DER LIVERPOOL-GOALIE  © Drei-Freunde Filmverleih

© Drei-Freunde Filmverleih

DER LIVERPOOL-GOALIE
(KEEPER'N TIL LIVERPOOL)

Jo ist ein As in Mathematik, aber Sport ist nicht so seine Sache. Das Leben ist ja mehr als gefährlich, und beim Fußball hat es schon öfter Tote gegeben. Auch sonst besitzt Jo eine blühende Fantasie und lässt sich deshalb von seinem Mitschüler Tom Erik erpressen, für ihn die Hausaufgaben zu machen. Er bekommt dafür Sammelkarten von Fußballern – aber nie ist der Liverpool-Goalie dabei, nach dem alle in seiner Klasse lechzen. Eines Tages kommt Mari als neue Mitschülerin in Jos Klasse. Mari ist gut in Mathematik und in Fußball, und sie weiß ganz genau, was sie will. Mit Maris Auftauchen ändert sich einfach alles.

In einem klugen Spiel zwischen Vorstellung und Wirklichkeit und mit viel Humor werden in diesem Film die Nöte eines 13-jährigen gekonnt in Szene gesetzt und (bis auf weiteres) gelöst.

 

Kritik der Kinderjury

Mobbing-Erfahrungen gehören für viele Kinder zum Schul-Alltag. Umso wichtiger ist es, dass Kinderfilme sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Dieser norwegische Film tut das lebensnah und mit einer großen Portion Selbstironie. Auf diese Weise fällt es leichter, die schrecklichen und Angst machenden Situationen im Film auszuhalten.

Die Hauptfigur Jo ist ein besonders sympathischer Held und eine starke Identifikationsfigur. Der Darsteller von Jo passt einfach perfekt für diese Rolle, weil er total unauffällig und „normal“ aussieht. Er ist ziemlich intelligent, aber ein wenig schüchtern. Kein Wunder, weil ihn seine überbesorgte Mutter ständig mit ihren Befürchtungen belagert. Als „Ich-Erzähler“ berichtet er uns seine Geschichte. Jos rege Fantasie äußert sich in vielen Tagträumen, die als filmisches Mittel perfekt eingesetzt sind und uns den gesamten Film hindurch begleiten.

Es beginnt schon am Anfang mit der witzigen Sequenz über die Gefahren, die überall im Alltag lauern. Auf diesem Weg erfahren wir, dass es gefährlich sein kann, eine Abkürzung zu nehmen, neue Freunde zu finden und dass „auf Fußballfeldern schon Menschen gestorben sind“. Mit abwechslungsreichen Perspektiven, Zeitlupe und lustiger Musik werden seine Ängste oft wie in einem Comic sehr übertrieben und mit viel Slapstick dargestellt. Ein echter Höhepunkt an Slapstick ist die Stuntszene, wie Jo bei dem Einbruch in Tom Eriks Haus vom Dachfenster in den Garten fällt und dabei einen Hund unter dem Gartentisch begräbt.

In diesem Film laufen mehrere Geschichten parallel. Es geht um Mobbing und Freundschaft, um Jos Mutter-Sohn-Beziehung, Selbstbehauptung und auch um die erste Liebe. Als Mari neu in die Klasse kommt, nimmt Jo kaum Notiz von ihr. Er wird erst aufmerksam auf sie, als er checkt, dass sie wie er ein Mathe-Freak ist und im Unterricht eine Gleichung erklärt. Diese Szene kommt durch den geschickten Schnitt sehr gut rüber. Als wäre die Realität ausgeblendet, sitzen Jo und Mari für einen Moment alleine miteinander im Klassenzimmer, während ihm in Zeitlupe der Bleistift aus der Hand fällt. Ein toller Regie-Einfall, um Jos Verliebtheit bildhaft umzusetzen, war die Sache mit dem Computer-Bildschirm: Jo speichert Maris Bild als Bildschirmhintergrund und entscheidet sich statt für „Was ich in den Ferien gemacht habe“ für „Über Gefühle“ als Aufsatz-Thema. Mari ist im Übrigen eine tolle Mädchenfigur, sie ist selbstbewusst und einfühlsam und lässt sich nichts gefallen.

Ein schönes Symbol in dem Film, das schon am Anfang gesetzt wird, und später eine wichtige Bedeutung bekommt, sind die Fingerhanteln, mit denen Jo immer fleißig trainiert. Mit einem starken Händedruck zwingt Jo seinen Unterdrücker schließlich in die Knie und hat ab da die Situation im Griff. Na ja, wir hätten nur allzu gern gewusst, ob Jo als Tormann den Ball auch wirklich gefangen hat.

 

Norwegen 2010
90 Minuten, Farbe

Regie: Arild Andresen
mit: Ask van der Hagen, Susanne Boucher, Andrine Sæther, u. a.

empfohlen empfohlen von 9 bis 14 Jahren

Arild Andresen
Arild Andresen