EIN PFERD FÜR WINKY

© Internationales Kinderfilmfestival

EIN PFERD FÜR WINKY
(HED PARD VAN SINTERKLAAS)

Publikumspreis, Internationales Kinderfilmfestival 2006

Winky ist erst vor kurzem aus China mit ihrer Mutter nach Holland gekommen, wo ihr Vater ein chinesisches Restaurant betreibt. Die Auseinandersetzung mit dem neuen Leben und den damit verbundenen kulturellen Brüchen ist für das kleine Mädchen nicht immer leicht. Die Eltern sind sehr traditionsverbunden und stehen möglichen neuen Freundschaften der Tochter sehr vorsichtig gegenüber. Winky verbringt ihre Zeit am liebsten in einer benachbarten Reitschule, wo sie sich um die Pferde kümmern darf. Als sie in der Schule vom Weihnachtsmann hört, steht ihr Entschluss fest: Sie wird sich von ihm ein Pferd wünschen!

In diesem Film werden kleine Alltäglichkeiten mit der Kamera sorgfältig und sehr genau beobachtet und damit Winkys Anpassung an das neue Leben emotional erfassbar gemacht.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat uns sehr gut gefallen, denn das kleine chinesische Mädchen spielt die Rolle der Winky ganz besonders herzig und sie glaubt auch immer daran, dass ihr der Sinterklaas (der etwa unserem Nikolo entspricht) ein Pferd schenken wird. Viele Kinder wünschen sich ja ein Pferd, aber ob sie es dann wirklich bekommen??

Wir finden den holländischen Titel des Films richtiger, er bedeutet übersetzt etwa „Das Pferd von Nikolaus“. Der deutsche Titel verrät unserer Meinung nach ein bisschen zu viel vom Ende. Das Holländische ist dem Deutschen scheinbar sehr ähnlich, wir hatten nämlich das Gefühl, einiges verstanden zu haben.

Gleich den Beginn des Films, in dem ein Flugzeug über eine Landkarte fliegt und damit Winkys Reise von China in die Niederlande erklärt, fanden wir sehr gut. Hervorragend gemacht ist auch, dass Winky als Erzählerin immer kommentiert, was sie sich denkt, z.B. „Papa versteht nichts“. So kommt gut heraus, wie sie sich fühlt. Überhaupt ist vieles aus der Sicht des kleinen Mädchens erzählt. Es gibt eine Szene, in der sich Winky durch eine Menschenmenge durchdrängelt, um dem Sinterklaas ihre Zeichnung mit ihrem Wunsch zu geben. Dabei zeigt die Kamera nur die Beine der Menschen und man sieht sehr gut, wie Winkys Perspektive sein muss. In dieser Szene haben wir uns übrigens sehr über die Lehrerin geärgert. Sie reißt Winky und ihre neue Freundin Maaike zurück, ganz kurz bevor Winky ihre Zeichnung übergeben kann. Die Lehrerin ist auch schon früher ur gemein: beim Thema „Haustiere“ glaubt sie Winky nicht, dass sie ein Pferd hat und denkt, dass sie nur nicht gut genug holländisch kann und die Tier-Bezeichnungen verwechselt.

Eine traurige Szene gibt es auch, nämlich jene, in der das Pony stirbt. Die Szene ist zwar sehr liebevoll gemacht, aber kleine Kinder können das sicher trotzdem nicht ganz leicht verdauen. Es gibt aber auch sehr sehr viele lustige Szenen, besonders die, in denen sich die Geschäftsfrau immer über Winky aufregt. Das kommt öfter vor und wird bei jedem Mal lustiger. Auch als sich im China-Restaurant die Kaffee-Tassen des Sinterklaas stapeln ist das sehr witzig. Weitere Szenen zum Schmunzeln sind die Rolltreppen-Szene im Kaufhaus, die Stroh-Szenen, die Karotten-Szenen und als Sinterklaas fragt: „Wo ist mein Pferd?“

Die Figuren sind sehr gut gespielt, z.B. Winkys Mutter ist immer sehr ängstlich. Das Pärchen Samir und Sofie knutscht viel und ist nett, aber wir finden, dass Samir jünger aussieht als Sofie. Auch Onkel Siem und Tante Cor haben uns gut gefallen. Ein Foto beim Reitstall ist übrigens ein Hinweis auf Sinterklaas!

Wie die Zeit vergeht wird sehr klar gezeigt: Nach „Morgen bekomme ich ein Pferd!“ wird z.B. eine Schwarzblende verwendet. Schöne Bilder waren noch die Szenen mit Sinterklaas und seinem Pferd am Dach und als beim Reiten die Kamera immer um Winky rundherum fährt.

Die chinesische Musik, als Winky und Maaike Tische decken war besonders schön!

Am Ende bleibt ein bisschen vom Geheimnis um den Sinterklaas übrig: Glauben Winkys Eltern immer noch nicht an ihn - oder doch?

 

Niederlande/Belgien 2005
96 Minuten, Farbe

Regie: Mischa Kamp
mit: Ebbie Tam, Aaron Wan, Han Yi, Jan Decleir, u. a.

empfohlen ab 5 Jahren