MISTER UND PETE

© Lionsgate

MISTER UND PETE
(THE INEVITABLE DEFEAT OF MISTER & PETE)

UNICEF-Preis, Internationales Kinderfilmfestival 2014

In einem heißen Sommer in New York wird Misters Mutter von der Polizei verhaftet. Ihr Sohn bleibt mit dem Nachbarsjungen Pete allein zurück. Misters Brooklyn ist ein hartes Pflaster, geprägt von Drogensüchtigen, Dealern und Einbrechern, die auch mal Misters Nachbarwohnung ausräumen. Entgegen aller Erwartungen entwickelt Mister jedoch ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für Pete und sich selbst und lässt sich auch nicht zu unüberlegten kriminellen Handlungen verleiten, als die Situation für die beiden immer prekärer wird.

MISTER UND PETE ist ein erstaunlich positiver Film darüber, wie man in einem Milieu, das Kinder geradezu für eine Drogenkarriere prädestiniert, unbeschadet bestehen und über sich hinauswachsen kann.

Kritik der Kinderjury

Dieser Film setzt sich ganz besonders für Kinderrechte ein! Einerseits kümmert sich während der Sommermonate niemand um Mister und seinen koreanischen Freund Pete (die Väter sind abwesend und die Mütter haben ihre eigenen Probleme), und die beiden müssen sich bald ohne Essen oder Geld durch den Alltag schlagen. Andererseits wird ihnen das Leben zusätzlich von außen schwer gemacht, denn die Kriminalität in ihrem Viertel, in die sie ständig mit hineingezogen werden, setzt die beiden stark unter Druck.

Beide machen sich außerdem Gedanken darüber, ob sie ihre Mütter, die sie lieben, auch mögen müssen. Ihre Mütter lassen sie nämlich gleich in mehrfacher Hinsicht im Stich, denn sie schaffen es nicht, die Grundversorgung ihrer Kinder (Essen, Sauberkeit usw.) sicherzustellen, und auch für die Sorgen und Nöte ihrer Kinder sind sie nicht ansprechbar (z.B. für die Probleme, die Mister in der Schule hat). Mister sagt einmal sogar, dass er seine Mutter hasst und sich wünscht, sie wäre tot – und sie antwortet erschreckenderweise, dass sie sich in diesem Punkt wenigstens einmal einig sind. Das alles ist einfach nur furchtbar und sehr traurig!

Die Szenen, in denen es um den Drogenkonsum der Mütter und ihre Arbeit als Prostituierte (im Fall von Misters Mutter um die Burger zu bezahlen!) geht, fanden wir besonders schlimm. Wenn Mister und – für sein Alter – eigentlich auch Pete nicht so stark wären, würden sie das alles gar nicht verkraften. So ärgern und versöhnen sie sich, helfen sie sich gegenseitig (Mister ist verantwortungsvoll wie ein großer Bruder!) und kommen mit ihrer Situation erstaunlich gut zurecht.

Der Originaltitel THE INEVITABLE DEFEAT OF MISTER & PETE ist eigentlich besser als der deutsche Titel. Er ist insofern zutreffender, als die beiden von vornherein keine Chance haben und ihnen alles passiert, was ihnen nur passieren kann. Nicht ins Riverview-Kinderheim verfrachtet zu werden gelingt ihnen ebenso wenig wie das Casting zu gewinnen (Mister). Als Titel für den Aufsatz über die Sommerferien kommt der zu Beginn des Films nett gekritzelte Titel am Ende noch einmal vor, das war besonders gut. Wir glauben trotz allem, dass es für die beiden gut ausgehen kann, denn Misters Mutter kommt nach einer Therapie wieder zurück und Mister hat Pete versprochen, ihn aus dem Kinderheim zu holen (und Mister hält seine Versprechen!).

Handwerklich ist der Film super gemacht, es gibt viele schöne Bilder (Wolkenkratzer, Gesichtsausdrücke, maskierte Augen bzw. goldene Schuhe der beiden Diebe), der Schnitt stimmt und auch die Musik passt sehr gut! Und die beiden Buben haben toll gespielt!

In einem Kinderfilm wird ein Thema wie die Vernachlässigung von Kindern nur selten angesprochen, denn das ist auch ein Tabu-Thema, über das nicht geredet wird. Das macht diesen Film speziell, und wir finden es mutig, dass so etwas einmal angesprochen wird. Allerdings braucht es auch einen „guten Magen“, um das auszuhalten. Wir würden diesen Film daher nur älteren Kindern und Jugendlichen empfehlen. Ein sehr realistischer Film, der uns gut gezeigt hat, wie es in Misters und Petes Welt zugeht.

 

USA 2012
120 Minuten, Farbe

Regie: George Tillman
mit: Skylan Brooks, Ethan Dizon, Jennifer Hudson, Jordin Sparks, Anthony Mackie u. a.

12 +

George Tillman
George Tillman