DAS LIED DES MEERES

© WestEnd Films

DAS LIED DES MEERES
(SONG OF THE SEA)

Preis der Kinderjury, Internationales Kinderfilmfestival 2016

Seit Bens Mutter kurz nach der Geburt seiner Schwester verschwunden ist, lebt er mit seinem Vater und Saoirse in einem Leuchtturm auf einer kleinen Insel. Eines Nachts entdeckt Ben, dass Saoirse ein Selkie ist, ein Feenwesen des Meeres. Saoirse hat die Kraft in sich, einen alten Fluch aufzuheben, den die Hexe Macha über die magischen Wesen verhängt hat. Die Geschwister brechen zu einer abenteuerlichen Mission auf. Als Saoirse von den Eulen Machas entführt wird, muss Ben allein den gefährlichen Mächten gegenüber treten.

Der keltische Mythos von der Verbannung aus Tír na nÓg, der Anderswelt, unter der Regie von Tomm Moore wunderschön animiert und in eine kindgerechte Geschichte gekleidet.

Bester Film und bestes Drehbuch, 12. Irische Film- und Fernsehpreise

 

Kritik der Kinderjury

Mit diesem Film konnten wir tief in die irische Mythologie eintauchen und gleichzeitig bekamen wir ein gutes Gefühl für das Land Irland. Die originelle Geschichte ist eine Mischung aus realen (Auto, Stadt, Halloween usw.) und magischen (Selkie, Lichter, Feen usw.) Elementen. Der Film ist atemberaubend schön gezeichnet, und die Titelmelodie ist uns nach dem Film noch lange im Ohr geblieben.

Ben erlebt mit Saoirse eine typische Geschwister-Geschichte. Zuerst freut er sich auf das Baby, aber dann nervt ihn seine Schwester. Außerdem gibt er ihr unbewusst die Schuld daran, dass seine Mutter Bronach nicht mehr da ist. Zum Glück kommt er gerade noch rechtzeitig drauf, dass er eigentlich ein besserer großer Bruder sein sollte. An der Geschichte mochten wir sehr, dass einige Figuren gespiegelt werden (Vater Conor und der Riese Mac Lir, Oma und Macha, Kapitän und Seanachai) und dass jede Figur eigentlich ein gutes Herz hat. Selbst die Eulenhexe Macha, die ihre Gefühle in Schraubgläsern verschlossen hat, ist eher traurig als böse. Die Idee, dass Seanachai in jedem einzelnen seiner langen Barthaare Erinnerungen und Geschichten aufbewahrt, und dass Ben schließlich sogar einem dieser Haare ins Freie folgt, finden wir auch großartig. Am Ende ist es einerseits herzzerreißend, dass die Mutter weggeht und Saoirses Selkie-Mantel mitnimmt (und damit Saoirse vom Selkie zum Menschenkind macht), aber andererseits ist es auch gut, dass dadurch die restliche Familie zusammenbleiben kann.

Der Stil der Animation ist sehr einfallsreich und detailliert, so hat z.B. jedes einzelne magische Licht ein anderes Muster. Ganz besonders gefallen haben uns das Meer und der Wald (samt Steinen) sowie die Feen bzw. Geister und die Tiere (Robben, Hund). Wir haben gut verstanden, wie viel Kraft in den Elementen steckt (z.B. im Wasser). Als Saoirse sich in die herzige kleine weiße Robbe verwandelt, ist sie unter den anderen Robben immer sehr gut zu erkennen. Die Hintergründe wirken wie gemalt. Ganz erstaunlich finden wir auch den Umgang mit Licht und Schatten. Häufig werden ganz bestimmte Bildausschnitte ausgeleuchtet und so betont (z.B. Leuchtturm, Rohr). Es gibt auch viele Spiegelungen (z.B. Auto-Fenster) und alle Figuren haben ihren Schatten, der oft wichtig ist. Durch die Gesichtsausdrücke, die meist ohne Dialoge für sich gesprochen haben, konnten wir die Emotionen sehr gut ablesen. Toll umgesetzt sind die Tränen, die Ben zuerst langsam aus den Augen und dann seitlich über die Wangen kullern. Einige Bildausschnitte sind sehr schön gemacht, etwa als Ben einschläft und durch seine zufallenden Augenlider gerade noch seine Mutter sieht, die sich vor Schmerzen krümmt. Manchmal gibt es fließende Bildübergänge ins Schwarze und wieder zurück, die uns gut gefallen haben.

Der Spannungsbogen hält über die ganze Geschichte, und es gibt immer wieder spannende Szenen (z.B. mit den Eulen). Die Musik verstärkt manchmal die Spannung, manchmal ist sie aber auch sehr fröhlich und typisch irisch. Das Lied der Muschel ist ein Ohrwurm, und das Singen der irischen Lieder (Mutter, Ben, Saoirse) mochten wir sehr.

Den Film zu machen muss sehr viel Arbeit gewesen sein, und das hat sich wirklich gelohnt! Bei dieser wirklich genial ausgedachten, wunderschön gezeichneten Geschichte war uns nicht eine Sekunde langweilig und wir können euch nur empfehlen, ihn euch spätestens dann anzusehen, wenn er zu Weihnachten in die Kinos kommt!

 

Irland/Frankreich 2014
90 Minuten, Farbe

Regie: Tomm Moore
Animationsfilm

8 +

Tomm Moore
Tomm Moore