein großer Bruder Aidos ist keine Hilfe für ihn, denn er schickt Yerken sogar um Geld, statt selbst zu gehen. Außerdem wird Yerken ständig von allen entweder nach Hause oder sonst irgendwohin weg geschickt. So gesehen macht sich der Film auf ganz tolle Art und Weise für die Umsetzung von Kinderrechten stark. Yerken ist allerdings nie schwach, sondern er ist immer eine ganz starke Figur. Seine Mutter ist bereits gestorben und sein Vater ist abwesend. Trotzdem schlägt er sich tapfer, denn er verdient sein eigenes Geld, kümmert sich um die alltäglichen Dinge des Lebens (z.B. verwaltet er die Lebensmittel selbst) und hilft anderen (z.B. dem Direktor und dem Russisch-Lehrer). Der junge Darsteller, der Yerken spielt, macht seine Sache großartig! Er ist die meiste Zeit sehr ernst, nur einmal lacht er (beim Kämpfen mit Aidos) und er weint auch nur einmal (als Aidos wieder abgereist ist). Das alles spielt er durchgehend völlig glaubwürdig. Am Ende bleibt offen, wie es für ihn weitergehen wird, aber wir sind überzeugt davon, dass er sich weiter gut durchschlagen wird. Ein Trost für ihn ist die Mundharmonika, die er vom Clown geschenkt bekommen hat.

Zu sehen, wie Kinder anderswo auf der Welt leben, war für uns sehr interessant! Der Film wirkt fast dokumentarisch, denn man bekommt viel von diesem schönen Ort und vom Alltag dort mit (W1ohnen, Schule, Umgang mit Tieren, religiöse Angelegenheiten, Trockenheit/Staub usw.). Geld spielt eine sehr große Rolle, denn die meisten haben keines, hätten aber gerne mehr davon – im Film ist es also ein Dauerthema. Noch dazu wird der Geldverleiher umgebracht (das ist nicht zu sehen, keine Angst!) und beerdigt. In diesem Zusammenhang geht es auch ums Schulden machen bzw. Schulden haben ("Schulden sind wie ein Seil um den Kopf"), und am Ende kommt Yerken zum Handkuss und steht mit einem riesigen Berg von Schulden da.

Ein schönes Bild, das uns ganz besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Füße im Gatsch gleich zu Beginn des Films. Yerken produziert Lehmziegel, und uns hat die Idee sehr gut gefallen, dieses Bild als Einstieg zu verwenden. Ansonsten trägt die eher dokumentarische Erzählweise dazu bei, sich Yerkens Erlebnisse eher distanziert anzusehen – zumindest hat es bei einigen von uns dazu geführt, dass sie nicht ganz so intensiv mitleben konnten. Der Geschichte entsprechend wird auch die Spannung nicht nach einem klassischen Spannungsbogen aufgebaut, das heißt, man muss sich auf eine nicht ganz typische Art der Kino-Spannung einstellen.

Wenn ihr also einmal sehen wollt, dass Kinder es nicht überall so gut haben wie wir hierzulande, und wie sie trotzdem ihr Leben meistern, dann ist dieses schöne Beispiel von Weltkino ein heißer Tipp für euch!

 

Kasachstan 2013
94 Minuten, Farbe

Regie: Serik Aprimov
mit: Almat Galym, Alisher Aprimov u. a.

9 +

Serik Aprimov
Serik Aprimov