Eine kleine Rittergeschichte © Bonton Film

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EINE KLEINE RITTERGESCHICHTE
(AT ZIJI RYTIRI)

Der Ritter Martin von Varmbeck wird der Hexerei angeklagt. Um sich von diesem Verdacht zu befreien, bricht er zum Hof des Königs auf und lässt seine Burg in der Obhut seines ältesten Sohnes Peter und dessen vier Geschwistern zurück. Zu spät bemerkt er, dass er einer List seines Nachbarn Albrecht mit der blutigen Nase erlegen ist, der sich das Land Martins zu eigen machen möchte und jetzt leichtes Spiel zu haben glaubt. Da hat er sich jedoch verrechnet, denn die fünf jugendlichen KämpferInnen verteidigen die Burg mit viel Mut und noch mehr klugen Ideen.

Ein spannend inszenierter Abenteuerfilm über eine Zeit, in der das Recht des Stärkeren gang und gäbe war. Trotz des packenden Themas geben jedoch Romantik und Witz den Grundton des Films an.

 

Kritik der Kinderjury

Es macht einfach immer Spaß, wenn schlaue Kinder feindliche Erwachsene überlisten und besiegen können. Dieses Motiv kennt man aus vielen Kinderfilmen. Hier ist das beliebte Thema in die Ritterzeit verlegt und sehr abwechslungsreich und humorvoll umgesetzt. Die Spannung kommt dabei nicht zu kurz, und manchmal wird es ganz schön aufregend. Etwa gegen Ende des Films, als der böse Ritter Albrecht die Nachbarsburg samt ihrer Bewohner endgültig zu vernichten droht und in letzter Minute die Königin mit ihrem Gefolge auftaucht. Zu dieser Szene gab es auch einige kritische Stimmen aus der Jury, weil die Spannung zu abrupt abgebrochen wurde. Außerdem fanden es einige unglaubwürdig, dass Ritter Martin trotz eines feindlichen Pfeils in seiner Schulter ohne mit der Wimper zu zucken weiter redet. Überhaupt gab es einige Kampfszenen, wo es schien, als seien die Ritter "unverwundbar".

Was uns an dem Film gut gefallen hat, ist sein Humor, der in vielen kleinen Witzen in Szenen, Bildern und lustigen Dialogen vorkommt. Besonders mochten wir die Jüngste der Geschwistertruppe, die kleine blonde Katherina. Sie ist immer zu Streichen aufgelegt, dass merkt man schon in der Anfangssequenz beim Verstecken spielen. Sie hilft tatkräftig im Kampf gegen den bösen Albrecht mit, auch wenn dabei manchmal etwas schief geht. So wie bei dem lustigen Missverständnis mit dem Seil, als sie in die Küche der Burg schleicht und für die anderen, die am Fuße der Burgmauer warten, das komplette Seil aus dem Fenster wirft. Beim zweiten Versuch bindet sie das Seil am Tisch fest, der dann durch das Gewicht der Kletterer quietschend immer näher zum Fenster gezogen wird. Sehr witzig fanden wir auch den Psychoterror, den die schlauen Kinder mit dem bösen Albrecht veranstalten. Das war filmisch schön gemacht: Bei schummriger Lichtstimmung wie bei schwachem Kerzenschein öffnete sich die Tür wie von Geisterhand, einmal lag das Bärenfell unter, später auf dem Bett, die Schatztruhe war plötzlich verschwunden, als Albrecht die Wachen verständigt, stand sie wieder da.

Kameratechnisch hat vielen von uns besonders die Verfolgungsjagd mit dem Wagen beeindruckt. Sie war sehr temporeich geschnitten, viele "verwackelte" Bilder erzeugten den Eindruck, wir würden selbst in dem holprigen Wagen oder mit einem galoppierenden Pferd auf der Flucht sein. Einige fanden diese Sequenz aber zu schnell und etwas verwirrend. Einstimmigen Beifall erhielten dagegen die schönen Bilder mit dem Blick durch die Grashalme, als die Kinder ihre Flucht zu Fuß am Wasser fortsetzen. Ziemlich cool fanden wir den schlauen Einfall der Mädchen, Kleidungsstücke und die Puppe zurück zu lassen, so dass die feindlichen Ritter glauben sollten, die Kinder wären ertrunken.

Insgesamt hatte der Film für die meisten von uns eine gute Mischung aus Humor, Action Spannung und zur Freude der Mädchen in der Jury auch einige Liebesgeschichten anzubieten. Die bösen Erwachsenen in der Geschichte können den listigen und schlauen Kindern nicht schaden. Denn außer Ritter Albrecht sind alle ziemlich tollpatschig und ein wenig dumm gezeichnet und am Ende siegt das Gute über das Böse.

 

Tschechische Republik 2009
105 Minuten, Farbe

Regie: Karel Janák
mit: David Prachar, Pavel Kriz, Tereza Vorisková, u. a.

empfohlen von 8 bis 12 Jahren

Karel Janák
Karel Janák