PELÉ PINGUIN KOMMT IN DIE STADT

© The Yellow Affair

PELÉ PINGUIN KOMMT IN DIE STADT
(PELÉ PINGVIN KOMMER TILL STAN)

Als die Fischvorräte am Südpol immer knapper werden, beschließt Pelés Familie, nach Stockholm, Schweden auszuwandern. Nach einer abenteuerlichen Überfahrt über den Atlantik hat es Pelé in der Großstadt nicht leicht, sich zu integrieren. Er trägt weder die coolen Kleider der anderen Kids, noch spricht er ihre coole Sprache. Da nützt auch nicht, dass er ein großartiger Schwimmer ist und Doppelsaltos vom höchsten Sprungbrett machen kann. Der einzige Lichtblick in dieser schweren Zeit ist das Mädchen Madeleine, die Pelé anders behandelt.

In diesem in Bild und Ton außergewöhnlich gestalteten Animationsfilm wird das hochaktuelle Thema der Migrantenproblematik aufgegriffen und für Kinder nachvollziehbar in Szene gesetzt.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat uns sehr gut gefallen! Er behandelt hochaktuelle Themen wie Migration, Fremdsein, Mobbing und Ausgrenzung sehr anschaulich und kindgerecht. Wir finden es wichtig, dass auch Filme für jüngere Kinder Geschichten über solche gesellschaftlichen Probleme erzählen.

Vergleicht man PELÉ PINGUIN KOMMT IN DIE STADT mit anderen Animationsfilmen, so wirken die Bewegungen der Figuren etwas unbeholfenen und steif, so wie bei einer Bildergeschichte oder einem Comic. Wir haben das im Laufe des Films immer besser als bewusstes Stilmittel begriffen, und vor allem den Kontrast von comichaften Zeichnungen und malerischen Bildern fanden wir beeindruckend. In den gemalten Szenen konnte man das Spiel mit Licht und Schatten oder raffinierte Spiegelungen sehen (Kirchturm spiegelt sich in einer Wasserlacke, die Kreidefelsen von Dover, die Stadtkulisse von Paris). Außerdem vermitteln die malerischen Bilder Stimmungen und Gefühle. Das weihnachtliche Stockholm im Schnee zum Beispiel, oder die Szene, als Pelé vor Glück über den Kuss von seiner Mitschülerin Madeleine umkippt und verträumt in den Himmel schaut.

Spielend gelingt es dem Film mit vielen kleinen Geschichten, auch jüngeren Kindern bewusst zu machen, was es heißt, in ein fremdes Land zu kommen. Die zivilisierten Stadtpinguine frieren und tragen warme Mäntel im Gegensatz zu den an die Kälte gewöhnten Neuankömmlingen. Pelé wird ausgelacht, weil er als Schuljause rohen Fisch mit hat, während die anderen Fischstäbchen mit Pommes in der Schulkantine bestellen. Auch die Schwierigkeiten von Pelés Eltern, eine passende Arbeit zu finden, sind sehr gut dargestellt. Pelés Papa wäre zwar besser im Fische fangen, findet aber nur einen Job in einer Käsefabrik (Löcher in die Käselaibe picken!). Seine Mama hingegen bekommt als Lagerarbeiterin im Kühlhaus einer Eisfabrik fast einen Traumjob. Kleine Szenen machen auf die kulturellen Unterschiede aufmerksam. So zum Beispiel, als Pelé mit seiner Mutter zum ersten Mal die Waschmaschine in der Waschküche des Wohnhauses benützen möchte und die fremdenfeindlichen Nachbarsfrauen nicht helfen wollen.

Auch wenn die Pinguine alle sehr ähnlich ausschauen, so konnte man sie als Figuren sehr gut auseinanderhalten, da jeder ein charakteristisches Merkmal hatte. Schön waren die vielen einfallsreichen Details, die dazu beitragen, dass der Film eigentlich durchgehend lustig und spannend bleibt (der Walfisch, der Familie Pinguin ein Stück in seinem Bauch transportiert, das Pinguin-Burger-Lokal, stylische rote Pinguin Schuhe in der Auslage oder dass Pelé zum Schlafengehen seinen schwarzen Frack auszieht).

Mit der Musik und den Geräuschen gelingt es diesem Film, die Handlung perfekt zu unterstützen. Überhaupt ist die ganze Geschichte so spannend angelegt, dass man sich als ZuschauerIn wirklich sehr gut hineinversetzen kann und mit der Hauptfigur mit fiebert. Absolut empfehlenswert, auch schon für jüngeres Kino-Publikum!

 

Schweden 2015
72 Minuten, Farbe

Regie: Kenneth Hedenström, Gustav Forsberg
Animationsfilm

8 +

Kenneth Hedenström
Kenneth Hedenström