DIE PERLMUTTERFARBE

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DIE PERLMUTTERFARBE

Deutschland in den frühen 30er-Jahren. Die Zeiten sind schwer, und die herrlichen Cremeschnitten in der Auslage des Bäckers können sich nur wenige Menschen leisten. Alexander hat ein wertvolles Buch eines Schülers der Parallelklasse zerstört und traut sich nicht, dazu zu stehen. Gruber, ein Neuer in der Klasse, weiß von seinem Geheimnis und verwendet dieses Wissen für seine aufwieglerischen Zwecke. Bald sind die Kinder in zwei Lager gespalten, während Alexander sich immer mehr in ein Gewirr aus Lügen verstrickt, aus dem er nicht mehr herauszukommen droht.

Der berühmte Roman von Anna Maria Jokl über Verrat und Vertrauensbruch, Freundschaft und Versöhnung wurde von Marcus H. Rosenmüller in ausdrucksstarke Bilder übertragen.

 

Kritik der Kinderjury

Der Film zeigt sehr gut, wie ein Einzelner (wie hier der hinterhältige und gemeine Gruber) nicht nur bis dahin gute Freunde gegeneinander ausspielt, sondern auch eine Gruppe gegen die andere aufhetzt (wie hier die A-Klasse gegen die B-Klasse). Dabei setzt er andere unter Druck, benutzt sie für seine Zwecke, hält sich selbst aber oft sehr geschickt aus der Sache heraus.

Es ist aber auch eine Geschichte übers Lügen, und wie schnell man sich in etwas verstrickt, aus dem man sich nicht mehr befreien kann.

Dieser Film ist wirklich dramatisch, hat aber auch einige sehr humorvolle Elemente, z.B. als "Depp" auf der Stirn von einem der Zwillinge zu lesen ist oder als sich die Bäckerei-Szene mit dem Kauf einer Cremeschnitte auf Kredit mit dem 2. Zwilling wiederholt. Der Film hat auch etwas Magisches, das zeigt sich z. B. durch die glitzernde, geheimnisvolle Perlmutterfarbe (die dem Film ja auch den Titel gibt) oder durch die Atmosphäre im Geschäft der Buchhändlerin. Die Spannung wird von Anfang bis Ende gut durchgehalten, denn wir wollten unbedingt wissen, wie es ausgeht und ob Alexander seine Lügen gesteht.

Besonders gelungen fanden wir alle Traum-Szenen. Das beginnt gleich am Anfang mit Alexanders lebhafter Vorstellung von einer Riesen-Cremeschnitte, die er gemeinsam mit der von ihm verehrten Lotte verzehren darf. Oder auch der Alptraum, in dem der Lehrer Herr Schloder fast wie ein Vampir aussieht.

Die Ausstattung und die Kostüme sind sehr genau und detailreich gelungen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Schule, die Schulsachen und die Bekleidung der Kinder. Wir konnten uns so sehr gut vorstellen, wie Kinder in den 1930er-Jahre gelebt haben.

Geschnitten ist der Film hervorragend, denn in den Szenen, in denen die Kinder bestraft werden (und die für uns ziemlich schrecklich waren), sieht man z.B. nie ganz genau, wie der Rohrstab ihre Hände trifft. Auch die Parallel-Montage mit den beiden Zwillingen in ihrer jeweiligen Gruppe gegen Ende des Films ist toll gemacht. Insgesamt würden wir die Montage als sehr dynamisch bezeichnen. Durch die vielen Überblendungen sind die Übergänge sehr fließend.

Die Kamera ist sehr gut, am besten haben uns die Vogelperspektiven gefallen, also z. B. wenn die Kinder am Schulhof von ganz oben zu sehen sind. Gruber ist dafür wieder fast immer von unten zu sehen, was ihn mächtiger und Angst einflössender erscheinen lässt, als er wirklich ist. Das wird auch musikalisch perfekt unterstützt.

Die SchauspielerInnen haben alle sehr gut gespielt, besonders natürlich Alexander und Gruber. In Alexander konnten wir uns sehr gut hineinversetzen, sein schlechtes Gewissen war sehr gut nachzuvollziehen. Das einzige Problem bei diesem Film war für uns, dass es sehr viele Figuren gibt, die wir nicht gut auseinander halten konnten.

Ein Film, der uns zum Nachdenken darüber angeregt hat, wie wir selbst in Alexanders Situation reagiert hätten.

 

Deutschland 2008
100 Minuten, Farbe

Regie: Marcus H. Rosenmüller
mit: Markus Krojer, Dominik Nowak, Zoë Mannhardt, u. a.

empfohlen von
10 bis 14 Jahren