Magique!

© Wild Bunch

MAGIQUE!

Preis der Kinderjury (Lobende Erwähnung), Internationales Kinderfilmfestival 2008

Tommys Mutter hat es nicht leicht. Allein bewirtschaftet die junge Frau eine einsame Bienenfarm in Kanada. Sie arbeitet zu viel und macht sich Sorgen um die Zukunft. Es fällt ihr mitunter schwer, dem Jungen geduldig zuzuhören Ein Lachen seiner Mutter ist für Tommy etwas Außergewöhnliches. Da kommt ihm der Zirkus, der durch die Stadt zieht, gerade Recht. Tommy überredet seine Mutter, den Zirkusleuten ein Feld vor dem Haus zu überlassen. Ab diesem Zeitpunkt taucht er ein in eine Welt der Magie und Wunder, die nach und nach auf seine Mutter abfärbt. Und im Clown Baptiste findet nicht nur er einen Freund, auf den man sich verlassen kann.

Philippe Muyl hat sich an ein heutzutage seltenes Genre gewagt und seine Geschichte in ein Musical verpackt. Wie bei seinem letzten Film "Der Schmetterling" (Festival 2004) entstand dabei magische Unterhaltung für die ganze Familie.

 

Kritik der Kinderjury

Eine Geschichte so zu erzählen, wie es Regisseur Philippe Muyl in seinem Film gelingt, ist originell und kreativ. MAGIQUE! hat nichts mit Musicalfilmen, so wie wir sie kennen, zu tun, sondern ist im Stil ganz anders und neu. Die Lieder stellen als wichtiges Gestaltungsmittel dar, was die Personen fühlen, sie erzählen von ihren Gedanken und Wünschen. Die Texte sind sehr poetisch und musikalisch und gesanglich toll umgesetzt. Die Geschichte wird nie langweilig, obwohl es keine besonders dramatische Handlung gibt. Vielmehr lebt der Film von der Magie des Augenblicks, den kleinen Ereignissen, die einerseits die Zirkusleute mit ihren Darbietungen bescheren, aber auch vom Alltag in der wunderschönen Natur, in der sich Tommys Leben abspielt. Durch diese Form ist der Film sehr gut verständlich und, wie wir glauben, auch jüngeren Kindern zugänglich. Es gibt so viele schöne und lustige Szenen, z.B. die mit dem Hund Mr. Einstein, der mit Clown Auguste eine Rap-Nummer aufführt und seinen Eigensinn beweist, als er sich weigert, Saltos zu machen. Auch das Seifenblasen-Lied der Fellini-Schwestern war in Bild und Ton wunderschön. Großartig auch der Magier, der Tommy in seinen Zirkus-Wagen einlädt und mit einer Wundermaschine das Wetter in all seinen Launen herbeizaubert, und die verrückten Bilder von dessen „zerteilter“ Frau, die sich ihre Körperteile erst wieder zusammensuchen muss.

Viele Dinge tragen zum Gelingen dieser bezaubernden Atmosphäre bei: Eine großartige Ausstattung, fantastische Kostüme und die Arbeit der Maskenbildner. Auffallend gut fanden wir auch die Auswahl der SchauspielerInnen und ArtistInnen, die ihre Rollen hervorragend gespielt haben. Allen voran der Darsteller von Tommy. Aber auch Schnitt und Kamera, der Einsatz von Zeitlupe und Musik (z.B. die Szene mit der Zirkusreiterin) haben großen Anteil an der unvergleichlichen Stimmung dieses Films. Ein Highlight sind auch die Abschiedsständchen, die die ArtistInnen in Form von „sprechenden Bildern“ für Tommy singen.

Wir haben gleich gewusst, dass Tommys Mutter und der Clown Baptiste sich verlieben werden (wir mochten besonders die Szene, als Baptiste sich als Imker versucht und über die Bienenstöcke stolpert). Ob sie dann tatsächlich zusammen bleiben, war für einige unklar. Andererseits fanden wir das aber auch realistisch, denn es lässt den ZuschauerInnen die Freiheit, die Geschichte weiter zu denken und man würde sich geradezu eine Fortsetzung wünschen.

Sehr schön fanden wir auch die Beziehung zwischen Tommy und seiner Mutter dargestellt. Er macht sich viele Gedanken über sie; es ist eine stille Freundschaft, die sie miteinander verbindet. Auch sein Fantasiebild vom Vater, den er sich als Astronauten vorstellt, ist sehr gut nachvollziehbar, wie auch seine große Enttäuschung, als es zerstört wird.

Bemerkenswert ist, wie der Film von der Liebe und von verschiedenen Paaren erzählt. Diese beschließen den Film auch mit einer nächtlichen Tanzszene, die schwebend wie ein Traum mit der wunderschönen Filmmusik ausklingt - magisch für Kinder und Erwachsene!

 

Preisbegründung der Kinderjury

Wir fanden es wirklich magisch, wie der Film von Liebe und Glück erzählt. Mit Hilfe der großartigen Ausstattung, der fantastischen Kostüme und der fantasievollen Maske gelingt es, eine ganz bezaubernde Atmosphäre entstehen zu lassen. Alle, vor allem der Darsteller von Tommy, haben hervorragend gespielt. Die schöne Musik, die poetischen Liedtexte und die märchenhaften Zirkusnummern fügen sich zu einem Musical-Film der besondern Art zusammen.

 

Gedanken zum Film von Daniela Neichl

Noch lieber schaue ich eher lustige, dramatische Filme an, so wie MAGIQUE!, der vor kurzem beim Kinderfilmfestival gezeigt wurde. Ich war mir nie sicher ob ich Tränen lachte oder weinte, diese zwei Gefühle lagen immer sehr knapp beieinander, zumindest ging es mir so. Solche Filme erzeugen bei mir einfach am meisten Emotionen, Filme, die einerseits die Realität darstellen, die meist nicht sehr positiv ist, und gleichzeitig aber auch zeigen, wie man die negativen Aspekte des Lebens ins Positive umwandeln kann.

Ich finde, das sollte auch die Aufgabe eines/r FilmemacherIn sein – Probleme aufzudecken und Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Würden alle KünstlerInnen alle einflussreichen Medien dazu nutzen, das Leben der Menschen zu verändern, könnten sie das auch, und ich glaube, dass das doch jede/r KünstlerIn will, das Leben zum Positivem zu gestalten.

Daniela Neichl ist Studentin der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien

 

Frankreich/Kanada 2008
91 Minuten, Farbe

Regie: Philippe Muyl
mit: Louis Dussol, Marie Gillain, Cali, Antoine Duléry u. a.

empfohlen für
alle ab 8 Jahren