LOLA AUF DER ERBSE

© Einhorn Filmverleih

LOLA AUF DER ERBSE

Publikumspreis, Internationales Kinderfilmfestival 2014

Lola leidet darunter, dass ihr Vater die Familie verlassen hat und verkraftet es deshalb kaum, dass ihre Mutter einen neuen Freund hat. Auch sonst tut sie sich in ihrer unkonventionellen Art in der kleinen konservativen Gemeinde schwer. Die Dinge bessern sich, als sie sich mit dem neuen Mitschüler Rebin anfreundet. Aber auch der hat es nicht leicht. Seine kurdische Familie lebt illegal in Deutschland und ist von Abschiebung bedroht. Da wird Rebins Mutter krank und braucht dringend einen Arzt. Wird Lola ihrem neuen Freund helfen können?

Trotz der ernsten Untertöne des Films ist LOLA AUF DER ERBSE als Komödie inszeniert. Zwischendurch spricht uns Lola immer wieder direkt an und kommentiert die Ereignisse aus ihrer Perspektive.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser fröhliche Film ist etwas ganz Besonderes. Er schafft es, mit viel Spaß und Spannung ein ernstes und schwieriges Thema unserer Gesellschaft (illegale Flüchtlinge) für Kinder verständlich aufzubereiten. Wir sehen, dass die kurdische Familie im wahrsten Sinne des Wortes im "Untergrund" leben muss. In einer versteckten, heruntergekommenen Kellerwohnung wohnen sie auf engstem Raum zusammen. Tahib, Rêbîns Vater ist ständig gestresst, weil er Angst hat, dass sie entdeckt und bei der Polizei angezeigt werden. Deshalb ist man ihm auch nicht böse, wenn er manchmal wütend herumschreit. Denn er ist auch ein liebevoller Vater. Das zeigen viele kleine Szenen. Zum Beispiel, als ein Streit zwischen Rêbîn und seinem Vater über die Formulierung "zu Hause" oder "nach Hause" in einer lustigen Rangelei endet.

Toll, wie der Film viele verschiedene Geschichten mit einander verwebt und in eine spannende Handlung packt! Da ist einmal Lola, die große Probleme damit hat, dass der Vater die Familie verlassen hat. Den neuen Freund der Mutter lehnt sie anfangs trotzig ab. Dann gibt es die lustige Geschichte von dem dicken Angeber Barkelt, der sich als Präsident der "Gesellschaft der Wassersportfreunde" wichtig macht, ständig begleitet von dem tollpatschigen Dorfpolizisten Strube. Und es gibt einige sehr witzige und markante Nebenfiguren wie "Käpt'n" Solms, der den ganzen Film lang versucht, seine Seemannsgarn-Geschichte von der Schiffsladung mit Rasenmähern zu erzählen. Eine ähnlich sympathische und lustige Figur ist auch Lolas Klassenlehrerin. Die resolute alte Dame hört beim Hefte-Verbessern gern Opernmusik (sehr gelungene Tongestaltung!) und hat ihr Herz am rechten Fleck, wenn es darum geht, Rêbîns Familie zu helfen.

Besonders gefallen haben uns auch die einfallsreichen Gestaltungsmittel im Film. Zum Beispiel spricht Lola in einigen Szenen direkt in die Kamera, also zum Publikum. Auf Lolas Nachtkästchen steht ein Bilderrahmen mit einem Foto ihres Vaters. Beim Einschlafen wird das Foto lebendig und Lolas Vater singt ihr ein Gute-Nacht-Lied vor. Diese fantasievollen Elemente geben einen sehr anschaulichen und gefühlvollen Einblick in Lolas Gedanken und Empfinden. Ein schönes Beispiel ist auch die Szene, wie Lola bei der kurdischen Hochzeit beim Tanzen von den Klängen der Musik richtig "abhebt". Schnitt und Kamera halten die vielen verschiedenen Geschichten perfekt zusammen und es gibt viele tolle Bildübergänge (Sprung von der Schaukel, Türe knallen – Schwimmbad).Besonders hervorhebenswert sind auch der Einsatz von Musik und Ton. Die schwungvolle Titelmelodie und die orientalischen Motive sind sehr einfühlsam ausgewählt.

Ein absolut empfehlenswerter Kinderfilm, der klar für benachteiligte Menschen Partei ergreift!

 

Deutschland 2014
90 Minuten, Farbe

Regie: Thomas Heinemann
mit: Tabea Hanstein, Christiane Paul, Tobias Oertel u. a.

8 +

Thomas Heinemann
Thomas Heinemann