DAS REISFELD

© Striped Entertainment

DAS REISFELD
(LA RIZIÈRE)

UNICEF-Preis (Lobende Erwähnung), Internationales Kinderfilmfestival 2013

In einem kleinen Bergdorf in der autonomen Provinz Guangxi im Süden Chinas lebt A Qiu mit ihrem kleinen Bruder und den Großeltern. Die Eltern arbeiten und wohnen in der Stadt. A Qiu möchte einmal Schriftstellerin werden und die Welt bereisen. Nach der Schule helfen die Kinder jeden Tag bei der Arbeit im Reisfeld. Aber dann stirbt die Großmutter, und die Eltern kehren nach Hause zurück. Das Leben in der Dong-Gemeinschaft ist traditionsverbunden, aber die Arbeit ist, nicht zuletzt wegen der harten Wetterbedingungen, oft mühsam.

Gedreht in einer überwältigenden Landschaft, beobachtet der Film fast dokumentarisch, aber mit viel Wärme den Alltag A Qius. So erfahren wir über ein ganzes Jahr hinweg Vieles über die Menschen, die hier leben, und kommen ihnen gleichzeitig sehr nah.

 

Kritik der Kinderjury

A Qui ist eine faszinierende Hauptfigur! Ein nachdenkliches und gescheites Mädchen mit soo traurigen Augen. Ganz aus ihrer Perspektive erzählt der Film anhand ihrer Tagebuch-Eintragungen von ihrem Leben in der südchinesischen Dong-Gemeinschaft. Die Idee mit dem Tagebuch hat uns sehr gut gefallen! Man hört A Quis Stimme aus dem Off und teilt ihren Blick auf die Welt.

Wir erfahren viel über sie und ihre Familie und können im Jahreslauf der Natur den Wechsel der Jahreszeiten und die harte Arbeit auf dem Reisfeld miterleben. Kinder arbeiten hier ganz selbstverständlich in der Landwirtschaft mit, und so muss A Qui schon mal von der Schule zu Hause bleiben, weil ihre Mithilfe am Reisfeld gebraucht wird. Wir fanden es gut, dass A Qui ihre eigene Vorstellung vom Leben hat und sich manchmal auch gegen die Traditionen auflehnt. Es ist bewundernswert, wie zielstrebig sie Ihren Berufs-Wunsch, Schriftstellerin zu werden, verfolgt. Dabei wird klar, wie wichtig eine gute Ausbildung für sie ist, und wir haben echt mitgelitten, als sie Angst hatte, die Aufnahmeprüfung in die höhere Schule nicht geschafft zu haben. Ganz andere Träume hatte dagegen A Quis ältere Schul-Freundin, die sich in den Kopf gesetzt hatte, "Miss Dong" zu werden. Die Bilder von der Casting-Show haben den Gegensatz zwischen Tradition und moderner Welt sehr deutlich gemacht. Den Unterschied zwischen Stadt und Land zeigen auch die Ansichten der Großstadt mit den Hochhäusern und der riesigen Baustelle, auf der A Quis Vater arbeitet.

DAS REISFELD erzählt fast wie ein Dokumentarfilm vom Leben der Menschen in dieser Volksgemeinschaft. Und es ist daher durchaus realistisch, dass nicht immer alles gut läuft. Der Tod der Großmutter war eine traurige, aber sehr schöne Szene, als sie bei einer Rast auf dem Reisfeld mit einem Lächeln im Gesicht für immer eingeschlafen ist. Und so ist es auch nachvollziehbar, dass der Büffel den Kampf letztendlich nicht gewonnen hat. Ja selbst den tragischen Schluss, als das Dorf durch einen schrecklichen Brand zerstört wird, fanden wir zwar schockierend, aber auch passend für diesen Film.

Begeistert haben uns die wunderbaren Landschaftsaufnahmen, die Bilder von den Häusern des Bergdorfes und der interessanten Holzarchitektur der Trommeltürme (die Aufnahmen von den Bauarbeiten für einen neuen Turm, den A Quis Großvater geplant hat, als Arbeiter und Arbeiterinnen Dachziegel von Hand zu Hand weiter reichen). Ein besonderer Höhepunkt war das Erntedankfest mit den fremdartigen Musikinstrumenten. Aber auch die vielen kleinen Momente, die den Alltag zeigen, haben uns berührt und manchmal auch erheitert – speziell A Quis kleiner schlimmer Bruder, der immer Unfug im Kopf hat. Ein außergewöhnlicher Festivalfilm, der uns das Leben in einer fremden Kultur sehr nahegebracht hat!

 

Frankreich/China 2010
82 Minuten, Farbe

Regie: Zhu Xiaoling
mit: Yang Yingqiu, Yang Xiaovuan, Wu Shenming u. a.

empfohlen von
9 bis 14 Jahren

Zhu Xiaoling
Zhu Xiaoling