LIEBE UND TANZ

© Internationales Kinderfilmfestival

LIEBE UND TANZ
(SIPUR HATZI RUSSI)

Preis der Kinderjury, Internationales Kinderfilmfestival 2006

Als Sohn einer russischen Mutter und eines israelischen Vaters wird Hen immer wieder in deren Konflikte hineingezogen und von beiden Elternteilen als Vertrauensperson missbraucht. Eines Tages lernt Hen die exhibitionistische Natalie kennen und ist sofort von ihr fasziniert. Um ihr näher zu kommen, nimmt er Tanzstunden in der gleichen Klasse wie sie. Aber er wird Sharon als Partner zugeteilt. Durch das anstrengende Üben mit ihr und die feinfühlige russische Tanzlehrerin lernt Hen, Schein von Sein zu unterscheiden, sich von den Problemen seiner Eltern zu distanzieren und Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen.

Ein vielschichtiger Film über das Erwachsenwerden, kulturelle Probleme von Immigranten und die Kunst des Tanzens und seine heilende Wirkung für die Seele.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat ungeteilte Zustimmung bei uns gefunden. Obwohl der Titel LIEBE UND TANZ – wie die Jungs unter den JurorInnen meinten – ihn gleich als Mädchenfilm abstempeln und dadurch viele Burschen vom Besuch abhalten würde.

Begeisterung haben vor allem die Tanzszenen hervorgerufen, die so gut ins Bild gesetzt sind, dass die Freude am Tanzen gleichsam aufs Publikum überspringt. Filmische Höhepunkte sind besonders das Tanzen-Üben, das Hen und Sharon auf dem Flachdach der kahlen Wohnsiedlung zeigt, und auch jene Sequenzen, in denen die Kamera die Drehbewegung des Tanzens übernimmt. Klar, dass die Musik dabei auch eine große Rolle spielt und, wie wir finden, perfekt dazugepasst hat.

Interessant und spannend waren für uns sowohl die Geschichte als auch die Figuren, weil man den ganzen Film über dran bleibt. Es werden in diesem Film viele verschiedene Geschichten erzählt und viele Probleme angerissen. Hens Eltern streiten viel und seine Schwierigkeiten, sich zwischen Vater und Mutter, zwischen israelischer und russischer Kultur entscheiden zu müssen, sind für uns sehr nachvollziehbar geworden. Das Mädchen Sharon ist für uns die positivste Figur. Sie ist nicht gekränkt, weil Hen ständig Natalie hinterherläuft, sondern hält zu ihm. Natalie dagegen ist ein wenig komisch mit ihrem Schönheitstick. Sie wirkt sehr depressiv und ist nicht in der Lage, sich gegen die Abwertungen durch ihren Tanzpartner Arthur zu wehren. Immer braucht sie ein Spiegel- oder ein Kamera-Bild von sich, um sich wahrnehmen zu können. Überhaupt wird der Blick durch die Kamera in diesem Film zum Thema – Hens Vater verdient sein Geld als Hochzeitsfotograf und Hen selbst ist ständig mit seiner Digicam unterwegs. Yulia und Roman, das russische Tanzlehrerpaar, haben Beziehungsprobleme. Roman ist ein unsympathischer Macho, der Julia mit anderen Frauen hintergeht. Sie lässt sich das lange gefallen, bis sie sich zum Schluss gegen ihn und für das Tanzen entscheidet.

Hier wird den ZuschauerInnen keine heile Welt vorgegaukelt, sondern das Schicksal von Kindern mit all den Belastungen einer schwierigen Realität gezeigt. Deshalb konnten wir uns die Geschichte sehr gut hineinversetzen und der „Mitlebungsfaktor“ ist bei diesem Film ziemlich hoch.

Einiges an diesem Film ist für uns offen geblieben, so auch die Frage, wie die Geschichte von Hen und allen anderen weitergeht. Werden sich seine Eltern wieder versöhnen? Wird er sich für Sharon oder Natalie entscheiden? Was wird aus Yulia und Roman? LIEBE UND TANZ, ein Film zum weiterdenken.

 

Israel 2006
85 Minuten, Farbe

Regie: Eitan Anner
mit: Evgenya Dodina, Avi Kushnir, Oksana Korostyshevskaya, Kirill Safonov, u. a.

empfohlen ab 12 Jahren