Nenn mich einfach Axel

© Internationales Kinderfilmfestival

NENN MICH EINFACH AXEL
(KALD MIG BARE AKSEL)

Publikumspreis, Internationales Kinderfilmfestival 2003

Axel hätte eigentlich mit seinem Vater auf Urlaub fahren sollen, aber sein Vater hat es wie immer wieder einmal verbongt. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Ferien zu Hause in der dänischen Vorstadtsiedlung zu verbringen. Dort ist es öd, und Axel landet mehr zufällig als gewollt in einem Trio mit Annika und Fatima, um für den Musikwettbewerb des Jugendclubs ein Lied vorzubereiten. Axel wäre gerne so cool wie die muslimischen Jungs aus der Siedlung, die goldene Kettchen tragen und interessante Dinge auf arabisch sagen. Ob es da vielleicht hilft, wenn er zum muslimischen Glauben übertritt?

Der Gewinner des gläsernen Bären in Berlin ist eine tiefsinnige Komödie, die mit viel Humor und Wärme die Reibungspunkte zwischen verschiedenen Kulturen in den Mittelpunkt rückt.

 

Kritik der Kinderjury

NENN MICH EINFACH AXEL ist ein sehr netter und unterhaltsamer Film. Obwohl es durchaus um ernste Probleme wie Vorurteile gegen Ausländer und eine schwierige Vaterbeziehung geht, hat uns die Geschichte nicht so berührt, weil zum Beispiel ernste Szenen immer durch eine nachfolgende lustige aufgelockert werden. Der Film lässt sich nicht so tief auf die Gefühlsebene ein, sonder erzählt sehr einfach und humorvoll vom ganz normalen Alltag von drei Großstadtkindern.

Die Hauptfiguren sind sehr typisch, für uns ein bisschen zu klischeehaft und übertrieben. Annika ist ein behütetes Einzelkind, ganz auf Mädchen gestylt, trägt meistens rosa Sachen. Fatima lebt in einer muslimischen Großfamilie, so wie man sie sich vorstellt: immer gibt es viel Besuch von Verwandten, die Eltern sind einerseits sehr streng, aber auch sehr liebevoll mit den Kindern. Fatima hat als Mädchen weniger Rechte als ihre Brüder. Axel wirkt im Vergleich zu den Mädchen realistischer, ein wenig einsam und schüchtern, so dass man sich gut vorstellen kann, warum er gerne cool sein möchte. Seine Bewunderung für die Moslem-Jungen und die islamische Kultur blieb unserer Meinung nach zum Teil zu sehr an Klischees hängen. Dinge wie eine Goldkette tragen, schelle Autos fahren und in coolen Gangs zu sein, haben eher etwas mit Vorurteilen als mit muslimischer Kultur zu tun.

Im Gegensatz dazu hat es uns sehr gut gefallen, wie sich Axel darum bemüht, mehr über die islamische Religion zu erfahren. Die Szenen, wie er den Imam besucht und mit Fatimas Bruder Ali in der Moschee an den Gebeten teilnimmt, gehören zu den besten des Films.

Berührend und sehr gut gedreht waren auch die Szenen, wo sich die beiden Mädchen von Fenster zu Fenster verständigen und gemeinsam ihren Tanz für den Song Contest einstudieren.

Weniger gut fanden wir die Geschichte mit dem streunenden Hund. Da kam uns alles sehr konstruiert vor. So typisch auf Kindergeschichte: Die Kinder singen auf der Straße, in Lokalen und im Einkaufszentrum, um Geld für Hundefutter aufzutreiben. Annika nimmt den Hund mit in die Wohnung, obwohl es bei ihr zu Hause strengstes Hundeverbot gibt, weil die Mutter eine Tierhaar-Allergie hat, und dann lässt sie ihn noch dazu ins Eltern-Schlafzimmer! Bei Fatima herrscht aus religiösen Gründen Hunde-Ablehnung. Auch Axel dürfte keinen Hund nach Hause bringen, tut es aber dann heimlich. Der grantige Hausmeister, der es immer auf den Hund abgesehen hat, passte als Klischee-Bösewicht so richtig in diese Geschichte hinein. Alles in allem ist dieser Film eine unterhaltsame Alltags-Komödie über ein sehr wichtiges Thema. Ein fröhlicher Film, der gut ins Kinder-Kino passt, weil er viele Alterstufen anspricht.

 

Dänemark 2002
85 Minuten, Farbe

Regie: Pia Bovin
mit: Adam Gilbert Jespersen,
Nour Abou El-Foul,
Nadia Bøggild, u. a.

empfohlen ab 8 Jahren