Paulas Geheimnis

© Einhorn Filmverleih

PAULAS GEHEIMNIS

UNICEF-Preis, Internationales Kinderfilmfestival 2007

Paulas Eltern sind reich und haben nie Zeit. Paula ist einsam und  träumt von einem Märchenprinzen, dem sie in ihrem Tagebuch glühende Briefe schreibt. Als ihr das Tagebuch in der U-Bahn gestohlen wird, ist sie todunglücklich. Tobi stammt aus einfachen Verhältnissen und hat in der Schule Probleme mit Englisch. Als er den Diebstahl in der U-Bahn beobachtet, schließen die beiden einen Handel. Er hilft Paula, das Tagebuch zurück zu bekommen, wenn sie mit ihm auf die Englisch-Nachprüfung lernt. Als das unterschiedliche Paar die Täter schließlich stellt, erkennen die beiden, dass diese selbst Opfer einer verbrecherischen Organisation sind, und beschließen, den Kindern zur Flucht zu verhelfen …

Ein spannender Film über die Bedeutung von Freundschaft, die manchmal alle Hürden überwinden und sich im Verfolgen eines gemeinsamen Ziels bewähren kann.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat uns gut gefallen, denn er ist sehr spannend gemacht, lustig, mitreißend und traurig. Wir haben mitklatschen müssen, als die vier Kinder es gemeinsam schaffen, dass die beiden rumänischen Kinder Ioana und Radu per Fähre nach England zu Ioanas Schwester reisen können. Obwohl der Film eine Mischung aus allem ist (Themen, Spannung, Spaß . . .), ist er nicht zu kompliziert.

Eigentlich beginnt alles mit Paulas Traum vom Märchenprinzen. Deswegen möchte sie auch ihr Tagebuch unbedingt zurück, das Ioana und Radu ihr gestohlen haben. Die Wechsel zwischen Paulas Traum und der Realität sind sehr gut gelungen, aber die oftmalige Wiederholung des Bildes vom Prinzen auf der Wiese war uns dann doch ein wenig zu kitschig. Wir fanden es also nur logisch, dass Paula sich am Ende von ihm verabschiedet, weil ihr andere Dinge wichtiger geworden sind.

Bei den Figuren konnten wir uns leicht orientieren. Sie werden alle besonders klar gezeichnet und genau charakterisiert (Beispiel: Tobi isst gerne). Paula und Tobi sind zwei äußerst unterschiedliche Kinder. Ihre Eltern- bzw. Familien-Situation ist praktisch entgegengesetzt (viel/wenig Geld, hoher/niedriger sozialer Status usw.). Wir konnten gut nachvollziehen, dass dann auch die Kinder anders sind, wenn sie von vorneherein nicht die gleichen Chancen haben. Besonders gut heraus kam das z.B. beim unterschiedlichen Kleidungsstil von Paula und Jenny, als sie ihre Rollen tauschen und Jenny an Paulas Stelle ins Camp fährt. Die Idee mit dem Camp-Tausch fanden wir übrigens sehr lustig.

Ein ernstes und wichtiges Thema des Films ist natürlich, dass die rumänischen Kinder fern von ihrer Familie und ihrer Heimat gegen ihren Willen zum Stehlen gezwungen werden. Uns fiel es wirklich sehr schwer, mit ansehen zu müssen, wie die Kinder von den beiden rumänischen Banden-Chefs misshandelt werden, was man durch die Zigaretten-Brandwunden am Bauch ganz eindeutig erkennen kann. Insofern setzt sich der Film unserer Meinung nach sehr für die Kinderrechte ein.

Wir hätten eigentlich erwartet, dass am Ende alle Gauner gefasst werden, aber vielleicht kam es genau deswegen nicht zu so einem Finale, weil das ja zu perfekt und nicht realistisch gewesen wäre. Genauso wie Paula und Tobi nicht mehr eingreifen, als der ältere der beiden Banden-Chefs ins Taxi steigt und sich davon macht, denn das hätte sie nur in Schwierigkeiten gebracht. So gesehen ein sehr passendes Ende!

Gemacht ist der Film sehr gut, denn wenn die Kamera etwas aus der Vogel-Perspektive zeigt, dann war das auch immer der Hinweis auf etwas Wichtiges. Die Zeitlupen waren toll, besonders in jener Szene, in der Tobi einem der beiden rumänischen Banden-Chefs mit seiner Steinschleuder eine Murmel ins Knie schießt. Die Musik passt immer richtig gut zu der jeweiligen Szene, im Rumänen-Keller wird sie z.B. sehr spannend, bei Paulas Träumen sehr romantisch.

Schaut euch den Film an - wir können ihn euch sehr empfehlen!

 

Deutschland 2007
100 Minuten, Farbe

Regie: Gernot Krää
mit: Thelma Heintzelmann, Paul Vincent de Wall, Jürgen Vogel, Constanze Spranger, u. a.

empfohlen ab 9 Jahren