MEIN GROSSVATER DER BANKRÄUBER © Delphis Films

© Delphis Films

MEIN GROSSVATER DER BANKRÄUBER
(MIJN OPA DE BANKROVER)

UNICEF-Preis Internationales Kinderfilmfestival 2011

"Du hättest es sehen sollen, Papa Beau, wie Opa die Bank ausraubte. Mit seinem netten alten Gesicht und in den neuen Turnschuhen. Er trug keine Gesichtsmaske, und ich glaube, es war das erste Mal seit zwei Monaten, dass er nicht an Oma dachte." Seit dem Tod seiner Frau ist Graces Großvater zunehmend desorientiert, und als seine Kinder sein Konto sperren, greifen er und seine Enkelin zu drastischen Maßnahmen, um an das Geld zu kommen. Grace möchte herausfinden, wer ihr Vater war, aber das ist ein Tabu-Thema in der Familie. Ihr Großvater ist der Einzige, der sie unterstützt. Und die Reise nach Surinam zu Graces Wurzeln kostet Geld.

Eine herrliche Komödie, die ernste Themen leichtfüßig aufgreift und sie dann punktgenau behandelt – und ein Plädoyer für den Zusammenhalt zwischen Alt und Jung.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser niederländische Film hat uns besonders gut gefallen, weil er so humorvoll und unbefangen mit schwierigen und auch traurigen Themen umgeht. Einerseits sind der Bankraub und viele Ereignisse im Lauf der Handlung total schräg und überzeichnet dargestellt. Doch auf der anderen Seite erlebt man die Gefühle der Hauptfiguren sehr realistisch und nachvollziehbar. Das liegt unserer Meinung nach sowohl an der ausgezeichneten Regie als auch an der tollen schauspielerischen Leistung der HauptdarstellerInnen.

Die Familie ist eines der großen Themen in diesem Film. Das kommt schon durch die Anordnung der Schauplätze so heraus. Die Großfamilie De Haan besitzt in einem Straßenviertel eine Konditorei, einen Gemüseladen und ein Gasthaus. Es gibt viele Kinder in der Familie. Grace muss oft auf ihre jüngeren Geschwister, aber auch kleine Cousins und Cousinen aufpassen. Und die Kleinen sind immer auf Opas Seite. Während die Erwachsenen keine Geduld mehr für den zerstreuten Alten aufbringen und ihn ins Altersheim abschieben wollen, organisiert Grace mit allen Enkelkindern einen Putztrupp, der Opas Wohnung aufräumt. Diese Szene fanden wir sehr unterhaltsam, denn die Aufräum-Aktion spielt sich wie in einem Musical mit viel Action und Gesang ab. Noch besser kommt es, als die Kleinen Grace eine Fluchtmöglichkeit verschaffen, indem sie absichtlich in die Hose pinkeln, um die Eltern abzulenken. Sehr lustig fanden wir auch die „Nachtclub-Szene“, als die Kleinen auf den Stangen-TänzerInnen reiten. Viel zum Lachen gibt es nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit den Alten. So zum Beispiel, als Opa die alten Damen im Altersheim zu einem „Rollator-Rennen“ anstiftet. Kamera und Schnitt arbeiten bei all diesen Szenen, so auch bei der wilden Autofahrt mit dem Straßenkreuzer, perfekt und temporeich zusammen.

Ziemlich genial fanden wir es, dass der Bankraub filmisch gleich mehrfach (insgesamt 4x) eingebaut ist und die Geschichte jedes Mal aus einer anderen Sicht erzählt und schließlich wie bei einem Krimi in Rückblenden aufgeklärt wird.

Ein wichtiger Teil der Handlung ist auch die Geschichte von Grace, die wissen möchte, wer ihr Vater war. Wie bei dem Bankraub erfährt man als Zuschauer nach und nach, warum ihre Mutter so lange über den tragischen Unfall geschwiegen hat. Grace „inneres Bild“, ihre Vorstellung vom Vater, ist filmisch sehr gelungen mit Fischaugen-Optik verfremdet und auch auf der Ton-Ebene sehr sensibel umgesetzt.

Insgesamt hält der Film die Spannung von Anfang bis zum Schluss und mit dem berührenden Happy-End waren wir echt glücklich. Ein empfehlenswerter Kinderfilm, eine Familien-Komödie mit Tiefgang, spannend und lustig zugleich.

 

Niederlande 2011
90 Minuten, Farbe

Regie: Ineke Houtman
mit: Zoë van der Kust, Michiel Romejn, Loes Haverkort, u. a.

empfohlen von 9 bis 14 Jahren

Ineke Houtman
Ineke Houtman