Mein Freund Knerten © Einhorn Film

© Einhorn Film

MEIN FREUND KNERTEN
(KNERTEN)

Lillebror ist mit seinen Eltern und seinem großen Bruder in ein abgelegenes Haus auf dem Land gezogen, wo es schwer ist, neue Freunde zu finden. Eines Tages entdeckt er Knerten, einen eigentümlich menschlich geformten Zweig, der sein bester Freund wird. Da der Vater beruflich viel unterwegs ist und die Mutter im Laden des Dorfes eine Anstellung findet, ist Lillebror viel auf sich allein gestellt. Mit Knerten im Schlepptau entdeckt er das Landleben mit all seinen Eigenheiten und Abenteuern. Und ganz nebenbei verhilft er dem Vater zum Durchbruch als Unterwäscheverkäufer und rettet so die Familie vor dem drohenden Ruin.

MEIN FREUND KNERTEN ist die bunte Verfilmung des Kinderbuches von Anne-Catherine Vestly und erzählt fantasievoll und mit viel Liebe zum Detail über eine Kindheit im Norwegen der 1960er-Jahre.

 

Kritik der Kinderjury

"Gibt es hier keine Kinder zum Spielen?" fragt Lillebror nachdem er mit seiner Familie in ein baufälliges altes Häuschen auf dem Lande umgezogen ist. Keiner hat wirklich Zeit für ihn. Doch dank seiner blühenden Fantasie ist Lillebror nie wirklich einsam. Wir konnten uns in seine Situation sehr gut hinein versetzen, denn die Geschichte wird aus Lillebrors Perspektive erzählt, wofür die Regie schöne Bilder gefunden hat. Zum Beispiel, als Lillbror durch das Loch im kaputten Holzfußboden ein Stockwerk tiefer ins Wohnzimmer schaut.

Lillebors Fantasie-Freund Knerten ist von Design und Animation her sehr nett gestaltet, eine liebenswerte Figur, die besonders die jüngeren ZuschauerInnen begeistern wird. Die Geschichte ist einfach und überschaubar, und die Figuren sind leicht auseinander zu halten. Flotte Musik und die Musical-artigen Lieder machen den Film sehr unterhaltsam.

Die schauspielerische Leistung des Jungen, der Lillebror spielt, ist sehr überzeugend. Mit ihm kann man sich als ZuschauerIn gut identifizieren. Wenn er sich zum Beispiel Sorgen macht, sein Freund Knerten würde im Kamin verbrannt. Besonders lustig fanden wir die Flaschenpfand-Aktion, mit der er das Familieneinkommen aufbessern hilft oder seine Aussage "Ist nix passiert", wenn ihm ein Missgeschick passiert.

So wie die Geschichte erzählt wird, ist klar, dass in diesem Film alles ein wenig überzeichnet und unrealistisch ist. Zum Beispiel, wenn ein kleiner Junge wie Lillebror die ganze Familie vor der Pleite rettet, weil er "zufällig" einer berühmten Schauspielerin Papas Ladenhüter, die grellbunten Strumpfhosen verkauft, die plötzlich zum Modehit werden.

Die Traumsequenzen im Film waren sehr schön umgesetzt. Mit fließenden, welligen Bildübergängen war klar erkennbar, dass es sich um einen Traum handelt. Ein wenig gruselig wirkte allerdings der Fiebertraum, der durch ein spezielles Licht und entsprechende Filmmusik und für die jüngeren ZuschauerInnen vielleicht zu aufregend ist.

Schön fanden wir, wie die Familie zusammenhält und Lillebror und sein Vater einander in schwierigen Situationen ermuntern, niemals aufzugeben. Auch Lillebrors Mutter und sein großer Bruder sind sehr positive Figuren. Und Personen, die anfänglich etwas unfreundlich scheinen, wie der Schreiner und der Ladenbesitzer, werden im Laufe des Films Lillebrors Freunde. Außerdem ist es sehr erfreulich, dass er am Ende seine Freundin, die Prinzessin wieder findet, wobei nicht ganz klar war, ob das Mädchen, dass er ganz am Anfang des Films im Wald gesehen hatte, die Prinzessin ist, die dann seine Spielgefährtin wird. Aber vielleicht muss man das ja gar nicht so genau wissen, denn was Lillebors Fantasie und was wirklich real ist, bleibt oft ein wenig offen.

An den Autos, der Mode und Möbeln konnten wir leicht erkennen, dass die Geschichte in einer vergangenen Zeit spielt. Da gab es viele Details zu entdecken. Lustig fanden wir das Geschenk, dass der Ladenbesitzer für Lillebror aus Spanien mitgebracht hatte. Den "Zigaretten-Esel", der zeigt, "dass Rauchen Kacke ist."

MEIN FREUND KNERTEN ist ein Film für die ganze Familie, ein Film, in dem man auch den norwegischen Winter und norwegische Weihnachtsbräuche kennen lernt.

 

Norwegen 2009
75 Minuten, Farbe

Regie: Åsleik Engmark
mit: Adrian Grønnevik Smith, Pernille Sørensen, u. a.

empfohlen ab 6 Jahren

Åsleik Engmark
Åsleik Engmark