KONFETTIERNTE

© Mountain Road Entertainment

KONFETTIERNTE
(DORSVLOER VOL CONFETTI)

UNICEF-Preis, Internationales Kinderfilmfestival 2015

Katelijne wächst in den achtziger Jahren in einer streng protestantischen Bauerngemeinschaft auf. Als einzigem Mädchen unter sechs Brüdern wird ihren Bedürfnissen von der Familie nur wenig Beachtung geschenkt. Doch Katelijne geht mit wachen Augen durch die Welt und wünscht sich für ihr Leben mehr, als die brave Ehefrau eines frommen Bauern zu werden. Sie möchte etwas lernen. Wird Katelijne der häuslichen Enge entfliehen und ihre Eltern davon überzeugen können, dass sie ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben hat?

Die spannende Geschichte einer Jugend zwischen Weizenfeldern, Küchenarbeit und Kirchgängen, nach dem autobiografischen Roman von Franca Treur kongenial verfilmt.

Bester europäischer Film Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Zlin

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat uns sehr beschäftigt, weil die Geschichte eine für uns fremde Welt zeigt. Die strengen Regeln dieser religiösen Gemeinschaft und der hartherzige Erziehungsstil waren für uns bedrückend. Umso mehr fühlt man mit der bewundernswerten Hauptfigur Katelijne mit. Sie ist ein starkes Mädchen, das sich aus der Enge und Unterdrückung durch Kirche und Familie befreit. Absolut fantastisch gespielt von der jungen Hauptdarstellerin Hendrikje Nieuwerf!

Dem Film gelingt es perfekt, Katelijnes Entwicklungsprozess nachvollziehbar zu machen. Als einzige Schwester unter sechs Brüdern ist sie nicht zimperlich, packt überall mit an und will sich das Lob Eltern verdienen. Was hart erkämpft sein will. Nach dem Missgeschick mit den entlaufenen Kühen schuftet sie strafweise schwer in der Küche und putzt alles blitzblank. Aber Katelijne hat auch ihre eigenen Interessen, ist lebenslustig und neugierig auf die Welt. Sie ist auch sehr fantasiebegabt und liest gerne, besonders Märchen, die von der Familie als verwerfliche, heidnische Geschichten abgetan werden. Katelijnes Mutter ist total verschlossen und noch strenger als der Vater. Dagegen ist der Großvater eine der wenigen positiven und sympathischen Figuren. Bei ihm kann man vermuten, dass er es mit der Frömmigkeit nicht so genau nimmt wie die anderen Familienmitglieder. Als er auf tragische Weise bei dem Jauchegruben-Unfall ums Leben kommt, ist Katelijne mit schweren Schuldgefühlen beladen und völlig damit allein gelassen. Sie kennt aus der Kirche nur das Sündenregister und einen strafenden Gott. Bewundernswert, dass sie in dieser Situation nicht resigniert, sondern erkennt, dass sie ihren eigenen Weg finden muss. Dabei hilft ihr auch der Ausflug zur Tante in die Stadt. Die Szene, in der sie das Kleid der Tante probiert und von der Nachbarin hübsch geschminkt wird, war toll! Hier durfte sie sich als Mädchen schön fühlen! Einige Dinge in der Geschichte sind für uns ein wenig unverständlich gewesen. Was die geheimnisvolle, schwarz gekleidete alte Frau im Wald zu bedeuten hatte, oder warum das Mädchen Jannemieke in der Familie aufgenommen wird. Manchmal war es auch ein wenig schwierig, die Figuren auseinander zu halten (die älteren Brüder).

Beeindruckend fanden wir die Kamera, die schönen Bilder von den Getreidefeldern, wo man auch Naturverbundenheit und Freiheit (Szene mit dem Bruder "Kanada") spüren kann. Viele Szenen sprechen oft nur durch die Bilder (das Um-die-Wette-Beten von Katelijne und Jannemieke, Kaugummi in die Haare kleben). Die Zeitlupe wird mehrfach sehr effektvoll eingesetzt (das Karussell-Fahren, der Konfettiregen in der Hochzeits-Scheune). Und auch Katelijnes endgültiges Heraustreten aus der Familie wird eindrucksvoll auf der Bildebene gezeigt. Kurz vor der Hochzeit schneidet sie sich die Haare und zieht ihre schicken weißen Stiefel an.

Am Beispiel von Katelijnes Weg setzt sich dieser Film beeindruckend für grundlegende Kinderrechte, wie das Recht auf gewaltfreie Erziehung, und das Recht auf Selbstbestimmung ein. Am Ende hat es Katelijne geschafft, sie darf an eine höhere Schule in die Stadt. Und zum Abschied schenkt ihr die Mutter sogar noch ein kurzes Lächeln.

 

Niederlande/Belgien 2014
100 Minuten, Farbe

Regie: Tallulah Hazekamp Schwab
mit: Hendrikje Nieuwerf, Suzan Boogegaerdt, Steven van Watermeulen u. a.

12 +

Tallulah Hazekamp Schwab
Tallulah Hazekamp Schwab