PITBULLTERRIER

© Nordisk Film

PITBULLTERRIER
(PITBULLTERJE)

Jim lebt allein mit seiner Mutter, die an einer Angstpsychose leidet. Deshalb muss er viele Aufgaben im Haushalt übernehmen. In der Schule wird er von den "coolen" Jungs, zu denen er so gern gehören würde, ausgenutzt. Beim Playmobil-Spiel in der umgebauten Garage lebt er seine unerfüllten Wünsche und Träume aus. Eines Tages kommt ein neuer Junge namens Terje in die Schule. Er ist groß, fett und erzwingt sich Respekt, indem er andere einschüchtert. Und er besteht darauf, Jims bester Freund zu werden. Aber es dauert eine Weile, bis Jim lernt, zwischen wahren und falschen Freunden zu unterscheiden.

Mit viel Wärme wird die Entwicklung eines Heranwachsanden dargestellt, wobei Zeitlupenaufnahmen und geschickt eingebaute Playmobil-Szenen die Eindringlichkeit der Geschichte unterstreichen.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat uns besonders gut gefallen, weil er die Außenseiterthematik gut und realistisch darstellt. Außerdem gibt es in diesem Film ganz großartige Trickszenen mit Playmobilfiguren, die sich als Wunschfantasien von Jim perfekt in den Erzählrhythmus des Films einfügen. In dieser Plastik-Spielzeugwelt kann Jim den Ärger der Schule vergessen und sich an seinen fiesen Schulkollegen rächen. Im Western-Szenario sind er und sein fetter Freund Terje die Stärkeren, und die Bösewichte müssen am Marterpfahl für ihre Taten büßen.

Jim, dessen psychisch kranke Mutter das Haus nicht verlassen kann, lässt sich nicht unterkriegen. Obwohl ihm die Mobbing-Angriffe von Kurt ordentlich zusetzen beschließt er, sich auf Terjes Seite zu stellen. Wir fanden es gut, wie sich diese Entscheidung bei Jim im Lauf des Films entwickelt. Denn zuerst lässt er sich von Kurt und Roger herumkommandieren, um nicht ausgeschlossen zu werden. Auch hier spielt seine Fantasiewelt eine wichtige Rolle: Als ihn seine „Freunde“ im Kaufhaus auffordern, bei einem bösen Streich mitzumachen, verweigert er das, nachdem ihm Terje als Playmobil-Figur zulächelt und klar macht, wer Jims wirklicher Freund ist.

Gelungen ist in diesem Film auch die richtige Mischung aus lustig, traurig und spannend. Er hat von allem was und wir konnten uns gut in die Geschichte hineinversetzen. Auch wie die Krankheit von Jims Mutter erlebbar wird, fanden wir gut umgesetzt: Ihre Angst, aus dem Haus zu gehen, wird mit der ersten Mondlandung verglichen. Diese Szene ist wirklich lustig und traurig zugleich. Als sie angezogen wie ein Astronaut mit dicken Moonboots, Pelzhaube und Schibrille den ersten Schritt vor die Tür setzt, zeigt die Kamera ihre Beine und im Hintergrund ist der Ton des Mondlandungs-Videos zu hören.

Es gibt eine Menge lustige Szenen. Das Krippenspiel in der Schule, als die Mädchen einen coolen bauchfreien Engeltanz vorführen und die Weihnachtsgeschichte von zwei DJs als Rap erzählt wird. Oder die Szene, als Jim und Terje den Pudel der Nachbarin entführen und ihn Jims Mutter als Pitbullterrier unterjubeln. Genial war auch die Playmobil-Szene, in der dem genervten Jim ein Familien-Austausch-Programm angeboten wird. Und natürlich die Sache mit dem Furzen. Da wird es am Schluss noch einmal total spannend als Kurt wieder einmal einen mächtigen Feuerfurz gegen Jim loslassen will, um ihn zu demütigen. Doch Terje geht in letzter Sekunde dazwischen und so richtet sich Kurts Waffe schließlich gegen ihn selbst. Die Musik und der Einsatz von Zeitlupe steigern hier super die Spannung.

Weder Kinder noch Eltern haben es leicht in diesem Film. Trotzdem ist er nicht trist, sondern voll Wärme und Humor. Ein sehenswerter Film für die ganze Familie!

 

Norwegen 2005
84 Minuten, Farbe

Regie: Arild Fröhlich
mit: Petrus A. Christensen, Jörgen Foss, Kristin Skogheim, Atle Antonsen, u. a.

empfohlen von 10 bis 14 Jahren

Arild Fröhlich
Arild Fröhlich