Kleiner Mönch

© Internationales Kinderfilmfestival

KLEINER MÖNCH
(DONG SUNG)

UNICEF-Preis, Internationales Kinderfilmfestival 2003

In einem stillen, abgeschiedenen Ort in den Bergen leben drei Generationen von Mönchen in einem Tempel zusammen. Für den neunjährigen Donyceum ist es nicht leicht, das karge und eintönige Leben im Tempel zu ertragen, wenn er sieht, wie viel Spaß die Kinder im nahegelegenen Dorf mit einander haben. Er hat Sehnsucht nach seiner Mutter und träumt davon, dass sie ihn wieder nach Hause holt. Eines Tages kommt eine junge Frau in den Tempel, um für ihren verstorbenen Sohn zu beten. Die beiden fassen eine schüchterne Zuneigung zu einander, und fast wird der Traum des kleinen Mönchs wahr.

Ein stiller Film, in dem sorgfältig und genau das Leben der buddhistischen Tempelmönche beobachtet wird, ohne dabei auf die Geschichte zu vergessen.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat bei der Kinderjury zu starken Kontroversen geführt. Einerseits waren wir von der Schönheit der Schauplätze und dem faszinierenden Blick auf eine fremde Kultur begeistert. Andererseits gab es doch viele Verständnisschwierigkeiten, was die Geschichte betraf. Außerdem waren alle geschockt, wie grausam der kleine Mönch von seinem Lehrmeister behandelt wird. Diese Grausamkeit besteht dabei nicht nur in körperlicher Gewalt, sondern auch in einer unbeschreiblichen Strenge und Härte, mit der ein erst 9-jähriger Junge "erzogen" wird. Er darf nicht mit den Kindern aus dem Dorf spielen, auch keinen Kontakt zu seinen Eltern haben. Ständig muss er nur dem Meister und dem Kloster dienen: Den Boden fegen, frisches Quellwasser vom Fluss holen, die Gebets-Zeremonien vorbereiten, für den Meister Tee kochen und ihm sogar den Rücken schrubben.

Dem Meister scheint nichts zu entgehen, er durchschaut alles und ist unerbittlich. Ihm zu widersprechen ist für den kleinen Mönch und auch für seinen einige Jahre älteren Mitbruder unvorstellbar. Der verlässt schließlich auch das Kloster, weil er dem Druck nicht mehr standhalten will und sich das Mönchs-Dasein, das ihm das Zusammensein mit einer Frau verbietet, nicht vorstellen kann.

Interessant und zugleich ergreifend war es für uns mitzuerleben, was alles zur religiösen Erziehung in einem buddhistischen Kloster gehört. Zum Teil für uns, aus der Sicht unserer Kultur, kaum verständlich, aber doch von einer großen Anziehungskraft waren die Szenen, als Donceum immer wieder zum Meditieren auf einen Berg geschickt wird, dort soll er Stunden darüber nachdenken, ob der Felsen, den er sieht, wirklich oder nur in seiner Einbildung existiert. Aber egal, welche Antwort er dem Meister bringt, mit keiner kann er ihn zufrieden stellen.

So rätselhaft und widersprüchlich wie der Meister erschienen uns auch die vielen Schauplatz- und Zeitsprünge. Wir konnten uns nur schwer orientieren, wie Zeit und Handlung zusammenhängen. Denn zum Beispiel zeigten die Naturaufnahmen mehrmals einen Wechsel der Jahreszeiten, unklar blieb aber, wie viel Zeit zwischen den Ereignissen in der Geschichte tatsächlich vergangen war. Außerdem gab es verwirrend viele Handlungselemente.

Das für uns wichtigste Thema in der Geschichte ist die Begegnung zwischen den kleinen Mönch und der fremden Frau, die ihn ins Herz schließt und adoptieren möchte. Bei ihr würde er die Liebe und Geborgenheit finden, nach der er sich sehnt. Doch der starrsinnige Meister verhindert dieses glückliche Ende.

Zum Schluss trifft der kleine Mönch seine Entscheidung. Er verlässt das Kloster, um seine Mutter zu suchen, auch wenn er nicht weiß, was ihn erwartet.

Ein Film, bei dem man nicht alles gleich verstehen kann, mit wunderschönen Bildern von einer rätselhaften fernen Welt.

 

Südkorea 2002
102 Minuten, Farbe

Regie: Joo Kyung-Jung
mit: Kim Tae-Jin, Chon Moo-Song, Kim Ye-Rung, u. a.

empfohlen ab 9 Jahren