KNETTER – DURCHGEKNALLT

© Internationales Kinderfilmfestival

KNETTER – DURCHGEKNALLT
(KNETTER)

Preis der Kinderjury (Lobende Erwähnung), Internationales Kinderfilmfestival 2006

Bonnies Mutter ist psychisch instabil und verbringt deshalb immer wieder lange Phasen in tiefer Depression im Bett. Aber Bonnie hat eine tolle Großmutter, die bei ihnen lebt und für Bonnies ungetrübte Kindheit sorgt. Das ändert sich, als die Großmutter durch einen Unfall ums Leben kommt. Nun muss Bonnie allein mit einer Mutter zurecht kommen, die während ihrer Hochs überschwängliche Eisorgien mit ihrer Tochter feiert, während ihrer Tiefs Bonnie aber schon auch mal im Pyjama von der Schule abholt. Das Fürsorgeamt hat bereits ein Auge auf das eigenwillige Familienleben geworfen, und als die Mutter einen Elefanten mit nach Hause bringt, wird Bonnies Lage sehr brenzlig.

Trotz des ernsten Themas hat der Film erstaunlich viel Schwung und Witz und ein glaubwürdiges Happy End.

 

Kritik der Kinderjury

Diesen Film finden wir besonders "kinomäßig"! Trotz der ernsten Themen, der psychisch kranken Mutter und dem Tod der Großmutter und seinen Folgen, ist der Film fröhlich, bunt, temporeich und lebensbejahend.

Gleich der Beginn mit den Comics-Elefanten (Anfangs-Credits mit SchauspielerInnen usw.) ist sehr gelungen. Danach folgt der Einstieg, bei dem Bonnie erzählt, wie unterschiedlich Familien sein können. Auf der sehr witzig gemachten Bild-Ebene sieht man dabei die rothaarige Familie von Bonnies Freund Koos, alle kugelrunden Menschen in der Familie von Bonnies Lehrer und einen langhaarigen Mann mit seinem langhaarigen Hund im Auto nebeneinander sitzend.

Bonnies Familie ist eine wirklich "ver-rückte" und anders als andere Familien. Bonnie, ihre Mutter und ihre Großmutter übernachten z.B. manchmal im Zelt, oder die Mutter bringt schon einmal einen Elefanten als Geschenk für Bonnie mit nach Hause. Die Mutter, deren Stimmungsschwankungen bestimmt sehr schwer zu spielen waren, holt Bonnie einmal im Pyjama von der Schule ab und Bonnie schämt sich sehr dafür.

Ganz besonders lustig ist Bonnies Baby-Plan. Als erstes fasst sie ihren netten Lehrer als zukünftigen Vater für das gewünschte Brüderchen ins Auge, aber das klappt nicht. Auch als sie sich Koos’ kleinstes Geschwisterchen „ausborgen“ will, geht das schief. Der Schuh-Verkäufer Cees wäre dann als nächstes als Vater sehr willkommen, doch das Jugendamt kommt dazwischen und Bonnie überlegt sich die Sache mit dem Baby anders. Cees und ihre Mutter verstehen Bonnies Meinungsschwenk natürlich überhaupt nicht und es kommt zu einigen sehr lustigen Komplikationen.

Besonders gelungen ist auch, wie sich Bonnie nach und nach mit der Nachbarin Puch anfreundet. Zunächst vermuten Bonnie und Koos durch ihre gemeinsamen Beobachtungen ja sogar, dass Puch eine "Mörderin" ist und sie "Blut" an ihren Händen hat. Am Ende ist Puch aber als Tante in die Familie integriert und nimmt am Foto den Platz von Bonnies Oma ein (das gleiche Foto mit Oma in der Mitte war am Beginn des Films zu sehen).

Vieles im Film wird gut vorbereitet und ist daher vorhersehbar, was aber z.B. beim Unfall der Großmutter sehr hilfreich ist. Wenn der Unfall ganz plötzlich gekommen wäre, hätten wir daran vielleicht sehr schwer zu schlucken gehabt.

Neben den hervorragenden SchauspielerInnen-Leistungen haben uns auch die Kamera-Perspektiven (mal Vogel-, mal Frosch-Perspektiven), der Einsatz von Zeitraffer und Zeitlupe (z.B. Bonnie beim Eis essen ist langsam, ihre Mutter mit dem Kellner tanzend im Hintergrund ist schnell) sowie die besonders genutzten Vorder- und Hintergründe (z.B. als die Mutter den Ticket-Verkäufer beim Zirkus mit ihrer Handtasche schlägt) sehr gut gefallen.

Dieser Film ist deshalb so außergewöhnlich, weil er aus dem schwierigen Thema psychische Krankheit eine für uns völlig neue und unerwartet humorvolle Geschichte macht. Unbedingt hingehen und anschauen!

 

Niederlande 2005
81 Minuten, Farbe

Regie: Martin Koolhoven
mit: Jesse Rinsma,, Tom van Kessel, Carice van Houten, Frieda Pittoors, u. a.

empfohlen ab 8 Jahren